18.03.2019: Equal Pay Day

Essen, 15.03.2019 - Montag ist Equal Pay Day (EPD): Er markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten und liegt in 2019 wie im Vorjahr unverändert auf dem 18. März. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts betrug die Lohnlücke in Deutschland gemessen am Durchschnittsbruttostundenlohn 21% (2017). Diese Zahl ist auf den ersten Blick erschreckend, aber zum Teil recht einfach zu erklären, da es sich um den „unbereinigten“ Gender Pay Gap handelt: Frauen arbeiten häufiger in Berufen, die weniger Geld einbringen. Auch werden Frauen nach wie vor seltener in Führungspositionen befördert. Verstärkte Teilzeittätigkeit bei Frauen spielt ebenfalls eine Rolle. Vergleicht man die Gehälter von Frauen und Männern, deren Arbeits- und Lebensumstände ähneln, spricht man dagegen vom "bereinigten" Gender Pay Gap. Er erklärt einen großen Teil des ungleichen Verdienstes von Frauen und Männern. Doch für einen Teil der Lohnlücke fehlt jede Erklärung.

Hier gilt es anzusetzen. Aufklärung tut not. Denn nicht selten mögen auch unbewusste Vorurteile, der unconscious bias, bei der Gehaltshöhe eine Rolle spielen. „Einem weiblichen Verbandsmitglied wurde einmal im Rahmen von Abfindungsverhandlungen der gut verdienende Partner als Argument für eine niedrigere Abfindungssumme vorgehalten“, so Dr. Heike Kroll, Leiterin Frauennetzwerk des DFK – Verband für Fach- und Führungskräfte. Wenn der Gedanke an den Partner offenbar Abfindungsverhandlungen beeinflusst, dann geschieht das sicherlich – zumindest unbewusst – auch bei Gehaltsverhandlungen. Dessen müssen sich alle Beteiligten bewusst sein und sich immer wieder bewusst machen.

Transparenz bei den Löhnen wäre ein weiterer wichtiger Schritt für geschlechterübergreifende Lohngerechtigkeit. Seit Januar 2018 gilt nach dem Entgelttransparenzgesetz ein individueller Auskunftsanspruch über die Kriterien und Verfahren der Entgeltfindung und über die Höhe der Gehälter. Jedoch wird dieser Anspruch noch zu wenig geltend gemacht. „Der Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz spielt bei unseren Beratungsanfragen aus der Mitgliedschaft aktuell noch keine Rolle“, so die Fachanwältin für Arbeitsrecht Kroll.

Warum das so ist, kann man nur rätseln. Ein Grund wird sicherlich sein, dass der Auskunftsanspruch erst bei Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern gilt und damit viele Arbeitsverhältnisse nicht erfasst. Bis auf die medienwirksame Klage einer ZDF-Reporterin wegen Diskriminierung (LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 05.02.2019, 16 Sa 983/18) hörte man von Klagen nach dem Entgelttransparenzgesetz bisher wenig. Zwar wurde der Anspruch der Reporterin auf Auskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz im Rahmen dieses Klageverfahrens abgelehnt, jedoch weil man die Klägerin als freie Mitarbeiterin und nicht als Arbeitnehmerin sah. Diese Entscheidung sollte einen daher nicht von einer eigenen Auskunftsklage abhalten, soweit die weiteren Voraussetzungen vorliegen.


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