Glauben ist alles?

Ist es erlaubt, sich einer Arbeitsanweisung seines Chefs zu widersetzen, wenn diese gegen die religiösen Überzeugungen des Arbeitnehmers verstößt?

Antwort:

Die Arbeitsverweigerung kann grundsätzlich zu einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen. Dies gilt unter Umständen selbst dann, wenn sich der Arbeitnehmer in einem Glaubenskonflikt befindet. Es kommt jedoch stets auf die Besonderheiten des Einzelfalles an. Bekannt sind zum Beispiel die Fälle des Einzelhandelsangestellten, der sich geweigert hat, Alkohol zu verkaufen, da seine Religion dies verbietet, oder die Erzieherin, die sich weigerte, Geburtstagslisten der Kinder zu führen, da ihr Glaube nicht gestattete, Geburtstage zu feiern.

Beruft sich der Arbeitnehmer bei einer Arbeitsanweisung des Arbeitgebers auf einen entgegenstehenden, ernsthaften inneren Glaubenskonflikt, kann das Beharren des Arbeitgebers auf Befolgung der Anweisung unter Umständen ungerechtfertigt sein. Denn die Religionsfreiheit ist als Grundrecht verfassungsrechtlich geschützt und gilt auch im Arbeitsverhältnis. Auf der anderen Seite sind jedoch auch die betrieblichen Interessen des Arbeitgebers zu berücksichtigen. Dieser muss es grundsätzlich nicht hinnehmen, dass ein Arbeitnehmer, der sich auf eine konkrete Position beworben hat, diese dann aus Glaubensgründen nicht ausübt.

Arbeitnehmer müssen in solchen Fällen konkret darlegen, dass die Art der Beschäftigung mit ihrem Glauben nicht in Einklang zu bringen ist. Sofern möglich, kann eine Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz erfolgen, bei dem eine solche Interessenkollision nicht besteht. Sollte keine anderweitige Beschäftigungsmöglichkeit bestehen, kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis unter Umständen sogar kündigen. Dies gilt etwa dann, wenn es dem Arbeitgeber nicht ohne größere Schwierigkeiten möglich ist, den Arbeitnehmer anderweitig sinnvoll einzusetzen.