Führungskräfte zur Einführung einer Europäischen Arbeitsbehörde

Essen, 08.01.2018 - Die EU-Kommission hat Pläne zur Einrichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde und holt dazu aktuell insbesondere die Meinungen der Arbeitgeber und von Arbeitnehmervereinigungen ein. Der Berufsverband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK sieht in einer solchen Behörde viele Vorteile, fordert aber auch eine klare Aufgabenzuweisung und die Vermeidung zusätzlicher Bürokratie, um eine echte Erleichterung von grenzüberschreitender Mobilität, mehr Transparenz für Fach- und Führungskräfte beim Schritt ins europäische Ausland sowie die Bekämpfung insbesondere grenznahen Lohn- und Sozialdumpings zu erreichen.  

1,7 Millionen Europäerinnen und Europäer pendeln täglich in einen anderen Mitgliedstaat. 16 Millionen Europäerinnen und Europäer leben heute in einem Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen. Gerade für Fach- und Führungskräfte ist die grenzüberschreitende Mobilität Alltag. „Sie ist gleichermaßen ein Motor für bestehende gute und schlechte arbeitsrechtliche Bedingungen: Sie kann Ungleichheiten fördern oder – wenn gut gemacht – Gleichheit auf einem hohen Niveau herstellen. Letzteres zu fördern muss Ziel einer europäischen Arbeitsbehörde sein“, erläutert DFK-Vorstand Dr. Ulrich Goldschmidt.

Eine gut gestaltete Mobilität in der EU werde viele derzeitige Herausforderungen beeinflussen, vom Demografischen Wandel bis zur Integration. Dazu gehöre auch, die Qualifikationen mobiler Arbeitnehmer aus der EU auf schnelle, einfache und zuverlässige Weise anzuerkennen, so der DFK. Zudem seien fehlende arbeits- und sozialrechtliche Informationen aus dem anderen EU-Land immer noch ein großes Hemmnis beim Schritt ins Ausland. Dies gebündelt in einem Haus vorzuhalten sei ein hohes, aber lohnenswertes Ziel.

„Diese möglichst klar definierten Aufgaben kann in der Tat eine europäische Arbeitsbehörde wahrnehmen. Eine Bündelung bestehender Instrumente für die grenzüberschreitende Mobilität wie zum Beispiel EURES – das europäische Portal zur beruflichen Mobilität, eine Europäische Krankenversicherungskarte, die Blaue Karte EU usw., um eine einheitliche Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und öffentliche Stellen zu schaffen, ist überaus sinnvoll“, so Goldschmidt.

Gerade auch eine europäische Fokussierung auf die Maßnahmen gegen die möglichen negativen Folgen des Wandels der Arbeitswelt sei wünschenswert, so der Berufsverband. Tatsächlich berge das Entstehen neuer, atypischer Beschäftigungsformen oft das Risiko von „Grauzonen“ in Bezug auf Arbeitnehmerrechte und den Zugang zu Sozialleistungen in ganz Europa. So müssen beispielsweise grenzüberschreitend „flexible Arbeitsverträge“ vor Missbrauch geschützt werden. Eine Europäische Arbeitsbehörde könne dabei helfen, Fälle von grenznahem Lohn- und Sozialdumping wirkungsvoll zu bekämpfen. Das sei auch im Interesse der Unternehmen, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Goldschmidt weiter: „Mit der zunehmenden Grenzüberschreitung der Arbeitsverhältnisse wird auch hinsichtlich der Mitbestimmung das Missbrauchspotenzial größer. Eine ‚Flucht aus der Mitbestimmung‘ wird immer wieder versucht – auch dem muss entgegengetreten werden.“

Schließlich kann dieses Vorhaben auch eine Verbesserung in dem Bereich Qualifizierung bringen, so der DFK. Es gelte eine kontinuierliche, lebenslange Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sicherzustellen, um mit der technologischen Entwicklung und der entsprechenden Entwicklung des Marktes nicht nur Schritt zu halten, sondern sie mitzugestalten. Dies gelte umso mehr, weil Arbeitnehmer immer länger arbeiten und Wissen immer schneller veralte. Dies werde europaweit viel zu wenig unterstützt. 

Zentral für den Verband der Führungskräfte ist aber ein letzter Punkt: „Wichtig für den Erfolg ist, dass die Arbeit aller bestehenden EU-Agenturen besser aufeinander abgestimmt wird und gemeinsam effizienter gearbeitet wird. Es muss unbedingt verhindert werden, dass ein weiterer Behördenstrang geschaffen wird, der schlicht neben die anderen gestellt wird - und so eher weniger Effizienz als mehr geschaffen wird. Wir brauchen eine möglichst wirkungsvolle Unterstützung ohne weitere Bürokratie für die Unternehmen ebenso wie für Arbeitnehmer“, so Goldschmidt.

 

 

Über DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

Der DFK ist die branchenübergreifende Stimme der Fach- und Führungskräfte in Deutschland. Er vertritt in seinem Netzwerk bundesweit rund 25.000 Führungskräfte des mittleren und höheren Managements auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Kernthemen sind dabei Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik, Sozialrecht und Sozialpolitik, Steuer- und Bildungspolitik. Die Mitglieder des Berufsverbandes erhalten eine umfassende Unterstützung auf ihrem Karriereweg z.B. in Form von juristischer Beratung und Vertretung, vielfältigen Weiterbildungsangeboten und aktuellen Informationen aus dem Berufsleben. Zudem bietet der DFK über seine Regional- und Fachgruppen ein gut gepflegtes und weit verzweigtes Kontaktnetzwerk. Dazu laden eigene Strukturen, wie beispielsweise für den Führungsnachwuchs (Young Leaders), für Geschäftsführer oder ein eigenes Frauennetzwerk, zum Networking ein. Der Berufsverband ist in 20 Regionalgruppen gegliedert und hat seine Hauptgeschäftsstelle in Essen. Weitere Geschäftsstellen sind in Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. In Berlin ist der Berufsverband mit einer Hauptstadt-Repräsentanz vertreten.

 

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