Sprecherausschusskonferenz 2015

Wir kümmern uns um Führung

Dies war das Motto der diesjährigen Sprecherausschusskonferenz am 29. und 30. Oktober. Das persön­liche Gespräch – und ebensolche Vernetzung – untereinander ist durch nichts zu ersetzen. Unter ­diesem Leitmotiv trafen sich auch in diesem Jahr die Sprecherausschüsse Ende Oktober in Essen. Wieder war das Congress Hotel Atlantic bereits am Abend des 29. Treffpunkt von knapp 40 Sprecherausschuss­mitgliedern von fast ebenso vielen Unternehmen aus der gesamten Bundesrepublik, um sich im Zusammenhang mit ihrer wichtigen ehrenamtlichen Arbeit zu informieren.

Kunst als Auftakt

Für den Auftaktvortrag konnte Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck-Museums, mit einem Vortrag über die „identitätsstiftende Kraft der Kunst“ gewonnen werden. Sie wurde, genau wie die Anwesenden, vom Vorstandsvorsitzenden des Verbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK, Dr. Ulrich Goldschmidt, begrüßt. Er hob das gute Programm der Konferenz des nächsten Tages hervor, mit dem der DFK das ehrenamtliche Engagement der Sprecherausschüsse unterstützt.

Dr. Dinkla zeigte in vielen Bildern, wie Kunst innerhalb der Region ein Band knüpft, und nahm die Teilnehmer mit auf eine kleine Reise durch die Kunst im Ruhrgebiet und eröffnete neue Sehweisen auf die Orte der Industrie. Dabei wurde auch das Lehmbruck-Museum interessant und mit vielen Einsichten vorgestellt. Es zeigte sich am Vortrag: Kunst als Medium der Präsenz als Gegenbeispiel des täglichen Erlebens der durch Medien ausgelösten Abwesenheit. In diesem Sinne wurden die Handys zur Seite gelegt, und es ergaben sich bei den Zuhörern verschiedene Fragen und eine interessante Diskussion rund um das Thema.

Aktuell, relevant und informativ

Der 30. Oktober war gespickt mit Fachvorträgen der DFK-Rechtsanwälte/-innen und einem Sprecherausschussmitglied zu aktuellen, relevanten und informativen Themen für die teilnehmenden Mitglieder.

Nach einer kurzen Begrüßung der Teilnehmer durch den Präsidenten des Verbandes Bernhard von Rothkirch dozierte Christine Merkamp aus dem RWE-Konzern über die Herausforderungen eines fundamentalen Wandels in dem Marktumfeld des Unter­nehmens. Dabei richtet sich der Blick aber nicht nur nach außen auf den Markt, sondern gerade auch nach innen: Die Transformation sieht als Kern des Programms NWoW (New Way of Working) die ­Fähigkeiten der Mitarbeiter und Führungskräfte für die Organisationsgesundheit als Grundlage für die Notwendigkeit zum Wandel.

Durch NWoW wird das RWE-Kerngeschäft in den Fokus des täglichen Handelns gerückt und mehr, als es in der Vergangenheit der Fall war, auf die Mitarbeiterzufriedenheit, -einbindung, entwicklung und -motivation Wert gelegt.

Merkamp diskutierte im Anschluss ausgiebig mit den Teilnehmern, die ihre Erfahrungen aus den eigenen Unternehmen einbringen konnten.

Dr. Heike Kroll, DFK-Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht, beantwortete in ihrem juristischen Beitrag die Frage, wie sich ein Sprecherausschuss bestmöglich in der häufigen Situation positionieren sollte, wenn ein Auswahlverfahren wie Assessment Center versus Kündigungsschutz steht. Denn in der Umstrukturierung steht natürlich an erster Stelle das Ziel, diejenigen Führungskräfte und Mitarbeiter auszuwählen, die am besten für die Position geeignet sind. Dies steht aber oftmals in Widerspruch zu den Kündigungsschutzgrundsätzen. Sie stellte die Lösung und die Einzelheiten von Sprecherausschussvereinbarungen vor, die eine solche Situation gestalten können – und zwar gerade unter Wahrung der Interessen der leitenden Angestellten.

Netzwerken bleibt wichtig

Die Pausen zwischen den Vorträgen wurden ausgiebig für das Netzwerken zwischen den Teilnehmern genutzt, das, neben den Fachvorträgen, ein wichtiger Bestandteil der Sprecherausschusskonferenz geworden ist. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele Sprecherausschüsse gleichgelagerte Fragen und/oder Probleme haben, deren Antworten auch die Sprecherausschussmitglieder aus anderen Unternehmen interessiert und zu deren Antworten eben diese Mitglieder beitragen können.

„Wie kommt es zu Managerversagen und Derailment?“, fragte im Anschluss Prof. Westermann von der FOM Hochschule für Oekonomie & Management und stellte fest, dass systematisches Handeln bzw. Nichthandeln der Kern ist und spezifische Situa­tionsanalysen erforderlich sind. Derailment-Phänomene auf einzelne kausale Faktoren zu reduzieren, bedeute immer eine unzulässige Vereinfachung komplexer Zusammenhänge und Verläufe.

Er lenkte den Blick auf die situativen und persönlichen Gefährdungsfelder für Managerversagen – und daraus abgeleitet, wie man sie vermeiden kann und welche Rolle der Sprecherausschuss einnehmen kann.

DFK-Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Michael Krekels wies die Teilnehmer anschließend auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum schwierigen Thema der betrieblichen Altersversorgung hin.

Der Abschluss der Veranstaltung wurde durch die Studienvorstellung des aus Berlin angereisten Prof. Dr. Jens Nachtwei von der Humboldt-Universität zu Berlin eingeleitet. In welchem Zusammenhang stehen Persönlichkeit und Erfolg bei Führungskräften? Prof. Dr. Nachtwei stellte heraus, welche Persönlichkeitsmerkmale nach der Studie, an der auch mehrere Hundert DFK-Mitglieder teilgenommen haben, mit Erfolg in Korrelation ­stehen. Persönlichkeitstests liefern lediglich eine Perspektive, und Eigenschaften sind nicht pauschal gut, es kommt oft auf die Aufgabe an.

Ein Meinungs- und Erfahrungsaustausch rundete die diesjährige Konferenz, die erneut einen vollen Erfolg darstellte, ab.

Wir freuen uns schon auf die Sprecherausschusskonferenz 2016.

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