E-Mails in der Freizeit beantworten?

In letzter Zeit begegnet mir oft die Diskussion, ob und inwieweit Mitarbeiter auch nach Feierabend erreichbar sein müssen. In Zeiten von Smartphone und Laptop sind viele Arbeitnehmer doch ohnehin ständig erreichbar. Darf mein Vorgesetzter aber verlangen, dass ich in meiner Freizeit E-Mails beantworte?

Antwort:

Grundsätzlich sind Arbeitnehmer nicht verpflichtet, während ihrer Freizeit Arbeitsleistungen zu erbringen. Dazu gehört auch das Beantworten dienstlicher E-Mails. Es kommt daher vor allem auf die Regelungen im Arbeitsvertrag oder in einschlägigen kollektivrechtlichen Regelungen, wie z.B. Betriebs- oder Sprecherausschussvereinbarungen an. Wenn darin feste Arbeitszeiten vorgesehen sind, kann der Arbeitgeber nicht einseitig festlegen, dass in der Freizeit E-Mails zu beantworten sind. Etwas schwieriger ist es, wenn keine konkreten Arbeitszeiten vereinbart wurden. Grundsätzlich kann dann der Arbeitgeber auch anordnen, dass ein Mitarbeiter nach Feierabend dienstlich erreichbar ist.

Wichtig ist, dass diese Tätigkeiten dann jedoch auch als Arbeitszeit bewertet werden und ein entsprechender Vergütungsanspruch (und ggf. auch ein Anspruch auf Überstundenvergütung) besteht. Probleme entstehen in der Praxis, wenn durch die Arbeit auch nach Feierabend die gesetzlichen Höchstgrenzen des Arbeitszeitgesetzes überschritten werden. Dieses Gesetz gilt für alle Arbeitnehmer mit Ausnahme der leitenden Angestellten und ist vom Arbeitgeber zwingend zu beachten. Die tägliche Arbeitszeit darf in der Regel maximal 8 Stunden betragen. Außerdem muss ein Arbeitnehmer nach Ende seiner täglichen Arbeit mindestens 11 Stunden Ruhezeit haben. Dies wird mitunter schwierig einzuhalten, wenn auch nach Feierabend noch E-Mails beantwortet werden. Es sollte daher nach Möglichkeit eine einvernehmliche und eindeutige Regelung mit dem Vorgesetzten getroffen werden, was die dienstliche Erreichbarkeit nach der eigentlichen Arbeitszeit angeht.