Führungskräfte als Multiplikator zwischen ­Management und Belegschaft Schwerpunkt Kommunikation im Unternehmen

Athanasios Drougias

von Athanasios Drougias

Die Beförderung eines Kollegen, der aktuelle Geschäftsbericht oder Restrukturierungsprozesse – es gibt viele Anlässe, die innerhalb eines Unternehmens kommuniziert werden müssen. Führungskräfte sollten dabei auf Dialog statt auf bloße Information setzen.

Mitarbeiter spielen als Botschafter eines Unternehmens eine nicht zu unterschätzende Rolle für Arbeitgeber. Damit sie nicht nur im Job, sondern auch im Privaten ein positives Bild des Unternehmens zeichnen, müssen sie sich mit diesem identifizieren. Führungskräfte tragen dabei mit ihrer Funktion als Multiplikatoren zwischen Management und Belegschaft eine wichtige Verantwortung. Sie werden in der Regel eher über wichtige Unternehmensentscheidungen informiert oder sind selbst in diese eingebunden. Da nicht jede Information für jeden Mitarbeiter relevant ist, sollten sich Führungskräfte zunächst fragen, wer eigentlich welche Information benötigt, um seine Aufgaben erledigen zu können. Ein Chef, der – oft aus nicht nachvollziehbaren Gründen – die Informationshoheit für sich beansprucht, ist für Mitarbeiter nicht nur frustrierend, er blockiert damit Arbeitsabläufe und verschlechtert die Unternehmensleistung.

Die nächste Frage bei der Weitergabe von Informationen ist die des Kommunikationskanals: Reicht eine knappe E-Mail aus oder müssen Einzelheiten in einer Konferenz besprochen werden? Sollte im Intranet oder der Mitarbeiterzeitung ein umfangreicher Artikel weitere Hintergrundinformationen liefern? Dies gilt es stets aufs Neue abzuwägen.

Zeitnah, ehrlich, transparent

In der öffentlichen Berichterstattung zeigen Beispiele immer wieder, wie falsche Kommunikationsstrategien zu einem Vertrauens- und Imageverlust führen können. Aus diesen Fehlern können Führungskräfte für ihre interne Kommunikation lernen. Dies ist insbesondere bei sehr sensiblen Themen wie etwa organisatorischen Veränderungen mit Auswirkungen auf die Belegschaft sehr wichtig. Die BARMER GEK durchläuft seit geraumer Zeit einen tiefgreifenden Reorganisationsprozess. Bei diesen sensiblen Veränderungsprozessen nimmt die interne Kommunikation eine Schlüsselrolle ein. Sie trägt maßgeblich dazu bei, alle Mitarbeiter mitzunehmen und zu motivieren. Dies ist deshalb sehr wichtig, weil große Veränderungen von der Belegschaft verständlicherweise auch kritisch aufgenommen werden und mitunter Unsicherheiten auslösen. Hier tragen Führungskräfte eine große Verantwortung. Sie müssen Unternehmensentscheidungen frühzeitig, transparent und strukturiert kommunizieren. Die beste Informationsstrategie ist allerdings zum Scheitern verurteilt, wenn sie als kommunikative Einbahnstraße angelegt ist, in der Mitarbeiter lediglich Empfänger von Botschaften und Informationen sind. Eine erfolgreiche Veränderungskommunikation braucht also Elemente, die einen strukturierten Dialog zulassen.

Gerade hier haben Vorgesetzte die nicht zu unterschätzende Rolle des Ansprechpartners. Wer Informationen weitergibt, muss mit Rückfragen – auch kritischen – rechnen und diese zulassen. Mitarbeiter möchten sich selbst in Themen einbringen und Entwicklungen nachvollziehen können. Eine Führungskraft tut gut daran, diese Anliegen ernst zu nehmen und den Dialog zu suchen. Auch wenn sie bestimmte Fragen nicht beantworten kann – oder darf. Als Schnittstelle vermitteln Chefs also nicht nur Botschaften der Unternehmensführung an die Belegschaft. Ihre Aufgabe ist es auch, die Belange der Mitarbeiter – zum Beispiel Unsicherheit, den Wunsch nach Transparenz oder Einbindung in Entscheidungsprozesse – aufzunehmen und „nach oben“ zu tragen.

Eingreifen in die Gerüchteküche

In Zeiten unklarer Firmenbelange zeigt sich, ob Führungskräfte ein Gespür für Veränderungen innerhalb der Belegschaft haben. Ein gutes Verhältnis zu den Teammitgliedern und eine offene Arbeitsatmosphäre zahlen sich schnell aus. Denn so erfahren Führungskräfte zum Beispiel, wann und welche Gerüchte entstehen, und können schnell handeln – indem sie zustimmen, dementieren oder die Mitarbeiter um Zeit bitten, bis Entscheidungen tatsächlich feststehen. Trotz aller Kollegialität – Vorgesetzte haben meist selbst einen Chef, dem sie verpflichtet sind. Vertrauliche Informationen weiterzugeben, um sich bei anderen beliebt zu machen, ist nicht tragbar. Wie bei der externen Kommunikation sollten offizielle Sprachregelungen beachtet werden, damit das Unternehmen auch intern geschlossen auftritt. Wer auch im hektischen Alltag daran denkt, Informationen weiterzugeben, und auch unpopuläre Themen nicht unter den Tisch fallen lässt, wird sich bei Vorgesetzten und Mitarbeitern als verlässlicher Ansprechpartner etablieren und damit entscheidend zum Unternehmenserfolg beitragen.

Kontakt: athanasios.drougias(at)barmer-gek.de

Athanasios Drougias leitet seit 2010 die Unternehmenskommunikation der BARMER GEK.

 

Bildquelle: © Athanasios Drougias

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