Dürfen bei Stellenbesetzungen nur Frauen berücksichtigt werden?

Obwohl das Bestreben, mehr Frauen in Führungspositionen zu etablieren, sinnvoll und in Politik und Gesellschaft größtenteils angestrebt ist, haben Unternehmen bei der Bewerberauswahl dennoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten. So verbietet § 1 des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) unter an-derem Benachteiligungen aus Gründen des Geschlechts. Männer und Frauen sind danach auch bei der Besetzung offener Stellen gleich zu behandeln. Sucht das Unternehmen ausschließlich nur nach Frauen, ist das in der Regel eine unzulässige Diskriminierung von Männern. Diese können dann nach § 15 AGG eine Entschädigung verlangen.

Dies gilt für den Regelfall der Stellenbesetzungen, wo das Geschlecht des Kandidaten beziehungsweise der Kandidatin keine notwendige Rolle spielt. Doch es gibt auch Ausnahmen. So gibt es nämlich Berufe, in denen das Geschlecht eine wesentliche und entscheidende Anforderung darstellt (§ 8 Abs. 1 AGG). Daher werden beispielsweise als Model für Damenmoden auch weiterhin nur Frauen in Betracht kommen und der Arbeitgeber darf männlichen Bewerbern hier eine Absage erteilen. Doch die Fälle, in denen das männliche oder weibliche Geschlecht eine entscheidende Anforderung an die Stellenausübung darstellt, werden immer weniger. So kann man nicht annehmen, dass für „klassische" Männer- oder Frauenberufe auch nur männliche oder weibliche Bewerber in Betracht kommen. Der männliche Erzieher oder die Handwerkerin sind längst keine Seltenheit mehr.