Sprecherausschusskonferenz 2016

Dr. Manfred Strombach
Cornelia Heinrichs
Intensive Diskussion bei der Sprecherausschusskonferenz
Trainieren wie die Weltmeister
Jörg Löwenstein

Werte und Wertschätzung von Leitenden ­Angestellten

Eine gute Tradition, zumal wenn sie erfolgreich ist, soll man nicht brechen. In diesem Sinne lud der ­Verband DIE ­FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK am 20. und 21. Oktober zur Sprecherausschusskonferenz ins ­ATLANTIC ­Congress Hotel nach Essen ein. Krankheitsbedingt waren diverse Teilnehmer nicht angereist, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Gut gelaunt startete das Networking mit einem Sekt­empfang, bevor es zum gemeinsamen Abendessen ging.

Dinnerspeech mit Tiefgang

In der gleichen guten Tradition hatte der DFK auch wieder einen Speaker zum Dinner geladen. In diesem Jahr sprach Thomas Becker, freiberuflicher Journalist u. a. beim WDR und Medienanwalt, über die Renaissance des Qualitätsjournalismus. Dabei ging es natürlich auch um die Frage der Rolle der Medien in der Demokratie.

Dass die Zeiten sich in der Medienlandschaft geändert haben, ist allen gegenwärtig. Das Ende diverser Tageszeitungen ist dafür nur ein Beispiel. Becker fragte auch, wie es dazu hat kommen können, dass die Kritik gegenüber Medien sich in dem Begriff „Lügenpresse“ zu einem Schimpfwort verändert hat.

Der Qualitätsjournalismus kann, so Becker, das Rennen gegen die Konkurrenz aus dem Netz nicht gewinnen. Und an der Silvesternacht von Köln zeigt sich dieses Phänomen überdeutlich. Die Deutungshoheit der „klassischen Medien“ ist verloren gegangen zugunsten der digitalen Konkurrenz, die es eher auf den nächsten Klick abgesehen hat. Damit schreibt er gegen ein bereits festgefügtes Bild an. Fraglich ist, wie sie damit der Rolle als Wächter gerecht werden kann oder soll. Er sieht aber gute Chancen, wieder Vertrauen und Wertschätzung zurückzugewinnen. Schlüssel sind hier Werte, für die Medien stehen und vermitteln müssen. Der Vortrag setzte an verschiedenen Tischen die Diskussion sofort in Gang. Die Gespräche wurden auch durch das gute Essen nicht ­unterbrochen, was deutlich für die Qualität der Gespräche sprach.

Wertschätzung aktueller denn je

Unter dem Motto „Werte und Wertschätzung von Leitenden Angestellten“ begann dann am nächsten Morgen der offizielle Teil der Sprecherausschusskonferenz.

Im Zeitalter von Rationalisierung und Umstrukturierung verliert dieses Thema auch bei Leitenden Angestellten nicht an Aktualität. Hinzu kommt die „Sandwich-Position“ als Bindeglied zwischen der Unternehmensführung und der Belegschaft. Werte, aber auch Wertschätzung sind dabei unerlässlich, um nicht nur die eigene, sondern auch die Wertschöpfung der anderen Mitarbeiter zu erhöhen.

Gibt das Unternehmen aber überhaupt Werte vor? Sollte ein Unternehmen Werte vermitteln? Findet Wertschätzung in finanzieller Art, durch Lob, Vorbildfunktion etc. statt? Ist dies überhaupt erforderlich?

Fünf Referenten aus unterschiedlichen Bereichen nahmen sich dieser Fragen an und trugen zu einer gelungenen Veranstaltung bei.

Dr. Manfred Strombach, Mitbegründer von SMS Consulting, hatte die volle Aufmerksamkeit sicher, als er über die Entwicklung der ­Gehälter von Führungskräften referierte. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung vom Oktober 2016 erhalten Vorstände von Dax-Unternehmen im Durchschnitt ein 57-mal so hohes Gehalt wie die durchschnittlich Beschäftigten in dem Unternehmen. Dabei haben, so Strombach, Fehlverhalten und „Schlechtleistungen“ der Vorstände keinen Einfluss auf die Vergütung.

Hat dieses Verhalten der Vorstände von Dax-Unternehmen etwas mit Wertschätzung tun?

Wertschätzung bei Leitenden Angestellten drückt sich zu einem großen Teil über die variable Vergütung aus. Zwar nimmt die Bedeutung des variablen Vergütungsbestandteils kontinuierlich ab und auch die Regeln für das Performance Management stehen auf dem Prüfstand, dennoch ist dieser Vertragspunkt immer noch essenziel.

Dr. Strombach veranschaulichte im Anschluss die Bedeutung der Vergütung im Laufe der Jahre.

Stand bei den „Baby Boomern“, also dem Jahrgang zwischen 1950 und 1965, die leistungsgerechte Bezahlung an dritter Stelle, sucht sich die „Generation Z“ den Arbeit­geber u. a. nach dem Ruf, der Marke, dem Freizeitwert und an sechster Stelle nach einem fairen Gehalt aus.

Aber welche Möglichkeit haben die Unternehmen, die Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten?

Die Teilnehmer diskutierten im Anschluss über Vorschläge wie die Anerkennung durch Zusicherung von Privilegien (statt Geld), die Teilhabe/Mitwirkung an wichtigen unternehmerischen Entscheidungen oder die Zurverfügungstellung eines Cafeteria-artigen Angebots an hochkarätigen Fort- und Weiterbildungen, Coaching, Aus- und Freizeiten nach Wahl des Mitarbeiters.

Sprecherausschüsse haben besondere Verantwortung

Personalberater Jörg Löwenstein stellte im Anschluss die Frage, warum wir unsere Werte nicht einfach leben, da Werte auch Energie darstellen. Gerade Sprecherausschüsse haben in ihren Rollen als Vertreter von Führungskräften und als Wertebotschafter eine besondere Verantwortung.

Die Praxis zeigt jedoch, dass es eine Menge Argumente gibt, um Werte nicht zu leben. Der Vorrang der operativen Arbeit, schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit mit dem Thema „Werte“, die Voraussicht, dass sich sowieso nicht alle an die Werte halten würden und das Nichteinhalten auch nicht sanktioniert werden könne, werden dann vorgebracht.

Löwenstein riet den Teilnehmern, sich mit ihren eigenen Werten zu beschäftigen, bevor es ein anderer tut, denn auch die eigene Wertschätzung verbessert die Wertschöpfung.

Von IKEA lernen

Dass Wertschätzung der Mitarbeiter eine höhere Wertschöpfung des Unternehmens bedeutet, veranschaulichte im Folgenden Dipl-Psych. Cornelia Heinrichs von IKEA Distribution Services Central Europe. Das skandinavische Unternehmen unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von anderen erfolgreichen Konzernen, was durchaus beabsichtigt ist. IKEA möchte „anders“ sein und lebt dies auch in der Praxis. „Führung durch beispielhaftes Verhalten“ ist einer der Werte von IKEA, die Heinrichs mit einem anschaulichen Beispiel belegte. Während ihrer Zeit als Personalchefin in einem Einrichtungshaus war es selbstverständlich, dass sie z. B. Kartons, die in einem Gang lagen, selbst entfernt hat und dies nicht durch die Mitarbeiter erledigen ließ. „Bescheidenheit und Willensstärke“: Der größte Firmenwagen bei IKEA ist ein Passat. Respekt voreinander, aber auch vor Kunden und Lieferanten trägt zum Erfolg bei. „Mut zum Anderssein“: Lösungen werden ständig hinterfragt und bessere Ideen umgesetzt. „Zusammengehörigkeit und Enthusiasmus“: Mit begeisterten Mitarbeitern kann jedes Problem gelöst werden. „Verantwortung übernehmen und delegieren“: Mitarbeiter mit Potenzial werden gefördert. Dabei sind Fehler nicht hinderlich. Diese exemplarischen – und weitere – Werte sind wichtige Indikatoren für den Erfolg des ­Unternehmens. Dabei hat IKEA, so Cornelia Heinrichs, nicht den Anspruch, perfekt zu sein, da dann die Bereitschaft zur kontinuierlichen Veränderung nicht mehr gegeben wäre.

Fehlende Wertschätzung hat Konsequenzen

Die anschließende Referentin Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch griff mit ihrem Vortrag die Diskussion nahtlos auf, indem sie die hervor­gehobene Bedeutung von Wertschätzung auf die Wertschöpfung eines Mitarbeiters zum Thema ihres Referates machte.

Prof. Witt-Bartsch sieht es als unerlässlich an, dass eine Wertschätzungskultur für jeden Mitarbeiter erlebbar und spürbar sein muss.

60 % der Teilnehmer einer Umfrage gaben an, dass sie Anerkennung und Lob am Arbeitsplatz nur einmal pro Monat oder seltener erfahren. Eher öffneten die Vorgesetzten den „Giftschrank“ und demotivieren ihren Mitarbeiter, in dem sie u. a. dessen fachliche Kompetenz ignorieren, ihn nicht informieren, keine Verantwortung abgeben.

Aber die fehlende Wertschätzung hat Konsequenzen, da erst ein störungsfreies Potenzial Leistung erbringen kann.

Dabei ist Wertschätzung doch so einfach und mit wenig Aufwand zu erreichen. Allein schon eine Gradlinigkeit und Verlässlichkeit des Vorgesetzten, ein fairer und respektvoller Umgang  oder offene, ehrliche und zeitnahe Kommunikation tragen zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei. Einen Kuschelkurs lehnen dabei viele Mitarbeiter ab.

Trainieren wie die Nationalmannschaft

Nach dem Mittagsbüffet sorgte dann Efthimios „Effi“ Kompodietas für einen erfrischenden Ausklang der Veranstaltung mit seinem aktiven Vortrag über „Supportive Leadership“. Kompodietas, der selbst Leistungssportler war und u. a. die Fußball-Nationalmannschaft der Herren und die Mannschaft von Darmstadt 98 in kinesiologischer Hinsicht betreut, stellte die Verbindung zwischen Leistungssportlern und Führungskräften her. Für beide sind Werte und Wertschätzung unabdingbar, was er u. a. am Beispiel der Torhüterfrage Lehmann – Kahn veranschaulichte.

„Menschen zu führen, bedeutet, sich selbst zu verstehen und die unterbewussten Programmierungen zu erfahren, also welche Überzeugungen und Vorstellungen in uns sind. Welche Vorgänge passieren auf der Ebene des Gehirns und des Körpers? Die Psychologie von einem selbst zu durchleuchten, darum geht es. Erst dann können Dinge aus einer anderen Sicht verstanden und neue Lösungen kreiert werden. Jeder Einzelne im Team fühlt sich dann tief verbunden und hat die Möglichkeit sich zu entfalten und so zu wachsen“, so Effi Kompodietas. So ließ er es sich auch nicht nehmen, mit den Teilnehmern vor dem Konferenzsaal eine Übung durchzuführen, die er zuvor am Beispiel der Deutschen Nationalmannschaft gezeigt hatte.

Die Konferenz endete nach einer abschließenden Diskussion.

Wir möchten uns bei allen Teilnehmern und Referenten für die gelungene Veranstaltung bedanken und freuen uns, Sie im nächsten Jahr (dann in einer anderen Stadt) wieder begrüßen zu dürfen.


Bildquellen: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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