Wertschätzung steigert Wertschöpfung Schwerpunkt Kommunikation im Unternehmen

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch

von Angela Witt-Bartsch

Eine Frage vorab: Wie bewerten Sie die Wertschätzungskultur heute in Ihrem Unternehmen? Haben Sie sich entschieden?

Die Meinungen gehen hier stark auseinander. Während Führungskräfte der Auffassung sind, dass sie ausreichend Anerkennung oder Lob aussprechen, sind die Mitarbeiter selbst nicht selten anderer Meinung. Diese begründet sich oftmals aus dem Arbeitsalltag: Informationen erhält man nur über den Flurfunk, Entscheidungen werden kurzfristig geändert, Fehler werden anderen in die Schuhe geschoben, oder/und fachliche Kompetenzen werden einfach ignoriert.

Tatsache ist: Fehlende Wertschätzung hat Konsequenzen. In der Betriebswirtschaft kennt man die folgende Faustregel:

Leistung = Potenzial minus Störung

Anders ausgedrückt: Ein Mitarbeiter leistet so viel, wie er maximal leisten kann abzüglich dessen, was ihn stört. Das können z.?B. Lärm, Probleme, Unterbrechungen oder auch der Ärger über fehlende Wertschätzung sein. Aufgrund von solchen Störungen entspricht die Eigenleistung Ihrer Mitarbeiter heute in vielen Fällen nicht dem maximal Möglichen. Miss­verständnisse, geringere Flexibilität, sinkende Produktivität, steigende Fehlerquote bis hin zu zunehmenden Fehlzeiten und ungewollte Fluktuation sind die Konsequenz und führen so zu geringerer Wertschöpfung.

Wertschätzungskultur muss für jeden Mitarbeiter erlebbar und spürbar sein

Mitarbeiter sind bereit, im Unternehmen zu bleiben, wenn die eigenen Leistungen anerkannt werden. Gleichzeitig sind sie aber auch bereit, bei mangelnder Anerkennung sich einen neuen Job zu suchen. Mit Ihrem wertschätzenden Umgang entscheiden Sie mit darüber, ob Ihre Mitarbeiter bleiben oder lieber gehen.

Doch wie geht das genau? Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt kein Patentrezept.

Und leistungsabhängige Gehälter und Zielvereinbarungssysteme allein reichen bei Weitem nicht aus.

Viel schlimmer: Diese falsch eingesetzt, können sogar kontraproduktiv sein und das Gegenteil bewirken.

Nutzen Sie lieber viele unterschiedliche Formen der Wertschätzung, um so möglichst jeden Mitarbeiter mitzunehmen. Unterschätzen Sie auch die kleinen Gesten nicht. Manchmal sind es gerade diese, die den großen ­Unterschied machen:

  • ein „bitte“ und ein „danke“,
  • ein interessiertes Hin- bzw. ein aufmerksames Zuhören,
  • eine wissbegierige (Rück-)Frage
  • eine Bitte um Unterstützung
  • eine ehrliche Entschuldigung,
  • und, und, und ...

Die Anwendung dieser und vieler anderer empfehle ich Ihnen ausdrücklich. Nur so werden Ihre Mitarbeiter spüren, dass Sie sie als Fachkraft und als Mensch wahrnehmen.

Wertschätzung ist Bedürfnis, Haltung und Verhalten zugleich

In seiner Bedürfnispyramide hat Maslow bereits im Jahre 1943 die Individualbedürfnisse unter zwei Aspekten gesehen. Zum einen unseren Wunsch nach (mentaler/körperlicher) Stärke, Erfolg, Unabhängigkeit und Freiheit, zu dessen Erfüllung wir maßgeblich selber beitragen können, getreu dem Motto: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“

Zum anderen unser Streben nach Ansehen, Prestige, Wertschätzung, Achtung und Wichtigkeit. Dieser Wunsch kann uns nur von anderen Menschen erfüllt werden. Eigene Streicheleinheiten mögen kurzfristig ausreichen, doch dauerhaft werden sie für unsere Selbstachtung nicht ausreichen.

Haben Sie eine wertschätzende Haltung. Sie ist die Grundvoraussetzung, dass Ihre Wertschätzung überhaupt bei ihrem Gegenüber ankommt. Wichtig dafür ist:

  • Erkennen Sie Ihren eigenen Wert an.

Hierbei geht es ganz allein um Sie und Ihre ­innere Haltung anderen Menschen gegenüber.

  • Nehmen Sie Ihr Gegenüber ernst.

Sehen Sie Ihre Mitarbeiter als Ganzes und beurteilen Sie sie nicht allein an ihren Taten oder Leistungen.

Zeigen Sie ein wertschätzendes Verhalten und erweisen Sie Ihren Mitarbeitern Respekt. Pflegen Sie eine offene, ehrliche und zeitnahe Kommunikation. Seien Sie geradlinig und verlässlich, indem Sie Ihren Worten auch Taten folgen lassen. Zügeln Sie Ihre Lust auf Mikro­management und glauben Sie lieber an die Kompetenz und den Willen Ihrer Mitarbeiter.

Ist Vertrauen vorhanden, ist kein Kuschelkurs notwendig. Ein gutes Feedback hat immer beide Aspekte: Kritik und Anerkennung. Werden Mitarbeiter nur kritisiert, so sind sie über kurz oder lang demotiviert. Gibt es für Mitarbeiter immer nur Anerkennung für alles, was sie tun, so werden sie sich nicht weiterentwickeln.

Wertschätzende Führung ist Voraus­setzung für steigende Wertschöpfung

Fördern Sie bei Ihren Mitarbeitern Lust auf Leistung. Das gelingt am besten, wenn Sie Rahmenbedingungen schaffen, die die intrinsische Motivation Ihrer Mitarbeiter stärken.

  • Übertragen Sie sinnhafte Aufgaben.
  • Geben Sie Wertschätzung.
  • Leben Sie Transparenz.
  • Lassen Sie Mitgestaltung zu.
  • Wecken Sie Begeisterung.

Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken, mit sehr guten Leistungen, die sie erbringen können, wollen und dürfen.

Machen Sie Wertschätzung zu Ihrer Herzens- und Geisteshaltung, die immer auch den Menschen sieht und nicht nur dessen Ertrag.

Kontakt: office(at)3e-netzwerk.de

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch ist Expertin für Unternehmensorganisation und Personalentwicklung. Sie ist Gründerin des 3E-Netzwerk, der 3E-Trainingsakademie und Dozentin an der FOM-Hochschule. Buchautorin „Coaching im Unternehmen“.

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