Haftungsfalle Insolvenz: Ungemach droht

Die Hemmschwelle, Organe von Gesellschaften für etwaige Schäden in Anspruch zu nehmen, sank signifikant mit dem Ausbruch der weltweiten Banken- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007. Damals kam eine Lawine von Schadenshaftungsfällen und Prozessen ins Rollen, die bis heute anhält. Je mehr derartige Inanspruchnahmen in der Presse zu lesen waren, umso größer wurde die Nachfrage nach dem Abschluss von D&O-Versicherungen. Der deutsche Markt umfasst schätzungsweise zurzeit 35.000 bis 40.000 D&O-Versicherungspolicen, wobei er seit Jahren dynamisch wächst.

Gerade bei einer Insolvenz gilt es, rechtzeitig tätig zu werden

Der „Run“ auf die Versicherungen hat einen Pferdefuß: Besteht eine Versicherung, ist das Interesse der Gesellschaft wesentlich höher, einen Schaden eines Organes nachzuweisen und eine Klage anzustreben, als bei Fehlen einer entsprechenden Absicherung. Kommt es zu einem Insolvenzverfahren, steigt dieses Risiko noch deutlich an.

38,8 % aller Insolvenzen im Jahr 2013 betrafen GmbHs. Das Risiko eines Geschäftsführers einer GmbH, mit einer Insolvenz konfrontiert zu werden, ist daher keineswegs gering.

Besonders betroffen sind bei Insolvenzen im Regelfall die zuletzt aktiven Geschäftsführer. Diejenigen, die frei nach dem Motto „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ rechtzeitig den Absprung gefunden haben, kommen häufig mit einem blauen Auge davon. Nicht selten scheinen Insolvenzverwalter es für eine Haupteinnahmequelle zu halten, die derzeit oder zuletzt tätigen Geschäftsleiter auf Schadensersatz in Anspruch zu nehmen.



Den Begriff Haupteinnahmequelle mag man dabei ruhig doppeldeutig verstehen. Natürlich geht es dem Insolvenzverwalter primär darum, die Masse durch erfolgreiche Klagen zu füllen, um für alle Gläubiger eine möglichst hohe Insolvenzquote zu erzielen. Andererseits wirtschaftet der Insolvenzverwalter nicht mit seinem eigenen Geld. Das Prozesskostenrisiko ist daher zweitrangig, denn es fällt der von ihm verwalteten Masse zur Last. Wenn dann auch noch der Prozess durch eine dem Insolvenzverwalter nahestehende Rechtsanwaltskanzlei oder Wirtschaftsprüfergesellschaft geführt wird, ...

Die am häufigsten kritisierte Pflichtverletzung ist der Fall, wenn nach Eintritt der Insolvenzreife – durch Eintritt von Zahlungsunfähigkeit und/oder durch Überschuldung – die Organe es nicht verhindert haben, dass Zahlungen der insolventen Gesellschaft an Gläubiger erbracht wurden. Die Geschäftsführer haften dann grundsätzlich für die Summe aller Zahlungen, die nach Eintritt der Insolvenzreife erbracht wurde.

Vorsicht: Hier wird keine übliche schadensrechtliche Betrachtung vorgenommen, wonach bei einer Zahlung auf eine bestehende Forderung kein Schaden eintritt. Bei der Haftung für Zahlungen nach Insolvenzreife kommt es ausschließlich auf die Zahlung selbst an. Denn fließen liquide Mittel vom Unternehmen an einen bestimmten Gläubiger ab (der dann das Glück hat, sein Geld zu erhalten), steht dieser Betrag nicht mehr der gleichmäßigen Befriedigung aller Gläubiger im Rahmen des Verteilungsverfahrens zur Verfügung. Und das ist nicht im Sinne des Insolvenzverfahrens.

Fazit: Geschäftsführer sind daher gut beraten, sich engmaschig neben dem Überschuldungsstatus vor allem auch über den Liquiditätsstatus des Unternehmens informiert zu halten. Frühzeitig sollte man seine Handlungen sorgfältig dokumentieren, mit einem externen Berater zusammenarbeiten und auf jeden Fall übereilte Handlungen vermeiden.

 

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