Mehr Vielfalt – Bessere Führung Verbandstag 2016

Im Zentrum der Delegiertenberatungen stand in diesem Jahr die verbandspolitische Postitionierung unseres Verbandes
Gute Gespräche am Rande

Im traditionsreichen Essener Hof trafen sich in diesem Jahr die Delegierten des Verbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK am Freitag, den 11. November 2016, zum Verbandstag. Bereits am Vorabend waren viele Teilnehmer angereist, um sich miteinander über die Arbeit des letzten Jahres auszutauschen. So stand der 10. November ganz im Zeichen des Networkings der Delegierten untereinander.

Bernhard von Rothkirch begrüßte am Freitagmorgen die Anwesenden und berichtete den Delegierten über die Arbeit des Aufsichtsrats. Der DFK-Aufsichtsrat sieht seine Aufgabe nicht nur in der Überwachung der Vorstandstätigkeit, sondern berät diesen auch und ist in die strategische Entwicklung des Verbandes eng eingebunden.

Bericht des Vorstandes

In seinem Vorstandsbericht betonte Dr. Ulrich Goldschmidt, dass der Verband sich in vielen Punkten neu aufgestellt hat und dabei ist, die im letzten Jahr verabschiedete Verbandsstrategie stringent umzusetzen. So hob er etwa die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes hervor, die sich in den letzten Jahren stark positiv verändert hat. Hier spielen, so Goldschmidt, „DIE FÜHRUNGSKRÄFTE auch im Vergleich zu anderen Verbänden in der Champions League“. Die Wahrnehmbarkeit des Verbandes wurde dadurch schon spürbar verbessert. An anderen Stellen sind Kooperationen der Schlüssel zum Erfolg. So etwa mit Hochschulen, um die zukünftigen Führungskräfte bereits vor dem Einstieg in das Berufsleben auf eine Verbandsmitgliedschaft anzusprechen. Wichtig war ihm darauf hinzuweisen, dass man gemeinsam auf viele Erfolge der Verbandsarbeit stolz sein könne. Höchste Anerkennung gelte deshalb all denen, die sich ehrenamtlich im Verband engagieren.

Finanzvorstand Michael Krekels konnte berichten, dass der Verband finanziell solide aufgestellt sei und ausgesprochen sparsam wirtschafte. Gemeinsam mit den Regionalgruppen habe man zudem ein System entwickelt, mit dem diese jetzt einen einfacheren Überblick über ihre finanziellen Ressourcen erhalten und größere Planungssicherheit für ihre Budgets gewinnen. Nachfolgend bestätigten auch die Kassenprüfer eine ordnungsgemäße Haushaltsführung, so dass Aufsichtsrat und Vorstand entlastet werden konnten.

Neues Mitglied im Aufsichtsrat

Eine Veränderung steht für die Besetzung des Aufsichtsrats an. Marie Christine Lohmer musste aus beruflichen Gründen ihr Mandat im Aufsichtsrat aufgeben. Der DFK dankt ihr herzlich für ihr Engagement. Für sie rückt Manfred Aull in den Aufsichtsrat. In seiner Vorstellung warb er noch einmal dafür, vor Ort und in den Regionalgruppen die Aktion „Mitglieder werben Mitglieder“ zu unterstützen. Als erfahrener Vertriebsmann sprach er mit Leidenschaft über die Gewinnung neuer Mitglieder und den Möglichkeiten dazu. Jedes neue Mitglied stärkt den Verband und seine Strukturen und bildet damit die Basis, die gute Arbeit in der Unterstützung von Führungskräften fortzuführen.

Viele Anträge

Ein Verbandstag gibt immer auch Gelegenheit, das Regelwerk des Verbandes zu überprüfen. So waren einige wenige redaktionelle  Anpassungen der Satzung ebenso zu beschließen wie eine klarstellende Ergänzung der Rechtsschutzrichtlinien, in die der folgende Passus aufgenommen wurde:

„Weiter kann der Verband den Rechtsschutz verweigern, wenn das Mitglied in einem gerichtlichen Verfahren bereits einen externen Rechtsanwalt eingeschaltet oder dieses Verfahren ohne Begleitung durch den Verband selbst geführt hat und für den weiteren Verfahrensweg und Instanzenzug die Vertretung durch den Verband wünscht.“

Im Zentrum der Delegiertenberatungen stand in diesem Jahr die verbandspolitische Positionierung unseres Verbandes. In den zahlreichen Anträgen zeigten sich wieder einmal die Vielfalt des Verbandes und die Breite des von ihm bearbeiteten Themenspektrums. Im Einzelnen wurden dazu die folgenden Beschlüsse gefasst:

I.    Coaching für Mitglieder
Der Vorstand prüft, ob und inwieweit das Leistungsangebot des Verbandes um ein Individualcoaching für Mitglieder durch externe Coaches erweitert werden kann.

II.    Portabilität von Betriebsrenten
Der Verband wird sich dafür einsetzen, die zögerliche Umsetzung der EU-Richtlinie zur Portabilität von Betriebsrenten zu beschleunigen. Das bereits verabschiedete deutsche Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie muss deutlich vor 2018 in Kraft treten.

III.    Regeln guter Führung
Für den Erfolg von Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 ist gute Führung essentiell. Die Führungskräfte definieren daher fünf Regeln guter Führung in der Arbeitswelt 4.0:

  1. Merkmale der digitalen Arbeitswelt
    In der digitalisierten Arbeitswelt wird operative Führung zunehmend an Teams und einzelne Mitarbeiter abgegeben. Führungskräfte organisieren und moderieren in Netzwerken das kollektive Potenzial des Unternehmens. Führung wird damit zur kooperativen Aufgabe und nicht mehr auf Dauer verliehen, sondern orientiert sich an Bedarf, Leistung und Überzeugungsfähigkeit.

  2. Der Mensch im Mittelpunkt
    Auch in einer digitalisierten Arbeitswelt muss der Mensch im Mittelpunkt stehen, darf Führung nicht an Algorithmen delegiert werden. Sozialkompetenz von Führungskräften gewinnt als Erfolgsfaktor von Unternehmen an Bedeutung.

  3. Neue Vertrauens- statt Präsenzkultur
    Die digitale Arbeitswelt erfordert keine Präsenzkultur, weder beim Vorgesetzten noch beim Mitarbeiter, sondern geeignete Rahmenbedingungen für eine zeitliche und räumliche Entflechtung von Arbeit. Wesentliche Merkmale sind eine neue Vertrauenskultur, ein motivierendes und wertschätzendes Arbeitsklima, konsequente Delegation von Verantwortung, Veränderungsbereitschaft sowie der Freiraum für eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

  4. Sinn vermitteln
    Führung in der digitalen Arbeitswelt muss noch intensiver Sinn vermitteln, und zwar bezüglich der Aufgabe des Einzelnen und des Teams und auch hinsichtlich der unternehmerischen Zielsetzung. Mehr als je zuvor wollen Mitarbeiter verstehen, woran sie mitarbeiten und was ihr Beitrag zur Erreichung des Unternehmensziels ist. Sie wollen bewerten können, ob Ziel und Sinn ihrer Arbeit zu ihren persönlichen Zielsetzungen und Wertevorstellungen passen.

  5. Erfolg durch Vielfalt
    Um das gesamte intellektuelle Potenzial unserer Gesellschaft ausschöpfen zu können, muss Führung auch für Vielfalt stehen. Das gilt für die Führung selbst, angefangen beim Top-Management und über alle Ebenen hinweg, aber darüber ­hinaus auch für alle Mitarbeiter.

IV.    Vergütungssysteme
Der DFK spricht die Empfehlung aus, in den Vergütungssystemen der Unternehmen konsequent einen Total Compensation-Ansatz zu verfolgen, mit dem der Unternehmenserfolg und nur besondere individuelle Leistungen der Mitarbeiter honoriert werden und stärker auf Vertrauen gesetzt wird.

V.    Betriebliches Gesundheitsmanagement
Die Unternehmen und die Politik werden aufgefordert, Betriebliches Gesundheitsmanagement als Aufgabe der Unter­nehmensführung zu integrieren. Betriebliches Gesundheitsmanagement muss als Ausdruck von Führungsver­antwortung und als Investition im eigen­wirtschaftlichen Interesse der Unter­-
neh­men gefördert werden. Vorhandene positive Ansätze dürfen nicht durch steuerrechtliche Maßnahmen konterkariert werden.

VI.    Gestaltung der Arbeitswelt 4.0
Der Verband wird sich auch weiterhin in die Arbeit des Bundesarbeitsministe­riums zur Gestaltung der Arbeitswelt 4.0 einbringen, Themen initiieren, Gesetzgebungsvorhaben begleiten und solche anregen, wenn ein Handeln des Gesetzgebers angezeigt ist.

VII.    MINT
Der Verband wird dabei helfen, die Bedeutung von MINT-Fächern und -Berufen für den Standort Deutschland in geeigneter Weise, z. B. durch Kooperationen, die Benennung von MINT-Botschaftern aus der Mitgliedschaft und durch publizistische Aktionen, zu verbreiten.

VIII.    Frauen in Führungspositionen
Der Verband wird den Ursachen für die nach wie vor geringe Zahl von Frauen in Führungspositionen der Unternehmen z. B. durch eigene Studien auf den Grund gehen. Er wird außerdem Vorschläge erarbeiten, wie möglicherweise bestehende Hindernisse für Frauen beim Zugang zu Führungsaufgaben beseitigt werden können.

IX.    Mitbestimmung
Die deutsche Mitbestimmungskultur ist ein Standortvorteil, den es zu sichern gilt. Das gilt insbesondere auch für die Rolle der Leitenden Angestellten in mitbestimmten Aufsichtsräten. Bestrebungen, die zu einem Absinken des Mitbestimmungsniveaus führen oder gar die Mitbestimmung gefährden, sind abzulehnen.

X.    Flexi-Rente
Der Verband sieht die sogenannte Flexi-Rente als wichtigen Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Arbeitslebens. Die Attraktivität der Flexi-Rente muss erhöht werden, indem z. B. die Regeln der Anrechnung des Hinzuverdienstes nachgebessert werden. Außerdem darf der Bezug der Flexi-Rente keinen negativen Auswirkungen auf die Betriebsrente haben.

XI.    Mitarbeiterbeteiligung
Der Betrag von maximal 360 E pro Jahr, den ein Arbeitgeber heute seinen Mit­arbeitern im Rahmen der Mitarbeiter­beteiligung steuer- und sozialabgabenfrei überlassen kann, ist unzureichend. Für die Stärkung der Mitarbeiterbetei­ligungskultur in Deutschland muss dieser Betrag deutlich ausgeweitet werden. DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK fordern den Gesetzgeber auf, dabei einen Best-Practice-Ansatz auf der Basis internationaler Vergleichszahlen zu verfolgen.

Insgesamt war der Verbandstag, so zeigten beispielweise die mehr als deutlichen Abstimmungsergebnisse, bei allen – mitunter leidenschaftlichen – Diskussionen von großer Einheitlichkeit in den Sachfragen geprägt. Die größere Vielfalt in der Mitgliedschaft, Gesellschaft und Wirtschaft bietet eben auch Chancen, die man mit besserer Führung wahrnehmen kann.


Bildquellen: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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