Wer krank ist, muss nicht zwingend im Bett bleiben

Mein behandelnder Arzt hat mich aufgrund eines Burn-Out-Syndroms für mehrere Wochen krankgeschrieben. Darf ich in der Zeit der Arbeitsunfähigkeit körperlichen Aktivitäten nachgehen, oder kann mein Arbeitgeber mich deshalb kündigen? 

Antwort:

Wer krankgeschrieben ist, muss nicht unbedingt nur noch zu Hause im Bett liegen bleiben. Es gibt Krankheiten, die sogar ein aktives Genesungsverhalten des Betroffenen erfordern. Gesetzlich ist nicht geregelt, was man bei einer Arbeitsunfähigkeit tun darf und was nicht. Dies hängt von den konkreten Besonderheiten des jeweiligen Krankheitsbildes ab. Die Rechtsprechung verlangt, dass der arbeitsunfähige Arbeitnehmer dazu verpflichtet ist, die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um eine baldmögliche Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu erreichen. Zugleich hat er jegliches genesungswidrige Verhalten zu unterlassen. Wer dies missachtet, muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechnen.

So gefährdet ein arbeitsunfähiger Arbeitnehmer etwa seine Genesung, wenn er trotz eines verstauchten Beines an einer Bergwanderung teilnimmt oder trotz einer Erkältung im Freien übernachtet. Neben solchen offensichtlichen Sorgfaltspflichtverletzungen ist letztlich immer entscheidend, was die jeweilige Krankheit und deren Bekämpfung gebieten.

Im Falle einer psychischen Erkrankung (Burn-Out) kann es dagegen sogar sinnvoll sein, sich aktiv und in der Natur zu bewegen. Gegen einen Spaziergang oder leichte sportliche Aktivitäten ist in der Regel nichts einzuwenden. Oftmals raten Ärzte sogar zu solchem Verhalten. Nur wenn durch derartige Aktivitäten der Genesungsprozess in erheblicher Weise verschlimmert wird bzw. eine Verschlimmerung droht, kann dies unter Umständen zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen.