Besteht die Möglichkeit, offene Urlaubsansprüche in Geld abzugelten?

Da in den letzten Monaten die Arbeitsbelastung in meiner Abteilung sehr hoch war, konnte ich einen Teil meines Jahresurlaubs nicht in Anspruch nehmen. In meinem Arbeitsvertrag steht, dass der Urlaub verfällt, wenn er nicht bis zum Ende des Jahres genommen wird. Besteht die Möglichkeit, offene Urlaubsansprüche ins Folgejahr zu übertragen oder diese zumindest in Geld abzugelten?

Antwort:

Sofern im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder in einem einschlägigen Tarifvertrag keine anders lautende Regelung getroffen wurde, verfällt der gesetzliche Urlaubsanspruch tatsächlich, wenn er nicht im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen wurde. Eine Übertragung auf das folgende Jahr ist nach den Vorschriften des Bundesurlaubsgesetzes nur dann statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen. Jedoch muss auch in diesem Fall der Urlaub in den ersten drei Monaten des Folgejahres, d.h. bis zum 31. März, gewährt und genommen worden sein. Es reicht also nicht aus, den Urlaub lediglich zu beantragen. Er muss auch tatsächlich in dieser Zeit in Anspruch genommen worden sein.

Ein hohes Arbeitsaufkommen kann grundsätzlich einen betrieblichen Grund darstellen, der die Übertragung des Urlaubsanspruchs auf das Folgejahr rechtfertigt. Allerdings muss in diesem Fall der Arbeitnehmer darlegen und beweisen, dass der Urlaub wegen der entgegenstehenden betrieblichen Gründe nicht genommen werden konnte. Hierbei ist es in der Regel jedoch ausreichend, wenn der Arbeitnehmer darlegt, dass der Arbeitgeber seinen Urlaubsantrag am Ende des Urlaubsjahres unter Hinweis auf ein hohes Arbeitsaufkommen nicht genehmigt hat.

Eine Abgeltung des Urlaubs in Geld kommt nach dem Bundesurlaubsgesetz nur dann in Betracht, wenn der Urlaub wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden konnte. Gleiches gilt außerdem für den Fall, dass der Urlaub aufgrund Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers nicht gewährt werden konnte. Die finanzielle Abgeltung von Urlaubstagen soll nach dem Willen des Gesetzgebers also die Ausnahme sein. Mit anderen Worten: Es geht nicht darum, über das Ansparen von Urlaubstagen sein Gehalt aufzubessern. Auch wenn der eine oder andere nach einem verregneten Familienurlaub zweifeln mag, so steht doch der Erholungseffekt beim Urlaub absolut im Vordergrund.