Energiewende: Management statt Experimente

Essen, 30. April 2012 – Wenn die Bundeskanzlerin in dieser Woche zum Energiegipfel nach Berlin lädt, erwarten Deutschlands Führungskräfte eine klare Ansage, wie die Energiewende gemanagt werden soll. „In der Energiepolitik brauchen wir keine Ideologien, sondern Management“, sagt Bernhard von Rothkirch, Vorsitzender des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK.

„Es reicht eben nicht, die Energiewende nur zu verkünden, sondern man muss sie auch umsetzen. Dazu braucht man aber ein klar strukturiertes Projektmanagement“, so Bernhard von Rothkirch weiter, der die Bundeskanzlerin in der Verpflichtung sieht, dieses Thema zur Chefsache zu machen. Dazu gehöre z. B. die unverzügliche Bündelung der Energiekompetenzen in einem eigenen Energieministerium und zwar heute und nicht erst nach Abschluss des Kernenergieausstiegs im Jahr 2022, wie von Angela Merkel angekündigt. Wenn eine CO2-freie Energieversorgung in Deutschland im Jahr 2050 nicht nur eine Vision bleiben solle, müssten jetzt die notwendigen Schritte ideologiefrei definiert und umgesetzt werden.

Aus Sicht des DFK müssen dabei die Ziele des Umwelt- und Klimaschutzes gleichberechtigt neben den Zielen Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit stehen. Für das Projektmanagement der Energiewende sieht der Führungskräfteverband vordringlich die folgenden Handlungsfelder:

Netzausbau und flexible Kraftwerke

Die regionale Verteilung der Kraftwerke im bestehenden Netz ist ineffizient. In der Mitte und im Süden Deutschland fallen Kernkraftwerke weg, während es gleichzeitig einen Zubau von Windkraftanlagen vor den Küsten Norddeutschlands gibt. Das Problem dieser ungleichen Verteilung lässt sich viel günstiger durch Netzausbau als durch neue zusätzliche Kraftwerke lösen, da ausreichende Kraftwerkskapazitäten vorhanden sind. So ist der Bevölkerung zu vermitteln, dass ein Ausbau erneuerbarer Energien ohne einen parallelen Netzausbau nicht zu verwirklichen ist. Gleichzeitig sind die bestehenden Kraftwerke so zu modernisieren, dass sie auf schwankende Einspeisemengen, insbesondere aus erneuerbaren Energien, flexibel reagieren können.

Subventionspolitik mit Augenmaß

Die Politik muss Planungssicherheit für die Marktteilnehmer schaffen und verbindlich erklären, mit welchen Werkzeugen und Fördermaßnahmen Klimaschutz und Energieversorgung gesteuert werden sollen. Anderenfalls besteht die Gefahr, dass langfristig angelegte Investitionsentscheidungen nicht mehr getätigt werden oder sich als Fehlinvestitionen entpuppen. Instrumente wie den CO2-Zertifikatehandel auch weiterhin parallel zu Fördermaßnahmen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der Ökosteuer einzusetzen, belastet unsere Volkswirtschaft gleich mehrfach und beeinträchtigt die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands. Die EEG-Maßnahmen machen aktuell jährlich mehr als 10 Milliarden Euro aus, die von den Stromkunden bezahlt und mindestens noch weitere 20 Jahre aufgebracht werden müssen und das, um z. B. heute die Solarzellenproduktion und vielleicht morgen die Windanlagenproduktion in China zu subventionieren.

Kosteneffizienz beim Klimaschutz

Die vorhandenen Mittel müssen dort zum Einsatz kommen, wo sie im Sinne des Klimaschutzes am meisten bewirken. Die kostengünstigste Maßnahme ist nach dem heutigen Stand der Technik die Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Kraftwerke, die mit ihrer modernen Technik die CO2-Emissionen um rund 30% gegenüber den stillzulegenden Altanlagen verringern.

Faire Marktbedingungen

Wichtig ist es, Markt und Wettbewerb zu erhalten und nicht durch eine Überregulierung zu zerstören. Damit der Wettbewerb funktionieren und Preissignale geben kann, sind für alle Marktteilnehmer faire Wettbewerbsbedingungen sicherzustellen. Verfehlt wäre es, dabei nur das deutsche Marktumfeld zu betrachten. Die fairen Markt- und Wettbewerbsbedingungen müssen vielmehr zumindest europaweit garantiert werden.

Über DIE FÜHRUNGSKRÄFTE

Der DFK ist die branchenübergreifende Stimme der Fach- und Führungskräfte in Deutschland. Er vertritt in seinem Netzwerk bundesweit rund 25.000 Führungskräfte des mittleren und höheren Managements auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. Kernthemen sind dabei Arbeitsrecht und Arbeitsmarktpolitik, Sozialrecht und Sozialpolitik, Steuer- und Bildungspolitik. Die Mitglieder des Berufsverbandes erhalten eine umfassende Unterstützung auf ihrem Karriereweg z.B. in Form von juristischer Beratung und Vertretung, vielfältigen Weiterbildungsangeboten und aktuellen Informationen aus dem Berufsleben. Zudem bietet der DFK über seine Regional- und Fachgruppen ein gut gepflegtes und weit verzweigtes Kontaktnetzwerk. Dazu laden eigene Strukturen, wie beispielsweise für den Führungsnachwuchs (Young Leaders), für Geschäftsführer oder ein eigenes Frauennetzwerk, zum Networking ein. Der Berufsverband ist in 20 Regionalgruppen gegliedert und hat seine Hauptgeschäftsstelle in Essen. Weitere Geschäftsstellen sind in Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. In Berlin ist der Berufsverband mit einer Hauptstadt-Repräsentanz vertreten.