Europäisches Frauennetzwerk „Women4Energy“ unter Beteiligung des DFK gegründet

Ausbalanciertes Interesse bei der Auftaktveranstaltung zu Women4Energy: im Vordergrund der DFK-Vertreter

Dr. Simone Schwanitz; Quelle: Steinbeis-Europa-Zentrum

Das europäische Frauennetzwerk „European Network of Women for Innovative Energy Solutions“ (Women4Energy Network) ist Anfang Dezember unter der Schirmherrschaft der Amtschefin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, Frau Dr. Simone Schwanitz, in Stuttgart gegründet worden. Der DFK war zu der Auftaktveranstaltung am 10.12.2012 im Stuttgarter „Haus der Wirtschaft“ eingeladen und hat die Erklärung anläßlich der Gründung dieses in Europa einzigartigen Netzwerks mit unterzeichnet.

Als Vorprogramm eingebunden in die Jahreskonferenz 2012 von KIC InnoEnergy, einer durch das Europäische Institut für Innovation und Technologie, EIT, unterstützten europaweiten Allianz für innovative Energietechnologien, Energieforschung und Bildung, hatte die Auftaktveranstaltung bereits großen Zuspruch durch etwa 150 Teilnehmer – davon etwa die Hälfte weiblich - aus Deutschland und Europa.

In ihrer Begrüßung hob Frau Dr. Schwanitz hervor, daß KIC InnoEnergy die Führung bei der Schaffung einer Innovationskultur übernehme, bei der Gender eines der wichtigsten Querschnittsthemen bilden werde. Die Initiative „European Network of Women for Innovative Energy Solutions“ werde ein Schwerpunkt in diesem Prozess sein. So vereine „Women4Energy Network“ Forschung und Industrie, Bildung und Wissenstransfer im Bereich der nachhaltigen Energie, für die KIC InnoEnergy den idealen Rahmen bietet.

Als Vertreter von KIC InnoEnergy gratulierte Prof. Dr. Karl-Friedrich Ziegahn, Karlsruher Institut für Technologie, dem Kreis um Frau Dr. Petra Püchner, Steinbeis-Europa-Zentrum, für dessen Initiative zur Gründung des Netzwerks. Er hob hervor, daß in den USA zwar bereits einige gleichartige Netzwerke existierten, jedoch in Europa bislang nur ein spezielles – das Women in Nuclear-Netzwerk seit 1994 mit ca. 4000 Mitgliedern - bekannt sei. Vor dem Hintergrund, daß in der EU der Transfer von F&E-Ergebnissen hin zur kommerziellen Produkten – im Gegensatz zu den USA – noch verbesserungsbedürftig ist, müssten sich die Unternehmen zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit wandeln. Anstelle nur eine Ansammlung von Experten und Wissenschaftlern zu sein, müssten Unternehmen nun als „Jobmotor“ bzw. „Innovationsmaschine“ agieren, wofür auch ein neuer Menschentyp gefragt sei. Hierbei sei das Handlungsfeld „Emotionen“ besonders wichtig, in dem Frauen nachgewiesen besser seien.

Zur Erklärung führte Prof. Ziegahn aus, daß heutzutage die Propagierung praktisch jeder Energieform zu Gegenbewegungen in der Gesellschaft führe, bei denen Angst einen hohen Stellenwert einnehme. Da die Angst eine besonders schwierige Form von Emotionen sei, seien Frauen prinzipiell gut geeignet, den „Angst“-Modus aus der Diskussion um Energieformen zu nehmen. Als Beispiel nannte er die Geothermie, die zunächst eine breite gesellschaftliche Unterstützung erfahren habe, bis im Zuge von vereinzelten Fehlern ein angstgesteuerter Umschwung erfolgt sei. Insofern seien die Erwartungen im Energiesektor an Frauen groß, sich erfolgreich bei der Bewältigung der anstehenden Probleme einzubringen.

Als eine maßgebliche Initiatorin von Women4Energy stellte Frau Dr. Püchner den europäischen Kontext dieser Initiative heraus. So habe die EU-Kommission in einer kürzlichen Mitteilung – COM (2012) 392 - erst wieder die ungenügende Förderung von Frauen im F&E-Sektor bemängelt. Im Rahmen einer kürzlich veröffentlichten Studie sei diese Fragestellung bei Ingenieurstudentinnen in Baden-Württemberg untersucht und der „Verlust“ von weiblichen Ingenieurabsolventen für eine Industrie- bzw. Hochschulkarriere nachgewiesen worden. Die Notwendigkeit zur Veränderung sei deshalb in die Formeln need for structural change und no longer fixing women but fixing institutions gefasst worden. Insofern sei deutlich geworden, daß „Gender“ nicht Teil eines Problems, sondern der Lösung ist. Für sie sei sicher, so Dr. Püchner, daß unterschiedliche Sehweisen (d. h. durch beide Geschlechter) das Potential für neue Ideen erhöhen und gemischte Teams strukturellen Wandel besser gestalten können.

Zur Gestaltung des Netzwerks führte sie aus, daß zunächst Arbeitsgruppen als open source-Plattform – wie im sozialen Netzwerk LinkedIn - und Projekte eingerichtet würden. Weiter seien Politikempfehlungen geplant und als Fernziel könne auch eine formale Struktur mit Einrichtung eines Boards infrage kommen.

An der abschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben den vorerwähnten Referenten zwei Vertreterinnen aus Industrie und Hochschule teil, die ihr Interesse an Women4Energy u. a. wie folgt begründeten:

  • Da Frauen per se „nachhaltig“ denken, sei es naheliegend, sich im nunmehr auf Nachhaltigkeit auszurichtenden Energiesektor zu vernetzen
  • Nachhaltige Lösungen im Energiesektor sind multi-dimensional, weshalb die hierbei gefragte Interdisziplinarität der Motor für ein höheres Engagement von Frauen sei
  • Das unternehmerische Engagement von Frauen müsse gefördert werden, da diese Gruppe wie bei Eigentümer-geführten Firmen mehr am langfristigen bzw. nachhaltigen Unternehmenserfolg orientiert sei

Breite Zustimmung fand der Vorschlag, daß Women4Energy sich unter Vernetzung mit gleichgesinnten Strukturen an Schulen entwickeln solle, wie z. B. die MINT-Initiative oder die Förderung von unternehmerischem Denken in der Sekundarstufe. Dies wurde ergänzt um Empfehlungen, gute Beispiele im Sinne der Netzwerk-Ziele über dessen Kommunikationsplattform zu veröffentlichen und sich auch an der politischen Debatte zu zukünftigen Energiekonzepten engagiert zu beteiligen.

Quelle der Fotos: Steinbeis-Europa-Zentrum