DFK nimmt an europäischer Fachkonferenz der Europäischen Kommission zu Arbeit und Bildung 4.0 teil Zukunftsszenarien für die Digitalisierung in Europa

Abschlussrede von Günther H. Oettinger, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission.
Die Fachkonferenz wurde vom Vertreter der Europäischen Kommission in Deutschland, Richard Kühnel, eröffnet.

Die Digitalisierung ist die große Herausforderung für Bildung und Arbeitsmarkt unserer Zeit. Die Europäische Kommission lud dazu die deutschen Stakeholder gemeinsam mit der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. (EBD) zu einer Fachkonferenz, in der Vertreter federführender Ministerien und Institutionen gemeinsam die Anforderungen der Digitalisierung an Bildung und Arbeitsmarkt ausloteten. Der DFK war mit Sebastian Müller, Ressortleiter Europapolitik & Public Affairs, die Stimme der Fach- und Führungskräfte.

Die Fachkonferenz „Braucht Arbeit 4.0 auch Bildung 4.0?“  bestand aus drei thematischen Foren, die sich der Digitalisierung in der schulischen, der beruflichen und der Erwachsenenbildung widmeten. Ergänzt wurden diese Fachdebatten durch Praxisbeispiele digitaler Bildungsprojekte und  einem Ausblick auf die Zukunft. Höhepunkt war die abschließende Keynote Günther H. Oettingers, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission.

Im Fachforum zur schulischen Bildung stellte Prof. Dr. Julia Gerick die Ergebnisse einer Studie der ICILS (International Computer and Information Literacy Study) vor. Europäische und insbesondere deutsche Schüler haben demnach im internationalen Vergleich deutlich geringere Kompetenzlevel im Bezug auf die Verwendung von elektronischen und technischen Geräten – ein ernüchternder Befund. Dem folgte die Vorstellung neuer Strategie für die digitale Bildung der Kultusministerkonferenz, mit der die Länder einheitliche Rahmenbedingungen für die digitale Bildung an Schulen entwickeln. Zu dem Missstand der digitalen Bildung hatte sich der DFK immer wieder geäußert und auch am gleichen Tage zu Wort gemeldet: Der Investitionsstau an deutschen und europäischen Schulen sei dringend aufzuholen

Elisabeth Kotthaus, stellv. Leiterin der politischen Abteilung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, beleuchtete die Initiativen der Europäischen Kommission zum Ausbau digitaler Infrastruktur und Kompetenzen. Das Podium stimmte darin überein, dass die Ausstattung der Schulen nur ein Aspekt digitaler Bildung sei, entscheidend sei jedoch letztlich, dass die Lehrerausbildung entsprechend umgestellt werde und dass sich Schulen auf den Weg machten, eigene Konzepte für die digitale Bildung zu entwickeln. 

Im Fachforum der beruflichen Bildung präsentierte Detlef Eckert, Direktor für Beschäftigungspolitik der Europäischen Kommission, die neue EU Kompetenzagenda. Weiterführend stellte Frau Dr. Julia Behrens, Projektmanagerin der Bertelsmann Stiftung, wissenschaftliche Konzepte vor, wie Arbeitnehmer bei der Aneignung digitaler Kompetenzen unterstützt werden können. Die Podiumsgäste formulierten abschließend gemeinsam, was die berufliche Bildung im digitalen Zeitalter am dringendsten benötigt:  Eine einheitliche technische Ausstattung der Berufsschulen in allen Bundesländern, das Know-How dazu sowie dringend digitales Lernmaterial.

Anschließend forderte Thiemo Fojkar, Vorsitzender des Bundesverbandes der Träger beruflicher Bildung e.V., ein Weiterbildungsgesetz und einen Weiterbildungsbeauftragen sowie eine stärkere Vernetzung der für Weiterbildung zuständigen nationalen Ministerien und europäischen Generaldirektionen. Man war sich einig, dass die Digitalisierung nur durch beruflich qualifizierte Fachkräfte realisiert werden könne und somit die Aus- und Weiterbildung zentrale Stellschrauben für diese darstellen.

Ob wir in Europa weiter aktiv an einer gemeinsamen europaweiten Strategie für digitale Kompetenzen arbeiten und diese zeitnah umsetzen werden, wird über unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Abschließend beleuchteten die Stakeholder aus Sicht deutscher Ministerien, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände Erwartungen an die Europäische Kommission – einen Mehrwert könne die europäische Koordinierung in der Digitalisierung vor allem in der Vergleichbarkeit bieten.

Den Abschluss bildete die Rede Günther H. Oettingers, Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft der Europäischen Kommission. Deutschland und Europa müssen aufholen, um in innovativen Branchen mitzumischen – zum Beispiel durch den Ausbau der IT-Studiengänge, bei der Lehrerbildung und bei der Förderung von Starts-Ups. In der Tat – und jetzt müssen Taten folgen.


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