Bewerbungsgespräche via Skype unzulässig?

Datenschutzfragen bei Videointerviews sind noch nicht restlos geklärt

von Verbandsgeschäftsführer Sebastian Müller

Bei Bewerbungsverfahren kommt es immer öfter zu Vorstellungsgesprächen, die via Skype und nicht mehr vor Ort durchgeführt werden. Man führt Videotelefonate oder bedient sich anderer Programme, die Videointerviews aufzeichnen und diese sogar später z.B. per Sprachanalyse-Software auswerten. Datenschutzbeauftragte sehen nun zum Teil Verstöße gegen das Datenschutzgesetz. Dies sollten HR-Abteilungen und Führungskräfte beachten.

Die Beauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit der Länder Berlin und NRW haben ihren aktuellen Tätigkeitsbericht veröffentlicht und hierbei u.a. zum Einsatz moderner Auswahlinstrumente im Bewerbungsverfahren Stellung genommen. Konkret wurden ein Vorstellungsgespräch via Skype, die Aufzeichnung von Videointerviews und der Einsatz einer Sprachanalyse-Software begutachtet. Beide sehen diese digitalen Bewerbungsgespräche als nicht datenschutzkonform an und begründen dies damit, dass es an einer Rechtsgrundlage für die Datenerhebung durch diese Kommunikationstechnik fehle.

Allein aus dem Grunde, dass die Video-Bewerbungsgespräche geeignet seien und eine Erleichterung darstellten, dürfe diese Vorgabe nicht umgangen werden, so die Datenschützer. Sie monierten speziell bei Skype zudem, dass die Speicherung der Daten auf Microsoft-Servern in den USA stattfände, was eine weitere für die Durchführung des Bewerbungsgesprächs nicht erforderliche Datenübermittlung darstelle.

Einwilligung des Bewerbers reicht nicht aus

Zudem bemängeln sie, dass, selbst wenn die Bewerber einem Video-Vorstellungsgespräch zugestimmt hätten, dies nicht zulässig sei, weil eine solche Zustimmung innerhalb eines vorgegebenen Bewerbungsablaufs nicht auf einer ­freiwilligen Entscheidung erfolgt sein könne, wie dies nach § 4a BDSG verlangt würde.

Aufzeichnungen von Video-Interviews ebenfalls unzulässig

Ebenso kritisieren die Datenschützer die Nutzung von Videoaufzeichnungen, bei denen die Bewerber mittels einer Software Antworten auf einen Fragenkatalog aufzeichnen und an das Unternehmen übermitteln. Diesem Verfahren attestieren sie sogar einen noch gravierenderen  Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Außerdem bemängeln sie hier die fehlende Transparenz gegenüber den Bewerbern, die nicht wüssten, welche Personen Zugriff auf diese Aufnahmen haben oder wie lange diese Daten gespeichert werden.

Sprachanalyse-Software

Die Datenschutzbehörde NRW lehnt zudem den Einsatz einer Sprachanalyse-Software aus Datenschutzgründen ab, da es auch bei diesem Verfahren an der in § 32 BDSG vorgeschriebenen Erforderlichkeit sowie der Freiwilligkeit bei der Einwilligung fehle.

Und wie jetzt praktisch?

Mit ihrer strikten Ablehnung von Video-Bewerbungsgesprächen stoßen die Datenschutzbeauftragten allerdings auch auf Kritik. Denn zunehmend wären es die Bewerber selbst, die anfragen, ob das erste Gespräch nicht auch per Skype erfolgen könne, damit Fahrtstrecken und Aufwand vermieden werden können. Man sollte Tools wie Skype in Zukunft im Bewerbungsverfahren nur unter bestimmten, engen Voraussetzungen einsetzen.

Eine Voraussetzung wäre, dass der Bewerber seine Einwilligung für das Video-Interview freiwillig erteilt und dass dem Bewerber eine Wahlmöglichkeit geboten wird. Ist das Video-Interview ein fester Bestandteil des Bewerbungsverfahrens, ist die Einwilligung des Bewerbers nicht wirksam. Unternehmen müssen ihren Bewerbern also die Möglichkeit bieten, zwischen einem persönlichen Gespräch, einem Telefonat und einem Video-Interview entscheiden zu können.

Als weitere Voraussetzung müssen die Informationen an den Bewerber auch auf die Datenverarbeitung bzw. insbesondere auf die Datenverarbeitung von Skype und Microsoft Bezug nehmen. Kenntnis der und das Ein­verständnis zu den Datenschutzbedingungen von Skype sollten vorliegen.

Schließlich sollte sichergestellt sein, dass nur Unternehmensangehörige auf die gespeicherten Videodateien zugreifen können, die auch im Bewerbungsverfahren involviert sind, und die Daten nur so kurz wie möglich – wenn überhaupt – auf Servern gespeichert werden. Danach müssen diese gelöscht werden.

Die Vorgaben der Datenschutzbehörden sind sicherlich in gutem Willen erfolgt. In der Praxis erschweren sie den Einsatz von Skype-Interviews sehr. Es ist zu hoffen, dass hier noch eine Präzisierung stattfindet. Bis dahin ist Vorsicht geboten.

 


Bildquelle: Fotolia, ©ra2studio

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