Abwerben von Arbeitnehmern über Xing

Ich bin vor kurzem über ein Internet-Karrierenetzwerk von einem angeblichen Personalverantwortlichen eines Konkurrenzunternehmens angeschrieben worden. Er teilte mir mit, dass ich in sein Unternehmen wechseln könne, da dieses „mehr hermacht“ als mein derzeitiges Unternehmen. Ist so etwas überhaupt erlaubt?

Antwort:

Das Internet und dabei insbesondere soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder Facebook haben die Personalsuche vereinfacht. So ist es in der Regel für Arbeitgeber nicht schwer, die wesentlichen Informationen über potentielle neue Mitarbeiter in Erfahrung zu bringen. Auf der anderen Seite steht dabei das Risiko für die Bewerber, möglicherweise zu viel Privates von sich preiszugeben oder ungewollt die Aufmerksamkeit von Dritten auf sich zu ziehen.

So geschehen im Fall eines Personaldienstleisters aus der IT-Branche, der versucht hat, über die Internetplattform Xing einen Mitarbeiter abzuwerben, indem er dessen aktuellen Arbeitgeber herabgewürdigt hat. Mit diesem Fall hatte sich das Landgericht Heidelberg aktuell zu befassen und kam mit Urteil vom 23.05.2012 (Az.: 1 S 58/11) zu der Entscheidung, dass sich Arbeitgeber solchen Fällen sogar schadensersatzpflichtig machen können.

Der Personaldienstleister hatte einen Mitarbeiter eines Konkurrenzunternehmens über die Internetplattform Xing angeschrieben und sich dabei durch Formulierungen wie „Sie wissen ja hoffentlich, was Sie sich da angetan haben?“ abwertend über dessen Arbeitgeber geäußert. Am Ende der versandten Nachricht wurde mitgeteilt: „Bei Fragen gebe ich gerne Auskunft.“

Das Landgericht sah darin einen Verstoß gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb (UWG) und verurteilte das Unternehmen zur Erstattung der Kosten, die dem betroffenen Konkurrenzunternehmen wegen der Abmahnung, das Verhalten zu unterlassen, entstanden waren.

Das Gericht entschied, dass eine solche Herabwürdigung, die von dem beklagten Personaldienstleister in keiner Weise begründet oder mit Fakten belegt wurde, gegen das Recht des Unternehmens auf angemessene Darstellung in der Öffentlichkeit verstoße. Darüber hinaus sah das Gericht in dem Verhalten eine gezielte Behinderung des Konkurrenzunternehmens durch unlauteres Abwerben von Mitarbeitern. Die Schlussformulierung „Bei Fragen gebe ich gerne Auskunft.“ sei als gezielter Versuch einer Kontaktaufnahme zu bewerten.
 
Praxistipp:
Grundsätzlich bleibt es Unternehmen erlaubt, Mitarbeiter der Konkurrenz abzuwerben. Die Grenze zur Unzulässigkeit ist allerdings dort erreicht, wo „unlautere Begleitumstände“ hinzukommen, wie im Falle von unangebrachten, herabwürdigenden Äußerungen.