DFK-Gehaltsumfrage 2011

Viele Führungskräfte erwarten sinkenden Boni

Essen, 11. November 2011 – Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhalten Deutschlands Führungskräfte auskömmliche Gehälter. Positiv wirkt sich jetzt für die Beschäftigten aus, dass es die Unternehmen in guten Zeiten mit der Ausweitung variabler Vergütungsbestandteile in der Regel nicht übertrieben haben. So hat es in einigen Branchen in Zeiten der Wirtschaftskrise bei den Bonuszahlungen doch spürbare Einbrüche gegeben. Fast die Hälfte der Führungskräfte erwartet weiter sinkende Bonuszahlungen. Auffällig ist zudem, dass in einzelnen Branchen im Vergleich zu früheren Jahren sogar die Festgehälter gesunken sind oder stagnieren. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der Gehaltsstudie des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE (DFK). Im Rahmen dieser Studie wurden 4.500 Führungskräfte nach ihrer Gehaltssituation im vergangenen Jahr befragt.

„Benchmark lautete häufig das Zauberwort, wenn die Gehaltsdiskussion in den Unternehmen geführt werden soll. Auf Grund des zunehmenden Fach- und Führungskräftemangels in der deutschen Wirtschaft hat dieser Begriff eine ganz neue Gewichtung bekommen“, stellt Dr. Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des DFK, fest. „In einem Umfeld, das sich immer stärker zu einem ‘Arbeitnehmer-Arbeitsmarkt‘ entwickelt, achten Arbeitnehmer mehr als in der Vergangenheit darauf, ob die Konditionen, zu denen sie sich bei einem Arbeitgeber verdingen, attraktiv genug sind“, so Goldschmidt weiter.

Ein Blick auf die Gesamtjahresbezüge zeigt, dass nach der vorliegenden Studie die Führungskräfte in Deutschland zwar ordentlich vergütet werden, aber bei weitem keine Fantasiegehälter erhalten. Im Branchenvergleich liegen bei den Gesamtjahresbezügen die Führungskräfte aus der Energiewirtschaft vor den Managern aus dem Bankenbereich und aus der Telekommunikation. In der ersten Führungsebene unterhalb der Unternehmensleitung zahlen Energieversorgungsunternehmen im oberen Segment 225.000 Euro, die Banken 217.000 Euro und die Telekommunikationsfirmen 188.000 Euro im Jahr.

In der zweiten Führungsebene liegen die Banker mit 191.000 Euro im Jahr vorne. Schon mit deutlichem Abstand folgt hier die Mineralölwirtschaft mit 173.000 Euro. Ein genauer Blick auf die Statistik zeigt allerdings eine starke Spreizung bei den Gehältern der einzelnen Branchen. So erhalten Führungskräfte aus der ersten Ebene bei den Energieversorgern im unteren Segment 145.000 Euro, die Banker liegen hier bei 96.000 Euro. Die niedrigsten Gesamtjahresbezüge werden übrigens im Gesundheitswesen gezahlt. Im unteren Bereich geht es hier bis auf 75.000 Euro in der ersten Führungsebene zurück.

„Ein Blick auf unsere früheren Gehaltsstudien zeigt, dass einige Unternehmen offensichtlich beim Festgehalt ihrer Fach- und Führungs-kräfte Einsparpotential ausgemacht haben“, weist Verbandsgeschäftsführer Ulrich Goldschmidt auf eine aktuelle Entwicklung hin. So seien die Festgehälter z. B. in der Stahlbranche, aber auch in Handelsunternehmen, im Medien- und Druckbereich und in Verkehrsunternehmen zum Teil spürbar gesunken. Wie sich diese Praxis im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte auf dem Arbeitsmarkt auswirken werde, bleibe abzuwarten.

Neben dem Festgehalt haben variable, erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile bei Führungskräften nach wie vor eine große Bedeutung. Bei 77 Prozent der befragten Führungskräfte ist nach der DFK-Studie die Höhe des variablen Vergütungsanteils im Verhältnis zum Festgehalt allerdings summenmäßig oder prozentual begrenzt, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 5 Prozent ausmacht. Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass auch hier die Bandbreite sehr groß ist. Gilt die Begrenzung der Bonuszahlung z. B. für 90 Prozent der befragten Führungskräfte in der Telekommunikation, gilt dies nur für 54 Prozent der Banker, was im Branchenvergleich den niedrigsten Wert darstellt. „Auch hier haben wir allerdings eine deutliche Verschiebung festzustellen. So galt die Begrenzung der Bonuszahlungen im Bankenbereich im Vorjahr nur für 40 Prozent der Führungskräfte“, erläutert Goldschmidt.

Ratsam ist ein differenzierter Blick auf die variablen Vergütungsbestandteile. Wo es eine Begrenzung des variablen Vergütungsanteils gibt, konnten im Branchendurchschnitt 30.000 Euro theoretisch erreicht werden. Tatsächlich zur Auszahlung kamen aber nur 20.000 Euro an Bonuszahlungen. Im Durchschnitt wurden damit rund 67 Prozent der theoretisch erreichbaren Boni tatsächlich ausgezahlt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 71 Prozent und im Jahr 2008 sogar bei 88 Prozent. Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind hier deutlich zu spüren. Dies belegt auch ein Blick auf die einzelnen Branchen. Wurden z. B. in der Energiewirtschaft noch über 90 Prozent des theoretisch erreichbaren Bonus auch tatsächlich ausgezahlt, kam man in der Automobilindustrie und in den Banken gerade noch auf 44 Prozent.

Auch in diesem Jahr lagen die Bonuszahlungen in den Unternehmen, in denen es eine Begrenzung der variablen Bezüge gibt, höher als in den Unternehmen ohne Begrenzung der Variablen. Wurden in der ersten und zweiten Führungsebene Unternehmen mit einer solchen Begrenzung durchschnittlich 23.000 Euro als Bonus ausgezahlt, waren es in Unternehmen ohne Begrenzung der variablen Bezüge lediglich 17.000 bzw. 16.000 Euro. Dieses auf den ersten Blick überraschende Ergebnis erklärt sich daraus, dass in den Vergütungssystemen ohne Begrenzung des variablen Vergütungsanteils für die Bemessung der Bonuszahlungen wesentlich häufiger auf Kriterien zurückgegriffen wird, die weniger objektiv geprägt sind und mehr Spielraum für subjektive Einschätzungen lassen. So hat sich auch in dieser Untersuchung bestätigt, dass die Bonuszahlungen in der Regel höher waren, wenn die Bemessungskriterien für den Bonus möglichst konkret gefasst und objektiv messbar waren. Die Orientierung am Unternehmensergebnis oder an objektiv nachvollziehbaren persönlichen Zielvereinbarungen empfiehlt sich nach Einschätzung des Führungskräfteverbandes DFK schon deshalb, um langwierige Bewertungsfragen zu vermeiden.

Bei 40 Prozent der befragten Führungskräfte fiel der Bonusanteil im Jahre 2010 geringer aus als im Vorjahr. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber den rund 25 Prozent des Vorjahres. Im Gesundheitswesen mussten sogar rund 67 Prozent der Führungskräfte einen Rückgang ihres Bonusanteils hinnehmen. Auch in anderen Branchen sah es teilweise nicht viel besser aus. Dabei waren die Gehaltseinbußen in diesem variablen Teil der Vergütung teilweise erheblich, wie z. B. in den Banken mit einem Wert von 33.000 Euro und in der Automobilindustrie mit 25.000 Euro im oberen Segment. Das heißt, dass 25 Prozent der Teilnehmer an dieser Studie sogar noch höhere Einbußen hatten.

Dies erklärt möglicherweise auch die große Skepsis der Führungskräfte beim Ausblick auf das Jahr 2011. Fast die Hälfte rechnet für das laufende Jahr erneut mit Einbußen gegenüber dem Vorjahr. Harte Zeiten erwarten insbesondere die Führungskräfte im Gesundheitswesen. Hier glauben über 70 Prozent, dass der Bonusanteil erneut niedriger ausfallen wird als im laufenden Jahr. Optimistischer sind hier die Manager der Automobilindustrie, wo man mehrheitlich annimmt, das Schlimmste hinter sich gebracht zu haben. Fast die Hälfte der befragten Führungskräfte in dieser Branche glaubt, dass der Bonusanteil wieder steigen wird.

Unverändert ablehnend steht eine Mehrheit der Führungskräfte einer Anhebung des Bonusanteils auf Kosten des Festgehaltes gegenüber. 84 Prozent  der Führungskräfte lehnen solche Pläne inzwischen ab. Einen leichten Aufschwung hat es bei den Gehaltsanhebungen gegeben. Lag die Anpassung der Festgehälter im Jahr 2009 noch bei lediglich 1,6 Prozent, waren es 2010 durchschnittlich 2,4 Prozent. Mit einem Wert von 3,1 Prozent lag die Stahlbranche am besten, während in anderen Unternehmen und Branchen teilweise nicht einmal der Inflationsausgleich gewährt wurde.

Unternehmen, die beim Gehaltsbenchmark hinterherhinken, sind nach Einschätzung des Führungskräfteverbandes DFK gut beraten, ihre Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt kritisch zu hinterfragen. Im Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Führungskräfte trete man nicht mehr wie früher nur in der eigenen Branche an, sondern konkurriere branchenübergreifend und häufig sogar global. Die Bindung an eine Branche oder gar an ein Unternehmen für den Rest des Berufslebens findet sich gerade unter Fach- und Führungskräften immer seltener.

Einen Auszug aus dieser Studie erhalten Sie hier.

Für Verbandsmitglieder besteht über diese veröffentlichten Ergebnisse hinaus zudem der besondere Service, eine Vergütungsberatung in Anspruch zu nehmen. So erhalten Sie Detailaussagen zur Vergütung in der eigenen spezifischen beruflichen Situation.

Über DIE FÜHRUNGSKRÄFTE


Der DFK ist die branchenübergreifende Stimme der Fach- und Führungskräfte in Deutschland. Er vertritt in seinem Netzwerk bundesweit rund 25.000 Führungskräfte des mittleren und höheren Managements auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Kernthemen sind dabei Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik, Sozialrecht und Sozialpolitik, Steuer- und Bildungspolitik. Die Mitglieder des Berufsverbandes erhalten eine umfassende Unterstützung auf ihrem Karriereweg z.B. in Form von juristischer Beratung und Vertretung, vielfältigen Weiterbildungsangeboten und aktuellen Informationen aus dem Berufsleben. Zudem bietet der DFK über seine Regional- und Fachgruppen ein gut gepflegtes und weit verzweigtes Kontaktnetzwerk. Dazu laden eigene Strukturen, wie beispielsweise für den Führungsnachwuchs (Young Leaders), für Geschäftsführer oder ein eigenes Frauennetzwerk, zum Networking ein. Der Berufsverband ist in 20 Regionalgruppen gegliedert und hat seine Hauptgeschäftsstelle in Essen. Weitere Geschäftsstellen sind in Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. In Berlin ist der Berufsverband mit einer Hauptstadt-Repräsentanz vertreten.