Starke Frauen - 1. Frauennetzwerktreffen Niederrhein

Am 6. Juni 2018 wurde das Frauennetzwerktreffen Niederrhein in Duisburg Ruhrort aus der Taufe gehoben.
Dazu hatte die RG Niederrhein alle weiblichen Mitglieder des DFK  zu einer Stadtführung unter der Überschrift: Ruhrort und die Frauen - Starke Persönlichkeiten in drei Jahrhunderten nach Duisburg Ruhrort eingeladen.

Ausgangspunkt der Führung unter der Leitung von Stadtführerin Astrid Hochrebe war die Schifferbörse in Duisburg Ruhrort.

Astrid Hochrebe führte von hier aus die Gruppe in das alte Ruhrort und berichtetet über drei bedeutende Ruhrorter Frauenpersönlichkeiten, die über drei Jahrhunderte hinweg hier die Fäden gezogen und ihren "Mann" gestanden haben.

Zunächst ging es zum Hanielhauptstandort und  Aletta Haniel, alleinerziehende Mutter und erfolgreiche Unternehmerin im 18. Jh., die nach dem Tod ihres Mannes 1782 den Weinhandel und den allgemeinen Speditions- und Kommissionshandel unter dem Firmennamen J. W. Haniel seel. Wittib weiterbetrieb.
Nach und nach vegrösserte sie das Geschäft und hat einen sehr hohen Anteil daran, dass das Unternehmen ein beachtliche Grösse erreichte. Besonders erwähnenswert ist, dass sie die Geschäfte in einer Zeit führte, als Frauen als noch nicht geschäftsfähig galten.

Weiter ging es zum Wohnhaus von Amalie Weidner-Steinhaus, Heimatdichterin im 19. Jh. Diese heute fast vergessene Schriftstellerin verfasste einige Werke in Ruhrorter Mundart., z.B. Jan on Gretje: Geschichskes üt de Ruhr. Sie starb am 3. Februar 1963 in Duisburg. Auf dem Friedhof Eisenbahnstraße hat sie ein Ehrengrab der Stadt Duisburg. Am 5. September 2008 wurde der Dichterin ein Park an der Hafenstraße in Duisburg-Ruhrort gewidmet.

Die dritte starke Frau  ist Johanna Niederhellmann, eine deutsche Frauenrechtlerin, SPD- Reichstagskandidatin und engagierte Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wirkte sie beim Wiederaufbau der SPD mit. In der provisorischen Bürgervertretung von Duisburg wurde sie die einzige weibliche Bürgervorsteherin für den Ortsteil Ruhrort. Von 1945 bis 1948 hatte sie den Vorsitz des Wohnungsausschusses für weitere Stadtteile inne: für Beeck, Beeckerwerth und Laar. Sie setzte sich auch für die Wiederherstellung von Gewerkschaften ein – konkret als Mitglied des „Ausschusses zur Wiedererrichtung einer Einheitsgewerkschaft“.  Aus gesundheitlichen Gründen – Haft und Folter während der NS-Diktatur hatten ihr schwer zugesetzt – zog sie sich 1948 von allen politischen Ämtern und aus allen Funktionen zurück und starb am 18. April 1956 in Duisburg.

Darüber hinaus erzählte Astrid Hochrebe Interessantes über die Arbeitswelt der Frauen im Zuge der Industrialisierung, das Leben in der Binnenschifffahrt, sowie Anekdoten zur Lokalgeschiichte.

Nach 2,5 Stunden sehr abwechslungsreicher und kurzweiliger Führung durch die kleinen Strassen und Gassen kehrte die Gruppe in das Restaurant Zum Anker zum Get-together ein. Dieses Ruhrorter Lokal ist aus vielen Schimanski-Tatorten bekannt und ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen. Bereits während es Rundganges entwickelten sich angeregte Gespräche zwischen den Teilnehmerinnen, die beim Get-together intensiv fortgesetzt wurden.

Die „Taufpatinnen“ (Teilnehmerinnen) dieses ersten Frauennetzwerktreffens Niederrhein waren der Ansicht, dass weitere Veranstaltungen dieses Fomates wünschenwert sind. Das Frauennetzwerk Niederrhein wird also in die nächste Runde gehen.


Bildquelle: © Duisburg Kontor GmbH