Trotz Krankheit zum Personalgespräch?

Im vergangenen Monat wurde ich von meinem Hausarzt krankgeschrieben und habe daher einige Wochen lang nicht gearbeitet. Obwohl ich dies meinem Arbeitgeber mitgeteilt und ihm auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht habe, hat mich mein Arbeitgeber während meiner Krankheit zu einem Personalgespräch gebeten. Ich habe den Termin nicht wahrgenommen. Mein Arbeitgeber hat hierauf sehr ungehalten reagiert. Kann er mich deshalb abmahnen oder gar kündigen?

Antwort:

Bei einer ärztlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit besteht grundsätzlich keine Verpflichtung des Arbeitnehmers, der Aufforderung zur Teilnahme an einem Personalgespräch nachzukommen. Dies wird von manchen Unternehmen in der Praxis jedoch außer Acht gelassen. So wird ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer zwecks Durchführung eines „Krankenrückkehrgespräches“ nicht selten zum Arbeitgeber bestellt. Dies läuft dem eigentlichen Heilungszweck jedoch zuwider. Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn es dem Arbeitnehmer z.B. aufgrund einer Erkrankung unmöglich ist, die geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen. Er hat alles zu unterlassen, was der Genesung und Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit abträglich ist. Die Konfrontation mit dem Berufsalltag soll während der Dauer der Arbeitsunfähigkeit vermieden werden. Da auch die Teilnahme an einem Personalgespräch Teil der Arbeit ist, diese dem Arbeitnehmer jedoch aufgrund der Arbeitsunfähigkeit unmöglich ist, braucht er der Aufforderung des Arbeitgebers nicht zu folgen. Darüber hinaus kann die Durchführung des Personalgespräches den Heilungsverlauf gefährden.

Als Kompromisslösung kann dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden, dass man nach der Genesung selbstverständlich zu einem Personalgespräch zur Verfügung steht. Eine Verpflichtung hierzu besteht allerdings nicht. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Arbeitgeber die unterlassene Teilnahme an einem Personalgespräch bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers grundsätzlich nicht sanktionieren darf.