Urlaubsanspruch am Rosenmontag?

Mein Arbeitsplatz befindet sich in einer Stadt, die durchaus als „Karnevalshochburg“ bezeichnet werden kann. Von einigen Bekannten aus anderen Unternehmen habe ich erfahren, dass diese am Rosenmontag nicht arbeiten müssen. Soweit ich weiß, ist dies aber kein gesetzlicher Feiertag. Habe ich trotzdem einen Anspruch darauf, an diesem Tag nicht zu arbeiten?

Antwort:

Die so genannte fünfte Jahreszeit steht kurz vor ihrem Höhepunkt. Zwar mag bei einigen Arbeitnehmern die Auffassung bestehen, dass in der Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch in Bezug auf das Arbeitsverhältnis bestehende Regelungen (und manchmal nicht nur diese) außer Kraft gesetzt seien. Dem ist jedoch nicht so. Es kann daher sehr schnell zu einem Konflikt mit dem Arbeitgeber kommen. Die klassischen Karnevalstage sind ganz normale Arbeitstage und keine gesetzlichen Feiertage. Dies bedeutet: Wer feiern will, muss Urlaub nehmen. Eine Selbstbeurlaubung kennt das deutsche Urlaubsrecht nicht. Wer dies missachtet und ohne Zustimmung des Arbeitgebers seinen Arbeitsplatz verlässt, zu Hause bleibt oder „krank feiert“ muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer außerordentlichen Kündigung rechnen.

Einige Unternehmen gewähren ihren Arbeitnehmern z.B. am Rosenmontag einen freien Tag. In der Regel handelt es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Wenn jedoch der Arbeitgeber in der Vergangenheit solche Tage regelmäßig von der Arbeitspflicht ausgenommen und nicht klargestellt hat, dass er dies freiwillig tut, kann nach den Grundsätzen der so genannten betrieblichen Übung auch für die Zukunft ein Anspruch auf den freien Tag für die Arbeitnehmer entstehen. Dringend zu empfehlen ist aber, dies nicht auf bloßen Verdacht hin anzunehmen, sondern sich vorher zu vergewissern, ob die Voraussetzungen der betrieblichen Übung tatsächlich vorliegen.

Vorsicht ist außerdem geboten bei manch typischem Karnevalsbrauch: So ist etwa das Abschneiden der Krawatte eines Arbeitnehmers durch eine Kollegin nur dann erlaubt, wenn das „Opfer“ einverstanden ist. Zwar kann sich ein solches Einverständnis aus den Umständen ergeben. Jedoch existieren bereits gerichtliche Entscheidungen, in denen Karnevalisten wegen des Abschneidens einer Krawatte zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt wurden. Von Schmerzensgeldzahlungen, wenn es die Lieblingskrawatte erwischt hat, ist allerdings nichts bekannt geworden.