Sprechausschusskonferenz 2012

Die Konferenz erhielt viele positiven Rückmeldungen
Die Arbeit der Sprecherausschüsse ist wichtig für den sozialen Frieden
Der persönliche Austausch ist auch weiterhin nicht zu ersetzen

Vertreter der Leitenden Angestellten treffen sich in Essen

Der persönliche Austausch ist nicht zu ersetzen – unter diesem Motto luden DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK zur Sprecherausschusskonferenz ins Ruhrgebiet. Nach vielen guten Rückmeldungen und Wünschen der Teilnehmer der letzten Konferenz begann der Tag diesmal am Abend zuvor: Der informelle Austausch, das Kennenlernen und Vernetzen ­untereinander war ein wichtiger Bestandteil des Vorabends und der Konferenz selbst.

 

Nach Begrüßung und Gesprächen im informellen Rahmen bot Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, mit seiner Dinner-Speech ein erstes Highlight. Seine Rede schlug den Bogen von der Handlungsverantwortung des Einzelnen hin zu der Frage, wie Verantwortung Vertrauen herstellt, wie Verantwortung die Nachhaltigkeit beeinflusst und wie Verantwortung Effektivität und Effizienz erhöht. Mit niederrheinischem Charme wurde die „schwere Kost“ zum vergnüglichen Dessert und mit Humor kurzweilig serviert. Ähnlich unterhaltsam war der Ausklang des Abends im ­Gespräch mit den anderen Teilnehmern.

Europäisierung der Mitbestimmung

 

Als „Weckruf“ am nächsten Morgen führte Dr. Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des DFK, in die Situation der Sprecherausschüsse im europäischen Rahmen ein. Den oft gehörten Vorwurf, die deutsche Mitbestimmung sei im europäischen oder internationalen Rahmen nicht vermittelbar oder zeitgemäß, wies er deutlich zurück: „Die Mitbestimmung sorgt für den sozialen Frieden. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir in Deutschland ohne brennende Autoreifen vor den Werkstoren auskommen, die wir aus anderen europäischen Ländern kennen.“ Ohne Frage hat sich die deutsche Mitbestimmungskultur bewährt. Und auch wenn es unsinnig sei, deutsche Gesetze exportieren zu wollen, so sei es doch richtig und sinnvoll den Geist dieser Regelungen in Europa einzubringen. „Letztendlich“, so Goldschmidt, „ist die Mitbestimmung auch ein Angebot an die Anteilseigner, das Unternehmen gemeinsam nach vorn zu bringen und selbst Verantwortung zu übernehmen.“

 

Wie weit man aber in Europa von dieser Erkenntnis entfernt ist, zeigte der DFK-Hauptgeschäftsführer am Beispiel der SE (Europäische Aktiengesellschaft). Bislang hat der Rechtsrahmen immer dafür gesorgt, dass der Vertreter der Leitenden Angestellten aus dem Aufsichtsrat verschwunden ist. Ein Systemfehler, denn es sollte laut Goldschmidt im gesteigerten Interesse gerade der Anteilseigner, aber auch der übrigen Arbeitnehmervertreter sein, den Leitenden Angestellten mit seinem Knowhow im Aufsichtsrat zu halten. Nach interessengerechten Lösungen sollte gemeinsam gesucht werden. Jenseits aller gesetzlichen Regelungen könne aber der freiwillige Sprecherausschuss ein Weg für Europa sein. Hier ist der Verband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE im europäischen Kontext bereits tätig und wirbt bei seinen Partnern.

Internationalisierung der Sprecher­aus­schussarbeit

 

Aus langjähriger persönlicher Erfahrung aus dem Sprecherausschuss bei RWE Power berichtete der Vorsitzende des DFK Bernhard von Rothkirch. Am konkreten Beispiel zeigte er die zunehmende Internationalisierung der Sprecherausschussarbeit. Zentrales Thema war die Einbeziehung ausländischer Unternehmen. Führungskräfte ausländischer Beteiligungen fallen zwar nicht unter das Sprecherausschussgesetz, allerdings gelten für sie konzernweite Regeln und Festlegungen. Dort, wo Konzernsprecherausschüsse an der Entwicklung der Regeln mitwirken, gilt es, auch die Belange dieser ausländischen Führungskräfte zu berücksichtigen. Bernhard von Rothkirch berichtete anschaulich, wie man hier als Sprecherausschuss erfolgreich wirken kann.

Wie gerecht sind Vergütungssysteme?

 

Das Thema Trends und Anforderungen beim Thema Vergütungspolitik griff mittags Dr. Manfred Strombach von SMS Consulting auf. Er betonte die Beteiligung von Führungskräften und Mitarbeitervertretern bei der Erstellung von Konzepten. Neben den klassischen Ansätzen wie leistungsorientierter Bezahlung fragen Unternehmen stärker nach nachhaltiger Förderung, um kurzfristige Effekte zu vermeiden. Zudem beleuchtete er auch den Vorgesetzten als Mitgestalter bei der Gehaltsfindung sowie die Bemühungen zur Feststellung der ­Wettbewerbsfähigkeit von Vergütungspaketen. Fazit: Eine hohe Vergütung per se erzeugt kein Gerechtigkeitsgefühl und garantiert keine ­exzellente Leistung. Letztendlich ist nicht das System der Erfolgsgarant, sondern die Umsetzung und die Kommunikation.

Die EU-weite Frauenquote – Anspruch und Wirklichkeit

 

Die lebhafteste Diskussion entwickelte sich zu dem Thema der Frauenquote. Klaus-Dieter Sohn, Fachbereichsleiter Arbeit & Soziales, Gleichbehandlung beim Centrum für Europäische Politik – CEP, arbeitete die Thematik exzellent juristisch auf. Seine Expertise war, sowohl den rechtlichen Hintergrund einmal zu beleuchten und der oft gestellten Frage nach der Subsidiarität nachzugehen, als auch die Wirklichkeit in den Unternehmen und die Hintergründe der Brüsseler Vorstöße zu beleuchten. Vor allem zeigte er auf, was bei einer verbindlichen Quote berücksichtigt werden muss, damit die erwünschten Effekte auch tatsächlich eintreten und die Quote nicht ins Leere läuft.

Wie gelingt ein erfolgreiches be­trieb­liches Gesundheitsmanagement?

 

Wilhelm Loick, Bereichsleiter Personal der Steag GmbH, setzte den Schlusspunkt des Tages. Er ist u.a. auch für das Gesundheitsmanagement des Konzerns verantwortlich, seit mehr als 20 Jahren ist er in Personalleitungsfunktionen tätig und vertritt zudem als Vorsitzender des Konzernsprecherausschusses und Mitglied des Aufsichtsrates die Belange der Leitenden Angestellten des Unternehmens. Für den systemischen Ansatz des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist sein Unternehmen mit dem „Corporate Health Award 2011“ ausgezeichnet worden und belegt damit in der Sparte Energie den 1. Platz. Er hat sein Erfolgsrezept verraten.

 

Schließlich berichteten Astrid Funken, BARMER GEK, und DFK-Geschäftsführer Sebastian Müller über die Aktivitäten des neu gegründeten Arbeitskreises „Gesundheit im Unternehmen“ und stellten die Ergebnisse der DFK-Umfrage zu diesem Thema vor.

 

Der Tag ging zu Ende mit vielen neuen ­Ideen und Erkenntnissen für die Sprecherausschuss­arbeit, mit interessanten Kontakten und Visitenkarten der Kollegen aus anderen Unternehmen und mit der Aussicht, im nächsten Jahr wieder zusammenzu­kommen.

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