Führungskompetenz-Studie ergibt tendenzielle Unterschiede zwischen Geschlechtern und Branchen

Frauen führen mit mehr Einfühlungsvermögen und Einfallsreichtum, neigen zugleich aber zur Selbstüberforderung. Männer sind dagegen als Führungskräfte leistungsorientierter, zugleich aber auch geduldiger.

Das ergab eine Studie des Berufsverbandes "die Führungskräfte" (dFK), Essen, in Zusammenarbeit mit Professor Matthias Burisch, Fachbereich Psychologie der Universität Hamburg, an 375 dFK-Mitgliedern. "Es mag für den einen oder anderen überraschend sein, aber nach unserer Studie sind Frauen in Führungspositionen auch ehrgeiziger als Männer, setzen bei der Aufgabenerledigung auf ein höheres Tempo und legen Wert auf die Unabhängigkeit des Denkens. Männliche Führungskräfte folgen dagegen im Job eher dem Mainstream", erläutert Burisch. "Dass Männer geduldiger sind als Frauen, hat uns offen gesagt überrascht", so Matthias Burisch weiter. Auch die höheren Werte, die weibliche Manager bei der Durchsetzungsfähigkeit und der Entscheidungsfreudigkeit erreichten, seien so nicht vorhersehbar gewesen. "Wahrscheinlich handelt es sich um einen Selektionseffekt: Wer es als Frau so weit geschafft hat - und in unserer Stichprobe waren ja nur 10% Frauen - der muss schon ein bisschen besonders sein. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es um Selbsteinschätzungen geht", ergänzt der Psychologe.

Interessante Ergebnisse, bei den Männern teilweise signifikant, brachte die Studie auch beim Branchenvergleich. Führungskräfte im Handel sehen sich am deutlichsten als Praktiker und "Macher", während die analytisch-theoretische Neigung bei den Energieversorgern am ausgeprägtesten ist. Führungskräfte der Versorgungswirtschaft wollen eher durch ihr Fachwissen als durch Führungsstärke überzeugen. Bei den Energieversorgern und stärker noch im Finanz- und Versicherungsbereich ist auch die Bereitschaft zum Wissensaustausch deutlich höher als anderswo; am niedrigsten ist diese in der öffentlichen Verwaltung.

Ebenso ist die Risikofreudigkeit von Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung am wenigsten stark ausgeprägt. Dies gilt ebenso für Manager aus Energieversorgungsunternehmen, was angesichts der ausgeprägten technischen Sicherheitsverantwortung beim Betrieb von Kraftwerken und Strom- und Gasnetzen auch Sinn macht. Etwas größere Zurückhaltung in diesem Sinne hätte man sich aus heutiger Sicht bei Führungskräften aus dem Finanzsektor gewünscht, bei denen im Branchenvergleich die Risikobereitschaft am stärksten ausgeprägt ist.

"Diese Studie sollte den Unternehmen genügend Anregungen geben, verstärkt auf den Einsatz weiblicher Führungskräfte zu setzen, um deren spezifische Führungskompetenzen nutzen zu können", fordert Dr. Ulrich Goldschmidt, Hauptgeschäftsführer des Führungskräfte-Verbandes dFK. Außerdem sollten die Unternehmen bedenken, dass sie ihre Führungskräfte nicht fertig geschnitzt von den Universitäten erhalten. "Die Entwicklung von Führungskompetenzen ist ein dynamischer Prozess, der von den Unternehmen in jedem Einzelfall unterstützend begleitet werden muss", so der dFK-Hauptgeschäftsführer weiter.

Der Berufsverband "die Führungskräfte" vertritt und fördert die beruflichen Interessen seiner rund 18.000 Mitglieder in allen beruflichen und versorgungsrechtlichen Angelegenheiten, insbesondere bei arbeits-, steuer-, straf- und sozialrechtlichen Fragen sowie im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Über seine Regional- und Fachgruppen bietet er ein Netzwerk für Führungskräfte in ganz Deutschland.