Jobabsage, aber warum?

Vor kurzem hatte ich ein Vorstellungsgespräch bei meinem Wunscharbeitgeber. Leider erhielt ich eine Absage. Da ich einen sehr guten Eindruck von dem Gespräch hätte, würde ich gerne wissen, weshalb ich nicht zum Zuge gekommen bin. Jedoch verweigert mir der potentielle Arbeitgeber eine Antwort. Kann ich verlangen, Auskunft zu erhalten?

Antwort:

Nicht zuletzt unter dem Eindruck des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) hat sich in den vergangenen Monaten die Frage nach dem Auskunftsanspruch eines erfolglosen Bewerbers wiederholt gestellt. Auch das Bundesarbeitsgericht hatte im letzten Jahr über die Klage einer Bewerberin zu entscheiden, die behauptete, die Voraussetzungen für die ausgeschriebene Stelle zu erfüllen, jedoch aufgrund ihres Alters und Geschlechts sowie der Herkunft nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden zu sein. Nachdem die Klage in den ersten beiden Instanzen keinen Erfolg hatte, entschieden auch die Richter beim BAG, dass die Klägerin keine ausreichenden Indizien dafür anführen konnte, dass eine Benachteiligung im Sinne des AGG anzunehmen wäre. Allerdings wurde dieser Fall dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt.

Der EuGH entschied im April 2012, dass unterlegene Bewerber aus dem Unionsrecht keinen Auskunftsanspruch gegen den Arbeitgeber über die etwaige Einstellung und die hierfür maßgeblichen Kriterien haben. Allerdings, so die Europarichter, könne in Einzelfällen die Verweigerung jeglicher Information dazu führen, dass eine solche Auskunftsverweigerung das Vorliegen einer Diskriminierung indiziert.

Das bedeutet: Erfolglose Bewerber, die eine Diskriminierung vermuten, können zwar aus dem EU-Recht keinen Auskunftsanspruch gegen den Arbeitgeber über den eingestellten Bewerber und die Auswahlkriterien verlangen. Die Verweigerung jeglicher Informationen kann jedoch vermuten lassen, dass eine Benachteiligung des Arbeitnehmers vorliegt. In diesem Fall muss der Arbeitgeber dann das Gegenteil beweisen.