Tipps für junge Fach- und Führungskräfte Schwerpunkt Young leaders

Dr. Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender

von Dr. Ulrich Goldschmidt

Exzellent ausgebildet, die Welt steht einem offen, die Unternehmen warten nur darauf, mit unserem Schwung erobert zu werden. Mit dieser Vorstellung erfolgt oft der Eintritt ins Berufsleben, nur um dann festzustellen, dass Planung und Leben mitunter heftig kollidieren können. Die Erfahrung, sich trotz des großartigen Examens ein- und unterordnen zu müssen, machen viele tatsächlich erstmals beim Berufsstart. Dieser Zusammenprall lässt sich aber positiv nutzen und längerfristig in positive Energie ummünzen. Dazu 10 Tipps, die beim Berufsstart helfen können:

  • Bewahren Sie sich Ihre Lernbereitschaft. Warten Sie nicht ausschließlich darauf, was das Unternehmen Ihnen an Fort- und Weiterbildung anbietet, sondern setzen Sie hier auch auf Eigeninitiative. Fragen Sie ruhig aktiv nach Möglichkeiten der Weiterbildung. Und wenn der Arbeitgeber hier nichts anzubieten hat, fragen Sie sich selbst, was Ihnen aus Ihrer Sicht noch fehlt oder einfach Spaß machen könnte. Und wenn der Arbeitgeber dafür die Kosten nicht übernimmt, sollten Sie selbst in sich investieren. Es ist eine Investition in Ihre berufliche Zukunft und erhöht Ihren Marktwert.
  • Akzeptieren Sie Kritik und lernen Sie daraus. Der Arbeitgeber hat Sie angestellt, um längerfristig mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Konstruktive Kritik soll Ihnen dabei helfen, Ihr Potezial für das Unternehmen auszuschöpfen. Deshalb sollte man Kritik nie persönlich nehmen, sondern sich mit einiger Distanz selbst kritisch hinterfragen oder ein Feedback in der Familie oder von Freunden einholen. Wird im Unternehmen Kritik an Ihnen geübt, gehört es aber auch dazu, Ihnen konkret zu sagen, was und wie etwas besser gemacht werden muss. Ist Ihnen Kritik zu pauschal, haken Sie nach. Das ist nicht nur Ihr gutes Recht, sondern vermeidet auch Missverständnisse.
  • Knüpfen Sie ein Netzwerk im Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinaus. Speziell das unternehmensinterne Netzwerk wird Ihnen helfen, dieses Unternehmen zu verstehen. Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur und funktioniert anders. Bei diesem Verständnisprozess können Ihnen gerade ältere, erfahrene Führungskräfte, aber auch die eigenen Mitarbeiter helfen. Nach und nach wird es Ihnen auch gelingen, persönliche Berater aus diesem Netzwerk zu rekru­tieren, zu denen Sie ein belastbares Vertrauensverhältnis aufbauen. Bedenken Sie aber: Ein funktionierendes Netzwerk lebt von einem Geben und Nehmen. Netzwerke, die nur als Einbahnstraße aufgebaut werden, überleben nicht lange. Neben der Frage „Was verspreche ich mir von diesem Netzwerk-Kontakt?“ muss daher immer die Frage stehen: „Was kann ich diesem Kontakt bieten?“ Und das Netzwerk muss permanent gepflegt werden. Ein Kontakt, der nur alle zehn Jahre mal angesprochen wird, ist kein Kontakt, ist kein Netzwerk, sondern eine flüchtige Bekanntschaft.
  • Überzeugen Sie durch Kompetenz und Einsatz, aber: Überlegen Sie gut, wie Sie Ihr Know-how kommunizieren. Mitarbeiter und Vorgesetzte reagieren nicht mit ungeteilter Freude, wenn Sie ihnen nach zwei Tagen erklären können, was in diesem Unternehmen alles falsch läuft und dass man endlich zum Marktführer werden kann, wenn man Sie nur machen lässt. Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, sich in das Team mit Ihren Ideen einzubringen, um gemeinsam zum Erfolg zu kommen. Fragen Sie, ob Ihre Idee schon reif ist, eingebracht zu werden, und finden Sie so Mitstreiter.
  • Und schließlich möchte ich Sie auch herzlich dazu ermuntern, mit den Arbeitnehmervertretungen im Betrieb, also insbesondere mit den Betriebsräten, konstruktiv und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Der Betriebsrat ist nicht der „natürliche Gegner“ der Unternehmen, sondern ihr Partner. Gute Führungskräfte schaffen es, den Betriebsrat im Sinne eines aktiven Co-Managements in die Prozesse einzubinden. Die Erfahrung zeigt, dass Unternehmen in der Regel die Betriebsräte bekommen, die sie verdienen. Wer jeden Tag aufs Neue mit seinem Betriebsrat in den „Clinch“ geht und über Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes streitet, hat den Sinn und Zweck der Betriebsverfassung offensichtlich noch nicht wirklich verstanden.

    Führungskräfte, die versuchen, ihren Betriebsrat davon zu überzeugen, dass die Betriebsverfassung „Teufelswerk“ ist und eigentlich abgeschafft gehört, müssen schon ausgesprochen abenteuerlich veranlagt sein, helfen ihrem Unternehmen damit am Ende aber nicht weiter. Ganz im Gegenteil kann der Arbeitgeber sich relativ kurzfristig von Führungskräften trennen, die beharrlich gegen das Betriebsverfassungsgesetz verstoßen und sich der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat verweigern. Nutzen Sie die Chance zur konstruktiven Zusammenarbeit.
  • Zeigen Sie sich und schaffen Sie auch Sichtbarkeit für Ihre Mitarbeiter. Leider ist es nicht so, dass Spitzenleistungen in den Unternehmen automatisch auffallen. Die Haltung „Mein Chef wird schon von allein merken, dass ich einen hervorragenden Job mache“ führt leider allzu oft nicht zum gewünschten Ziel. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, sich wie ein eitler Pfau zu spreizen und mit seinen Erfolgen im Betrieb hausieren zu gehen. Aber es ist ohne Weiteres legitim, nach höherwertigen Auf­gaben und Weiterentwicklung zu fragen, wenn man Erfolge aufzuweisen hat. Gleiches dürfen aber auch Ihre Mitarbeiter von Ihnen erwarten. Machen Sie auch diese mit ihren Erfolgen sichtbar. Diese Form der persönlichen Anerkennung wird man Ihnen danken.
  • Wertschätzung und Respekt sind zwei der wichtigsten Währungen im Unternehmen, die regelmäßig auf den wirtschaftlichen Erfolg einzahlen. Das dürfen Sie selbst von Ihrem Arbeitgeber und Ihren unmittelbaren Vorgesetzten erwarten. Zu Ihrer Führungsverantwortung gehört es daher ebenso, Ihren Mitarbeitern Wertschätzung und Respekt zu zeigen. Dazu gehört ein fairer Umgang miteinander. Stellen Sie die Kontrollfrage, ob Ihr Verhalten für Sie immer noch akzeptabel und wünschenswert wäre, wenn Sie auf der anderen Seite des Tisches sitzen würden. Damit schaffen Sie zugleich Vertrauen, die dritte wichtige Währungseinheit in diesem Zusammenhang. Ohne wechselseitiges Vertrauen ist Führung zum Scheitern verurteilt.
  • Lernen Sie, sich selbst zu führen. Selbstführung ist die Basis von Führung. Nur wer sich führen kann, kann auch andere führen. Dazu gehört, sich selbst sinnvolle Ziele zu setzen, sich selbst zu beobachten und auch kritisch zu hinterfragen und schließlich auch sich selbst intrinsisch zu motivieren. Nur wer das kann, schafft es als Führungskraft, auch anderen Ziele zu setzen, ihnen Feedback zu geben und für sie ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.
  • Bleiben Sie kritisch und hinterfragen Sie auch solche Tipps, wie ich sie hier gebe. Bei Sätzen, die mit „Ich habe das früher aber immer so gemacht“ beginnen, sollten Sie ein gesundes Misstrauen an den Tag legen. Bedenken Sie aber auch, dass eine starke Vermutung dafür spricht, es könnte nicht alles falsch gewesen sein, was bislang in den Unternehmen passiert ist. Wäre es nämlich so, würde es das ­Unternehmen, das Ihnen einen Anstellungsvertrag gegeben hat, nicht mehr geben. Es geht darum, aus dem Positiven ebenso wie aus dem Negativen zu lernen und Neues zu entwickeln.

Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg!


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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