Länge der Kündigungsfristen

Ich bin seit sechs Jahren bei meinem Arbeitgeber beschäftigt, überlege nun allerdings, den Arbeitsplatz zu wechseln. In meinem Arbeitsvertrag wurde eine Kündigungsfrist von vier Wochen vereinbart. Ich habe allerdings einmal gehört, dass die Kündigungsfristen je nach Dauer des Arbeitsverhältnisses länger werden. Mir ist an einer möglichst frühzeitigen Ausscheiden aus dem Unternehmen gelegen. Besteht für mich aber jetzt die Gefahr, dass ich mich an eine längere Kündigungsfrist halten muss?

Antwort:

Sie nehmen sicherlich Bezug auf die Vorschrift des § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Darin sind die gesetzlichen Kündigungsfristen geregelt. Abs. 1 der Vorschrift enthält die so genannte Grundkündigungsfrist, während in dem zweiten Absatz die verlängerten Kündigungsfristen enthalten sind. Sofern im Arbeitsvertrag keine anders lautende Regelung getroffen wurde, gelten für Arbeitsverhältnisse die gesetzlichen Kündigungsfristen. Die Vorschrift unterscheidet allerdings schnell Kündigung durch den Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Danach kann ein Arbeitnehmer das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen. Kündigt andererseits der Arbeitgeber, muss er sich, je nach Dauer des Arbeitsverhältnisses, an die gegebenenfalls verlängerten Kündigungsfristen halten. Diese sehen wie folgt aus: Hat das Arbeitsverhältnis

  • zwei Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist einen Monat zum Ende eines Kalendermonats,
  • fünf Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • acht Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist drei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • zehn Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist vier Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • zwölf Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • 15 Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • 20 Jahre bestanden, beträgt die Kündigungsfrist sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Als Arbeitnehmer ist daher grundsätzlich unabhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses eine Kündigung mit einer Frist von vier Wochen möglich. Dennoch ist Vorsicht geboten, da viele Arbeitsverträge die Bestimmung enthalten, dass die verlängerten Kündigungsfristen nach § 622 Abs. 2 BGB sowohl für den Arbeitgeber, als auch für den Arbeitnehmer gelten. In diesem Fall ist auch der Arbeitnehmer an die längere Frist gebunden. Nicht vereinbart werden kann jedoch, dass die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer länger, als für den Arbeitgeber. Eine solche Regelung wäre unwirksam.