Facebook am Arbeitsplatz - Unerwünschtes Privatvergnügen?

Die Deutschen verbringen immer mehr Freizeit in den sogenannten sozialen Netzwerken im Internet. Doch auch in der Arbeitszeit spielt Social Media eine immer stärkere Rolle. Etwa die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer bewegt sich hier im sozialen Netz. Für viele Arbeitgeber dürfte dies ein Ärgernis sein, denn mehr als die Hälfte der Befragten (52%) glaubt, dass sich die Social-Media-Aktivitäten nachteilig auf die Arbeitsproduktivität auswirken. Das zeigt der aktuelle Global-Workforce-Index des Beratungsunternehmens Kelly Services, für den insgesamt 4.000 Personen in Deutschland und fast 170.000 Menschen weltweit befragt wurden.


Fluch und Segen
Social Media können für Unternehmen Fluch und Segen gleichermaßen sein. Einerseits sind sie für viele Menschen inzwischen so selbstverständlich und dauerhaft präsent in ihrem täglichen Leben, dass dies auch die Arbeitszeit umschließt. Dass Facebook & Co. mit nur wenigen Klicks stets bereitstehen, senkt die Hemmschwelle für entsprechende private Aktivitäten zusätzlich. Andererseits sind Social Media auch für Unternehmen von großer Bedeutung, zum einen als Kommunikationsplattform, aber auch als Akquise-Instrument. Hier kollidiert also die private Welt des Arbeitnehmers mit den Anforderungen des Unternehmens, das aber seinerseits oft gleichfalls in der Social-Media-Welt präsent und aktiv ist. Neben dem Ablenkungseffekt kann auch die Kommunikation hier ein Problem darstellen, wenn sich einzelne Mitarbeiter z. B. bei Online-Diskussionen zu unternehmensrelevanten und gegebenenfalls sensiblen Themen äußern.

Leidet die Produktivität?

Rund 52% der Befragten in Deutschland befürchten Einschränkungen der Produktivität bei privatem Social-Media-Gebrauch während der Arbeitszeit, 31% sehen die Vermischung von Privatem und Beruflichem mit Skepsis. Auf der anderen Seite sind 46% der Arbeitnehmer der Ansicht, es gebe keinen guten Grund, sich nicht auch am Arbeitsplatz privat in sozialen Netzwerken zu bewegen. Konflikte sind nahezu vorprogrammiert.
Nur 11% der Arbeitnehmer sind aber bereits von ihrem Unternehmen aufgefordert worden, Social-Media-Aktivitäten während der Arbeitszeit zu unterlassen. Immerhin 17% finden es legitim, Meinungen über den Arbeitsplatz und die Firma im Rahmen sozialer Netzwerke auszutauschen und zu teilen.
Die sozialen Netzwerke sind für Unternehmen heute nicht nur eine bedeutende Plattform zur Selbstdarstellung, sondern auch eine wichtige Ressource zur Anwerbung neuer Mitarbeiter. Ein Viertel der Befragten glaubt, dass die Social-Media-Präsenz für Unternehmen notwendig und wünschenswert sei. Immer mehr hochqualifizierte Talente nutzen diesen Weg, um sich über potentielle Arbeitgeber zu informieren und sich zu bewerben. Etwa ein Viertel wählt sogar ausschließlich diesen Weg.

 

Die Studie zeigt, dass sich die private Nutzung von Social Media am Arbeitsplatz in weiten Teilen etabliert hat und für viele Arbeitnehmer insbesondere in der jüngeren Generation bereits unter „Gewohnheitsrecht“ fällt. Vielen Arbeitgebern ist andererseits noch nicht ganz klar, wie sie damit umgehen sollen, insbesondere wenn es um Datenschutz und ­Unternehmensinterna geht.