Headhunting & Co

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Die Jagd nach Mitarbeitern

Nicht selten werden zum Ärger des Arbeitgebers Mitarbeiter von Konkurrenzfirmen oder Headhuntern belästigt und auf einen Wechsel angesprochen. Das Abwerben fremder Mitarbeiter ist jedoch Teil des freien Wettbewerbs und somit nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) erlaubt.

In einer Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2004 stellte der BGH (I ZR 221/01) die immer noch geltenden Spielregeln dafür auf: Der Headhunter muss sich und den Zweck seines Anrufs kurz vorstellen und dann explizit fragen, ob der Angerufene mit der Kontaktaufnahme als solcher und zu dem gegebenen Zeitpunkt – während der Arbeitszeit – einverstanden ist. Beantwortet der umworbene Mitarbeiter beide Fragen mit ja, dann dürfe die angebotene neue Position im Wesentlichen kurz und knapp umrissen werden. Bei Interesse des angerufenen und umworbenen Mitarbeiters muss der Personalberater eine Fortsetzung des Gesprächs außerhalb des Arbeitsplatzes und außerhalb der Dienstzeit vereinbaren. Immer wieder werden aber die zulässigen Grenzen überschritten, so dass sich die Rechtsprechung mit dem Thema zu beschäftigen hat. Zwei Fälle:

Ansprache über Xing

Sachverhalt: Ein Konkurrenzunternehmen versandte an die Mitarbeiter eines anderen Unternehmens über Xing Nachrichten mit der Formulierung: „Sie wissen ja wohl, bei welchem Unternehmen Sie gelandet sind. Ich wünsche Ihnen einfach mal viel Glück. Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.“

Das Landgericht Heidelberg (1 S 58/11 vom 23.05.2012) sah darin einen Verstoß gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb. Eine solche Formulierung stelle eine Herabwürdigung des Konkurrenzunternehmens dar, ohne eine sachliche Begründung zu erhalten, und lässt sich nur als (unzulässiger) Versuch des Abwerbens verstehen.

Der getürkte Headhunteranruf

Sachverhalt: Ein Headhunter täuschte gegenüber der Telefonzentrale des kontaktierten Arbeitgebers über seine Identität, indem er zwar seinen richtigen Namen, aber ein falsches Unternehmen angab, um zu dem gewünschten Mitarbeiter durchgestellt zu werden.

Das Landgericht Bonn (14 O 165/12 vom 03.01.2013) sah darin eine unzumutbare Belästigung des von dem Abwerbeversuch betroffenen Unternehmens gemäß § 7 Abs. 1 UWG, da der Headhunter sich bei der telefonischen Abwerbung von Arbeitnehmern verwerflicher Mittel oder Methoden bedient hatte.

Fazit: Berichten betroffene Mitarbeiter von unzulässigen Methoden, dürfte es Sinn machen, den Betreffenden abzumahnen und damit in seine Schranken zu verweisen.