Attest darf schon am ersten Krankheitstag gefordert werden

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Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt hat heute entschieden: Beschäftigte müssen auf Verlangen ihres Arbeitgebers schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Arbeitgeber brauchen auch keine Begründung anzugeben, wenn sie bei manchen Mitarbeitern früher als bei anderen auf Vorlage eines Attests bestehen. Es liege in im Arbeitgeber-Ermessen, dies auch ohne objektiven Anlass von ihren Mitarbeitern zu verlangen, entschieden die obersten deutschen Arbeitsrichter (Aktenzeichen 5 AZR 886/11).

Damit wurde die Klage einer Redakteurin des Westdeutschen Rundfunks in Köln zurückgewiesen. Sie war nach einer Krankmeldung im November 2010 von ihrem Arbeitgeber aufgefordert worden, künftig schon am ersten Krankheitstag ein Attest vorzulegen. Hiergegen wehrte sie sich, da sie dies als diskriminierend und schikanös empfand.

Bewertung

Gesetzlich sind Beschäftigte verpflichtet, ihren Arbeitgeber unverzüglich zu informieren, wenn sie wegen Krankheit ausfallen. Spätestens am vierten Krankheitstag muss eine entsprechende Bescheinigung eines Arztes vorgelegt werden. Das Entgeltfortzahlungsgesetz räumt dem Arbeitgeber aber auch das Recht ein, schon früher einen Krankenschein zu verlangen (§ 5 Abs. 1 Satz 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Die Richter haben nun präzisiert, dass die Ausübung dieses Rechts im Ermessen des Arbeitgebers liegt und dieses nicht an besondere Voraussetzungen gebundenen ist. Insbesondere ist es nicht erforderlich, dass gegen den Arbeitnehmer ein begründeter Verdacht besteht, er habe in der Vergangenheit eine Erkrankung nur vorgetäuscht.