Stresstest: Milliardenlöcher bei Betriebsrenten

Europäischer Stresstest zeigt immer größer werdende Milliardenlöcher bei Betriebsrenten

Die Ergebnisse des aktuellen Stresstests der europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und Betriebsrenten (EIOPA) für die betrieblichen Altersversorgungssysteme (BAV) in 17 EU-Ländern sind deutlich: Bei den Rückstellungen klafft europaweit ein Loch von im Negativszenario bis zu 773 Milliarden Euro. In Deutschland zählen zu diesen Betriebsrenteneinrichtungen Pensionskassen und Pensionsfonds.

Ziel des Stresstests war es, die Widerstandsfähigkeit des Sektors gegen mögliche negative Entwicklungen am Kapitalmarkt und gegen eine steigende Lebenserwartung der Leistungsbezieher zu testen. EIOPA-Präsident Gabriel Bernardino betont, dass die Verpflichtungen hieraus sehr langfristig seien und mögliche Lücken könne man immer noch „durch höhere Einzahlungen und ein Absenken der Betriebsrenten ausgleichen“. Das klingt ernst – und das ist es auch.

Fest steht: Die Rückstellungen reichen mittlerweile bei weitem nicht aus. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin bestätigt, dass eine andauernde Niedrigzinsphase für den deutschen BAV-Sektor eine „große Herausforderung“ bleiben würde. Die simulierte negative Entwicklung der Kapitalmärkte und eine steigende Lebenserwartung der Leistungsbezieher verstärke den Effekt weiter. Es sei „davon auszugehen, dass es in diesen Fällen zusätzlicher Zahlungen der Arbeitgeber bedürfe, um die Leistungen zu erbringen, die sie den Versorgungsberechtigten versprochen haben.“ Im Falle deutscher Pensionsfonds oder Pensionskassen müssen in der Tat im Krisenfall grundsätzlich nach dem Betriebsrentengesetz die Unternehmen selbst einspringen und so die Lücke schließen. Aber auch die Unternehmen werden dann an die Leistungsgrenze kommen – nicht erst bei den Zahlungen selbst. Schon jetzt berät man in der Bundesregierung, wie die Unternehmen bei den immer größer werdenden Rückstellungen für die BAV in den Büchern entlastet werden können. Offenbar soll für die Kalkulation des Zinssatzes zur Berechnung von Rückstellungen für Betriebsrenten die vergangenen zehn Geschäftsjahre zugrunde gelegt werden statt wie bisher sieben Geschäftsjahre. So soll der Trend der immer größer werdenden Rückstellungen für die BAV zumindest verlangsamt werden.

Zusätzlich schreiben Unternehmen immer öfter nur noch ihre Beiträge für die Altersversorgung fest – nicht mehr die genaue Höhe späterer Leistungen. So wird das Risiko auf den Arbeitnehmer verlagert. Dabei kommt es entscheidend auf die Formulierung in den BAV-Regelungen an.

Dieses Thema braucht eine größere politische Diskussion, denn der anhaltende Niedrigzins wird nicht nur die BAV-Systeme weiter belasten sondern auch einige Unternehmen an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Sicherlich ist auch die Handlungsfähigkeit der Unternehmen zu gewährleisten, aber vor allem sind die Betriebsrenten zu sichern, um die Betriebsrentner von morgen nicht die Zeche von heute zahlen zu lassen.