Disruption, Laubsäge­arbeiten und Friede auf Erden Vorsicht Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Hand auf’s Herz: heute schon disruptiv ­gewesen? Nein? Na, dann wird es aber höchste Zeit, denn das haben wir doch inzwischen von den diversen Beratern gelernt: Ohne Disruption geht es nicht mehr. Wer nicht disruptiv ist, geht unter, verschwindet von der Bildfläche. Und es gibt tatsächlich nur eine Methode, um den Unter­gang des Unternehmens schneller herbeizuführen. Man muss als Chef öffent­lich verkünden: „Ab morgen sind wir disruptiv! Die Kraft der schöpferischen Zerstörung wird uns aus unserer Wagenburg des bisherigen Geschäftsmodells hinaus zu immer grüneren Weidegründen führen.“ Tatsächlich werden Ihnen sofort die Mitarbeiter auf diesem vielversprechenden Weg folgen, die in sich die Freude eines Dschingis Khan an Zerstörung mit der schöpferischen Kreativität eines Albert Einstein vereinen. Und da die Unternehmen ja seit jeher genau auf diese Mitarbeiter gesetzt haben, werden es vielleicht gerade noch läppische 99 % der Belegschaft sein, die mit bangen Augen in der Wagenburg ver­harren. Eine Firma, die seit 90 Jahren ­Küchen baut, wird nicht automatisch ihre neue Kern­kompetenz in einem digita­li­­­sier­ten, drohnengestützten mobilen Restau­rant-Vor-Ort-Liefer­­service verorten. Vielleicht einfach eine Nummer kleiner beginnen. Auch Apple hat den iPod erst zerstört, als das iPhone lief. Disruption heißt nicht, wir schlagen alles kurz und klein, sondern setzt einen Denkvorgang voraus.

Und auch privat heißt es manchmal, von lieb gewonnenen Routinen Abschied zu nehmen, wenn es zu Hause nicht zu heftigen disruptiven Nebenwirkungen kommen soll. Liebe Männer, in diesem Jahr fällt der Heiligabend auf einen Sonntag und damit als Einkaufstag für die Weihnachtsgeschenke aus. Bitte rechtzeitig überlegen, ob man mit einer eigenen noch rasch erstellten Laub­sägearbeit auf dem Gabentisch bei der trauten Gattin uneingeschränkte Festtags­freude auslösen kann. Ansonsten gilt auch hier: disruptiv sein, nicht auf Selbstgebas­tel­tes setzen, ausnahmsweise mal die Weih­nachtsgeschenke früh genug besorgen und so den Weihnachtsfrieden retten.


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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