„Das A und O sind Ehrlichkeit und Offenheit“ Schwerpunkt Young Leaders

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch

Die Mentoring-Plattform des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK wird bereits von einigen Mitgliedern intensiv genutzt. Mit Erfolg. Wie eine solche Zusammenarbeit aussehen kann, welche Fallstricke es gibt und wie ein solches Mentoring-Tandem in der Realität aussieht und arbeitet, hat uns Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch zusammen mit ihrem Mentee (den wir auf Wunsch anonym lassen) im Interview verraten. Sie geben uns einen Einblick in die Praxis der DFK-Mentoring-Plattform, die wir in diesem Heft auch noch einmal vorstellen.

Wie sind Sie auf das DFK-Mentoring aufmerksam geworden?

Mentee: Beim Surfen auf der Verbandshomepage ist mir der Hinweis auf das überarbeitete, neue Mentoring-Programm aufgefallen. Da ich selbst seit vielen Jahren Mentor bin, hat mich interessiert, was es Neues gibt. Da mein Erfahrungsschatz im internen Netzwerk-Vergleich vermutlich noch nicht für eine Mentoren-Rolle ausreicht, habe ich – interessehalber und zunächst eher testweise – einmal nach kompatiblen Mentoren für mich gesucht. Dabei bin ich auf Frau Prof. Witt-Bartsch gestoßen. Ihr Profil fand ich so spannend, dass ich den Kontakt aufgenommen habe.

Witt-Bartsch: In einem Telefonat hat mir Herr Krüger vom DFK von der Entstehung dieses Programmes berichtet und mich sehr neugierig darauf gemacht. Nach einem ersten Blick auf die Plattform war ich sofort davon überzeugt und habe mich dort als Mentorin angemeldet.

Was war Ihre Motivation, sich als Mentorin zu engagieren/als Mentee mitzumachen?

Mentee: Bisher war ich deutlich häufiger in der Mentoren- als in der Mentee-Rolle. Aber Mentoring ist etwas für alle Berufsphasen und Lebenslagen. Von daher wollte ich einerseits Erfahrung „mit der anderen Seite“ sammeln und gleichzeitig in mich aktuell bewegenden Fragen professionellen Rat suchen.

Witt-Bartsch: Das DFK-Mentoringprogramm für (angehende) Führungskräfte ist bewusst aufgesetzt worden als eine Balance von Geben und Nehmen zwischen Mentor und Mentee. Neben der Möglichkeit, andere bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen, hat mich auch der Erfahrungsaustausch über unterschiedliche Branchen hinweg gereizt.

Frau Prof. Witt-Bartsch, was ist aus Ihrer Erfahrung die wichtigste Eigenschaft für eine/n Mentor/in? Was muss diese/r Ihrer Meinung nach mitbringen?

Aus meiner Sicht ist es für einen Mentor am allerwichtigsten, dass er sich voll und ganz auf den Mentee und seine Erwartungen einstellt. Neben dem aktiv Zuhören und zielorientiert Fragen-stellen-Können sollte er auf jeden Fall auch die Bereitschaft haben, seinen Mentee an seinen persönlichen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

(Mentee), wie lief die erste Kontaktaufnahme zwischen Ihnen als Mentee und Ihrer Mentorin ab?

Das „Matching“ fand zunächst über die Homepage statt, d. h., Frau Prof. Witt-Bartsch bekam meine Mentoringanfrage. Nach Freischaltung der Kontaktdaten haben wir telefoniert und dann zur Vorbereitung des Kennenlerngesprächs die Mentoring-Vereinbarung (Erwartungen) bearbeitet. Auf Basis dieses Gespräches haben wir uns beide für die Aufnahme des Mentorings entschieden.

Frau Prof. Witt-Bartsch, wie aufwendig ist die Tätigkeit als Mentorin für Sie?

In Stunden kann ich das nicht beziffern. Die Häufigkeit des Austausches, ob per E-Mail, Telefon oder persönlichem Treffen, hat sich komplett an den Bedürfnissen des Mentee orientiert. Zu Beginn gab es alle vier bis sechs Wochen Kontakt, danach wurden die Abstände etwas größer und lagen bei durchschnittlich acht Wochen.

(Mentee), wie konnte Ihre Mentorin Sie dabei unterstützen, Ihre Ziele zu erreichen?

Basis war eine sehr fundierte Klärung von Ausgangsbasis und Zielen. Dadurch konnten wir sehr individuell und zielgenau arbeiten. Frau Prof. Witt-Bartsch bringt jede Menge Erfahrungen und bedarfsweise weiterführende Hinweise und Kontakte ein. Auch ihre Fach- und Sozialkompetenz führte zu einer hohen Vertrauensbasis, die Voraussetzung für ein so effektives Arbeiten war. Dieses Vorgehen half mir, meine Fragestellungen aus einem erweiterten Blickwinkel analysieren zu können. Auf Basis der daraus entstehenden eigenen Erkenntnisse sowie weiterer hilfreicher Hinweise konnte ich dann Lösungen entwickeln.

Frau Prof. Witt-Bartsch, was haben Sie selbst aus dem Mentoring mit dem Mentee mitgenommen?

Für mich war es sehr wertvoll, wieder in eine andere Organisationsstruktur und Branche eintauchen zu können. So habe auch ich neue Facetten von Führung und Veränderungsmanagement kennengelernt. Darüber hinaus habe ich viel über technische Neuentwicklungen und IT-Werkzeuge gelernt, die mir bei meinen Vorlesungen und den nächsten Beratungen sehr helfen.

(Mentee), was waren Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus dem Mentoring?

In der Zukunft werde ich nun von der erweiterten Perspektive sowie einigen methodischen Lösungsansätzen profitieren. Darüber hinaus hat mich dieses Mentoring weiter darin bestärkt, dem Mentoring treu zu bleiben – in beiden Rollen. Denn beide Seiten profitieren.

Was macht Ihnen am meisten Spaß als Mentorin/Mentee?

Mentee: Wenn sich über die Kernfrage hinaus eine Diskussion entwickelt und mich die zusätzlichen Inputs, Blickwinkel und Erfahrungen bereichern, ist das spannend und schön zugleich. Und da wir beide gutes Essen mögen, haben wir die Gespräche auch kulinarisch genossen.

Witt-Bartsch: Neue Sicht-/Handlungsweisen und andere Wege kennenzulernen, um Ziele zu erreichen.

(Mentee), würden Sie anderen jungen Mitgliedern des Verbandes eine Teilnahme am Mentoring-Programm empfehlen?

Auf jeden Fall. Ehrlich gesagt, kann ich es allen empfehlen, die Freude daran haben, sich selbst weiterzuentwickeln, andere Menschen weiterzubringen und interessanten Persönlichkeiten mit unterschiedlichstem Background wertschätzend mehr als nur einmal zu begegnen.

Was können Sie zukünftigen Mentoring-Tandems mit auf den Weg geben? Worauf sollte geachtet werden?

Mentee: Eine fundierte Analyse der Ausgangssituation und der Ziele ist unumgänglich. Klare Vereinbarungen helfen beim Umgang. Da Mentoren i. d. R. ein knappes Zeitbudget haben, ist es für die Mentees wichtig, damit vernünftig umzugehen.

Witt-Bartsch: Sich genügend Zeit nehmen, um zu verstehen, was der Mentee wirklich will und braucht.

Haben Sie eine Empfehlung, wie man das Mentoring angehen sollte?

Mentee: Das A und O sind Ehrlichkeit und Offenheit. Da es eine freiwillige Zusammenarbeit ist, sollten beide Seiten auch nicht davor zurückschrecken, nach einem Erstgespräch kein Mentoring aufzunehmen, falls es nicht passen sollte. Wenn jedoch Sympathie und Erwartungen passen, ist der Start schon geglückt.

Witt-Bartsch: Wertschätzend und respektvoll im Umgang. Sich Zeit für das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen nehmen. Akzeptieren, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt, um Ziele zu erreichen, sondern dass es darauf ankommt, den Mentee dabei zu unterstützen, den für ihn passenden Weg zu finden.

Welche Fehler kann man machen? Was macht man meist falsch/richtig?

Mentee: Mentoring ist kein generelles Coaching, so dass das Ziel (und auch das Nicht-Ziel) sehr genau herausgearbeitet werden muss. Wertschätzung, (und wie gesagt) Offenheit und Ehrlichkeit sind oberstes Gebot, so dass auch mögliche Unstimmigkeiten kommuniziert werden (können). Und letztlich ist Mentoring ein ehrenamtliches, unentgeltliches Engagement der Mentoren, so dass die Mentees durch gute Vor- und Nachbereitung zum rationellen Ablauf beitragen müssen.

Witt-Bartsch: Mentoring ist kein Allheilmittel. Wer nur 1:1 die Erfahrungen des Mentors in vergleichbaren Situationen wie ein Kochrezept anwendet, wird nicht unbedingt den gleichen Erfolg haben. Es lohnt sich, selber vorauszudenken, Bewährtes beizubehalten und Neues auszuprobieren.

Was erwarten Sie von einem Mentee/Mentor generell? Hat sich diese Erwartungshaltung verändert?

Witt-Bartsch: Für mich ist das Wichtigste, dass der Mentee sich selber persönlich weiterentwickeln will. Ich kann nur Anregungen geben und von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Ausprobieren und Neues/Ungewohntes wagen, das will und werde ich ihm nicht abnehmen. Aus diesem Grunde unterstütze ich am liebsten Mentees, die selber aktiv sind und konsequent ihre Ziele verfolgen.

Mentee: Voraussetzung für ein produktives Mentoring ist für mich die Bereitschaft des Mentors, mich und meine Fragestellungen/Probleme wirklich verstehen zu wollen. Nur so können dann gemeinsam für meine Situation passende Lösungen erarbeitet werden. Strenge Vorgaben, was zu tun sei, helfen nicht. Meine Erfahrungen in diesem Mentoring haben das bestätigt, so dass sich meine Erwartungshaltung nicht verändert hat.

(Mentee), was empfehlen Sie DFK-Mitgliedern, die derzeit noch zögern, sich in der DFK-Datenbank als Mentee zu registrieren?

Ich kann erstens empfehlen, Erfahrungen anderer (wie in diesem Interview) als Anschub zu nehmen. Und zweitens rate ich, es einfach einmal auszuprobieren, wenn man eine entsprechende Fragestellung hat. Da das Mentoring mit einem bestimmten Mentor nur erfolgt, wenn beide diesem nach einem Kennenlernen zustimmen, ist das einzige „Risiko“ dieses Kennenlerngespräch. Wenn das „geschafft“ ist, läuft das Mentoring mit dem entsprechenden Engagement dann quasi von allein.

Frau Prof. Witt-Bartsch, was empfehlen Sie DFK-Mitgliedern, die derzeit noch zögern, sich in der DFK-Datenbank als Mentor zu registrieren?

Beantworten Sie für sich im ersten Schritt zwei Fragen:

  • Geben Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen sehr gerne an andere Personen weiter?
  • Haben Sie Freude daran, sich mit anderen Personen auszutauschen und Neues zu lernen?

Beide Aspekte empfinde ich persönlich als Grundvoraussetzung, um sich überhaupt als Mentor zu engagieren. Das dafür erforderliche Handwerkszeug, wie z. B. Kommunikationstechniken, haben die meisten von uns in ihrem Arbeitsalltag schon zur Genüge ausprobiert. Darüber hinaus gibt der DFK-Monitoring-Leitfaden eine sehr gute Unterstützung bei den ersten Schritten als Mentor.

(Mentee), nach Ihren sehr positiven Erfahrungen als Mentee, würden Sie sich jetzt auch als Mentor für (angehende) Führungskräfte zur Verfügung stellen?

Selbstverständlich, sehr gern!

Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

 

 

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