Wenn ein Arbeitgeber auf sehr dünnem Eis wandelt Aus dem DFK-Rechtsschutz berichtet

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von Dr. Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

Auch nach jahrelanger Erfahrung mit, vorsichtig formuliert, gewöhnungsbedürftigen Arbeitgebern gelingt es manchen Unternehmen dann doch, uns wieder einmal zu überraschen. Da hat man gerade in einem Seminar für Führungskräfte erklärt, dass wohl kaum ein Arbeitgeber so dumm sein dürfte, die Benachteiligung eines leitenden Mitarbeiters mit dessen Engagement in einem Sprecherausschuss oder mit seinem Aufsichtsratsmandat zu begründen. Und dann passiert genau das. Man könnte glauben, das Drehbuch für diese Geschichte stamme aus einer Gemeinschaftsproduktion von ­Loriot und Franz Kafka – aber es ist tatsächlich so in einem großen deutschen Konzern passiert.

Ein leitender Angestellter, der sowohl den Vorsitz im Konzern-Sprecherausschuss als auch ein Mandat im Aufsichtsrat seines Konzerns innehatte, erhielt trotz individueller Zielübererfüllung einen deutlich gekürzten Bonus und musste zugleich feststellen, dass er bei der jährlichen Gehaltsanpassungsrunde komplett übergangen worden war. Eine Begründung dafür gab es zunächst nicht. Unser Leitender wurde daraufhin beim Leiter Führungskräfte im Personalbereich vorstellig und vermutete das Vorliegen eines bedauerlichen Büroversehens. In diesem Gespräch wurde ihm deutlich gemacht, das mitnichten von einem Büroversehen gesprochen werden könne. Vielmehr habe man hier mit Vorsatz und Bedacht gehandelt. Die in der Tat verblüffende Erklärung lautete, dass man bei seinem großen Engagement in Sprecherausschuss und Aufsichtsrat, was man gerade im Personalbereich ja eindrucksvoll zu spüren bekommen habe, kaum davon ausgehen könne, dass er noch die Zeit gefunden habe, sich um das Unternehmen verdient zu machen. Wenn jemand so viel Zeit auf ein Ehrenamt verwende, sei es schlicht nicht nachvollziehbar und begründbar, dass von ihm ein signifikanter Beitrag zum unternehmerischen Erfolg stamme. Deshalb habe man zwar seinen auf die individuelle Zielerfüllung entfallenden Bonus nicht gekürzt, wohl aber den Anteil, der am Unternehmensergebnis hänge. Man bitte um Verständnis. Gleiches gelte übrigens auch für die Gehaltsanpassung. Er dürfe doch bitte nicht erwarten, dass man seinen Einsatz in Sprecherausschuss und Aufsichtsrat auch noch mit einem höheren Gehalt honoriere. Darüber könne man wieder sprechen, wenn er sich zu 100 % in seiner eigentlichen Funktion engagiere.

Trotz unseres Hinweises auf das gesetzliche Verbot der Benachteiligung von Sprecherausschuss- und Aufsichtsratsmitgliedern war der Personalchef von erstaunlicher Uneinsichtigkeit. Nicht einmal der Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Benachteiligung um ein strafrechtlich relevantes Verhalten handele, führte zur Einsicht. Es blieb daher nichts anderes übrig, als den Vorgang bis zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns zu eskalieren. Dieser zeigte sich glaubhaft betroffen, als ihm der gravierende Compliance-Verstoß seines Personalchefs bewusst wurde. So wurde nicht nur die Bonuskürzung rückgängig gemacht, sondern das Festgehalt auch um den durchschnittlichen Anpassungssatz für leitende Angestellte rückwirkend angehoben. Für die Zukunft erklärte der CEO zudem, persönlich darauf achten zu wollen, dass sich derartiges nicht wiederhole. Ein voller Erfolg mit Hilfe des DFK-Rechtsschutzes.


Bildquelle: © H-J Paulsen / Fotolia

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