Versuchslabor Bildung Vorsicht Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Die Bertelsmann-Stiftung hat es ausgerechnet: 2025 werden rund 24.000 Lehrer an Grundschulen und bis 2030 ca. 27.000 Lehrer für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 fehlen. Insbesondere Eltern werden nun mit den Schultern zucken und das als wenig überraschende Nachricht abtun. Kämpfen sie doch seit Jahrzehnten mit Lehrermangel und Ausfall von Unterrichtsstunden. Ernsthaft überrascht dürfte hierzulande nur die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder sein. Diese hatte nämlich angekündigt, in 2018 die Schülerzahlen für die Jahre 2015 bis 2030 und die Zahl der benötigten Lehrer für 2014 bis 2025 „voraus“zuberechnen. Leider kein Scherz – die KMK-Prognose bezieht sich auch auf die zurückliegenden drei bzw. vier Jahre. Man stelle sich vor, ein ­Unternehmen präsentiere seinen Investoren eine Prognose mit den Kundenzahlen für die letzten Jahre. Die Börsianer würden sich vor Begeisterung kaum noch beruhigen. Immerhin besteht damit aber zumindest eine kleine Chance, dass die KMK mit ihren Zahlen auch einmal annähernd richtig liegen könnte. Eine Garantie gibt es aber auch dafür nicht. Bislang haben die KMK und die Schulministerien der Länder nämlich noch nicht erklären können, warum jeder Hersteller von Baby-Nahrung über verläss­lichere Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung verfügt und diese auch noch schneller vorliegen hat als die KMK.

Diese Inkompetenz verhält sich zugleich aber umgekehrt proportional zur Experimentierfreudigkeit der Ministerien, wenn es um das Versuchsfeld Schule geht. Vom G9 zum G8 und wieder zurück zum G9, ohne dass das Ganze auch nur annähernd vorbereitet war und gewürzt mit der Ansage, dass jede Schule doch selbst entscheiden möge. Ausgetragen wird es auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrern. Oder die Einführung von Ganztagsschulen, die sich als bessere Kinderverwahranstalten entpuppen. Zur Verschleierung von Pro­ble­men werden Klassenstärken erhöht und die ­Unterrichtsstunden pro Woche gekürzt. Kaum vorstellbar, dass hier ein Denkvorgang vorgeschaltet war. Aber darf man die Bildung ­wirklich Ministerien überlassen, in denen die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen an der Tagesordnung zu sein scheint?


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

Zurück