Mobbing und Schikane?

Von meinem Vorgesetzten fühle ich mich ungerecht behandelt. Er verlangt von mir seit neuestem, dass ich genaue Aufzeichnungen über meine tägliche Arbeitstätigkeit führe. Ist so etwas erlaubt? Für mich grenzt das an Schikane.

Antwort:
 

Nicht alles, was häufig pauschal mit dem Stichwort „Mobbing“ überschrieben wird, stellt in rechtlicher Hinsicht tatsächlich eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts dar. Wenn allerdings dem Vorgesetzten eine gezielte Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers nachgewiesen werden kann, oder er toleriert, dass Kollegen und Mitarbeiter Diskriminierungshandlungen vornehmen, stellt dies einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dar und der Arbeitgeber kann sogar verpflichtet sein, Schadensersatz zu leisten. Eine Diskriminierungshandlung liegt „klassischerweise“ vor, wenn Arbeitnehmer wegen ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ähnlichem benachteiligt werden. Aber auch, wenn Arbeitnehmern keine Aufgaben mehr zugewiesen oder diese gezielt isoliert werden, kann dieses eine rechtswidrige Benachteiligung sein. Der Arbeitgeber schafft sozusagen ein Entwürdigungs- und Ausgrenzungsklima.

Da das Vorliegen von Mobbing in der Regel nicht einfach nachzuweisen ist, sollte man zunächst genau alle unerwünschten Verhaltensweisen des Vorgesetzten zusammentragen und schriftlich dokumentieren („Mobbingtagebuch“). Denn im Streitfall muss der Arbeitnehmer beweisen, dass er benachteiligt wird. Auch sollten Personen, die eventuell als Zeugen in Betracht kommen, notiert werden.

Grundsätzlich müssen diskriminierende Handlungen über einen längeren Zeitraum erfolgen. Denn für eine gerichtliche Auseinandersetzung kommt es darauf an, ob die beanstandete Rechtsgutverletzung systematisch erfolgt und sich aus vielen einzelnen Handlungen oder Verhaltensweisen zusammensetzt.

Nun zu Ihrer Frage: Allein das Verlangen, die tägliche Arbeit zu dokumentieren, stellt an sich kein benachteiligendes Verhalten dar. Der Arbeitgeber hat durchaus ein schutzwürdiges Interesse an derlei Verhalten. Sollten Sie jedoch den Eindruck haben, gezielt benachteiligt zu werden, sollten Sie die Vorgänge genau dokumentieren und sich ggf. einem Mitglied der Arbeitnehmervertretung oder einer im Betrieb entsprechend beauftragten Person anvertrauen.