Fragerecht im Vorstellungsgespräch

Ich bewerbe mich derzeit um eine neue Stelle. In den nächsten Wochen führe ich einige Vorstellungsgespräche. Falls ich dort gefragt werde, ob ich mich auch woanders beworben habe, muss ich diese Frage wahrheitsgemäß beantworten? Wobei bin ich generell zur Auskunft verpflichtet?

Antwort:

Das so genannte Fragerecht des Arbeitgebers bei Vorstellungsgesprächen ist ein „Dauerbrenner“. Nicht zuletzt durch die Einflüsse des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) beschäftigt diese Thematik Arbeitsrechtler häufig. Obwohl potentielle Arbeitgeber natürlich ein großes Interesse daran haben, viele Informationen über den Bewerber zu erhalten und dabei manchmal unbequeme Fragen stellen, müssen Bewerber längst nicht alle Fragen beantworten. Das Arbeitsrecht schützt das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Bewerbers und unterscheidet deshalb zwischen zulässigen und unzulässigen Fragen. Fragen, die z.B. einen Bezug zum Geschlecht des Bewerbers, dessen Alter, oder Religion haben oder Fragen nach einer Behinderung oder Schwangerschaft sind regelmäßig unzulässig. Bei solchen unzulässigen Fragen hat der Bewerber ein „Recht zur Lüge“, d.h. er darf die Unwahrheit sagen. Fällt diese Lüge dem Arbeitgeber später auf, ist dies für den Arbeitnehmer in der Regel folgenlos. Anders bei zulässigen Fragen. Diese muss der Bewerber wahrheitsgemäß beantworten. Tut er das nicht, kann der Arbeitgeber später den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Zulässig sind im Allgemeinen Fragen, die einen Bezug ausschließlich auf die konkrete Tätigkeit haben. Dazu gehören auch Fragen zum beruflichen Werdegang.

Die Frage nach einer parallelen Bewerbung bei einem Konkurrenzunternehmen muss nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Denn solche Parallelbewerbungen unterfallen dem grundrechtlichen Schutzbereich des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und der Berufsfreiheit.