Deutschland ist digital unterentwickelt MINT-Botschafterkonferenz in Berlin

Prof. Dr. Axel Plünneke spricht über den Mangel an IT-Experten
Dr. Ellen Walther-Klaus, Manuela Knoll, Diana Nier, Thomas Sattelberger (v.l.)

DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK sind langjähriger Unterstützer und Kooperationspartner der Initiative „MINT Zukunft schaffen“. MINT steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und ­Technik. So war eine Teilnahme an der diesjährigen MINT-Botschafterkonferenz am 22. September im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin quasi ein Pflichttermin. Die Konferenz eröffnete Uwe Beckmeyer, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Er stellte in seiner Begrüßungsrede dar, dass bei den Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung die Zukunftsfähigkeit und das Image des Wirtschaftsstandorts Deutschland maßgeblich beeinflusst werden. Hier gilt es für Deutschland eben den Anschluss nicht zu verlieren. Beckmeyer sprach auch das Thema Migration und Integration an und plädierte für eine großflächig angelegte „Fachkräfteoffensive“ zur Gewinnung und Bindung internationaler Fachkräfte. Hierbei wies er auf das Internetportal „make it in germany“ (www.make-it-in-germany.com) hin.

Prof. Dr. Axel Plünneke, vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, stellte dann aktuelle Zahlen und Fakten zur Fachkräftesituation im Dreiklang „Digitale Revolution – Demografie-Migration“ vor.

Digitale Unternehmen erwarten danach einen sehr starken Zusatzbedarf an Akademikern und Meistern. Erschreckend ist die aktuelle und zukünftige Situation in den neuen Bundesländern, wo kaum noch  IT-Akademiker vorhanden sind.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde es dann konkreter. Dr. Rainer Stetter, Geschäftsführer der ITQ GmbH, stellte sein Firmenprojekt „Hussein & friends“ vor. Hussein hatte sich bei einer Firmenbesichtigung sofort bei Stetter um einen Ausbildungsplatz beworben. Dank guter Sprachkenntnisse, vor allem aber des großen Enthusiasmus und Ehrgeiesz, steht Hussein nun kurz vor dem Abschluss. Weitere Flüchtlinge haben inzwischen ebenfalls einen Ausbildungsplatz erhalten.

Einigkeit bestand in der Diskussionsrunde bei Forderungen nach effektiver Familienpolitik und einer engeren Kooperation zwischen Wirtschaft und Bildung.

Mit der Frage „Sind unsere Bildungs- und Ausbildungssysteme noch zeitgemäß“ beschäftigte sich nach der Pause Prof. Dr. Ludger Wößmann, Leiter ifo Zentrum für Bildungsökonomik. Wößmann stellte die deutliche Forderung nach mehr Autonomie und Wahlfreiheit für Schulen. Die Schulen sollten selbst über die Einstellung des Lehrpersonals entscheiden und auch eine Budgethoheit haben.

Wößmann bestätigte weiter die Forderung des DFK nach der Notwendigkeit vergleichbarer Zwischen- und Abschlussprüfungen innerhalb Deutschlands. Er sprach sich auch für die weitere Förderung der dualen Berufsausbildung aus.

Laut Wößmann müssen Flüchtlingskinder schnell in die Klassen integriert werden und nicht zu lange in den „Willkommensklassen“ verharren.

Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender von „MINT Zukunft schaffen“, brachte es in seinem Impuls so auf den Punkt: „Deutschland ist digital unterentwickelt.“

Seiner Ansicht nach ist eine qualifizierte Zuwanderung unerlässlich und man müsse sich aktuell fragen, weshalb internationale Fachkräfte eher nach Großbritannien oder in skandinavische Länder gehen als nach Deutschland.

Das frühe Heranführen an MINT durch eine entsprechende Talentförderung, ähnlich der im Fußball, so Sattelberger weiter, schafft zudem weitere wichtige Impulse.

Höhepunkt und zugleich den Abschluss der Botschafterkonferenz bildete die Auszeichnung der MINT-Botschafter 2016. Thomas Sattelberger und Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsführerin von „MINT Zukunft schaffen“, zeichneten gemeinsam die DFK-MINT-Botschafterin Manuela Knoll aus und gratulierten ihr zur Ehrung.

Manuela Knoll hat an der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin Pharma- und Chemietechnik studiert und arbeitet aktuell an ihrer Doktorarbeit. Im Rahmen ihrer DFK-Mitgliedschaft wirbt sie aktiv für MINT-Fächer und MINT-Berufe im Rahmen des DFK-Frauennetzwerkes und steht zugleich als Mentorin für weibliche MINT-Studierende zur Verfügung.


Bildquellen: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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