Corporate Volunteering Schwerpunkt Corporate Social Responsibility

Dr. Andreas Rickert

von Dr. Andreas Rickert

Einen Unterschied machen, sowohl für die eigenen Mitarbeitenden als auch für die Gesellschaft – das steckt hinter Corporate Volunteering. Doch welche Projekte geben Sinn? Und was ist für eine erfolgreiche Umsetzung zu beachten?

Wir geben Antworten.  Erfolgreiches Unternehmensengagement geht über das Sponsoring eines Trikotsatzes für die örtliche Fußballmannschaft hinaus – vielmehr definiert es sich durch konkretes Anpacken, oder neudeutsch: Corporate Volunteering. Unternehmen, die mit einem authentischen Engagement liebäugeln, sollten fünf Fragen beantworten können:

1. Ziele – Welches Gut ist denn gut genug?

Mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz geben die Mitarbeitenden der Gesellschaft etwas zurück. Aber was eigentlich? Die Eingrenzung des Engagementfelds ist eine Herausforderung, bietet aber gleichzeitig die Chance, die Unternehmensstrategie wieder ins Gedächtnis zu rufen.

John Deere etwa deckt mit seinem Engagement die eigenen Missionsziele ab: Bildung, regionale Grundversorgung und Ernährung. Mit Blick auf Letzteres ist eine der beliebtesten Aktionen im Werk daher der jährliche Day of Caring, bei dem Mitarbeitende Tüten mit Essen packen und an Bedürftige spenden.

2. Planung und Ressourcen – Wer sind wir und wenn ja, wie viele?

Corporate Volunteering umfasst mehr als nur den jährlichen Social Day. Je nach Ziel und Zielgruppe passen andere Formate vielleicht besser, von eintägigen Events bis zu halbjährigen Hospitationen ist alles denkbar. Knackpunkt einer jeder Maßnahmenplanung ist die Ressourcenfrage. Viele gemeinnützige Projekte greifen schnell in die betrieblichen Abläufe ein, werfen Steuer- und Versicherungsfragen auf und müssen entsprechend abgefedert werden. Aufwand garantiert.

Andererseits besteht gerade bei solchen Projekten die Chance, einen echten, nachweisbaren Unterschied zu erzielen: Der zweistündige Arbeitseinsatz ist weniger nachhaltig als ein längerfristiges Engagementprogramm. Wer es also ernst meint mit gesellschaftlicher Verantwortung, sollte sich von höheren Aufwänden nicht abschrecken lassen.

John Deere beispielsweise setzt auf ein Mentoringprojekt, bei dem sich Mitarbeitende wöchentlich mit Jugendlichen treffen und in den Berufseinstieg begleiten. Dieses Engagement, das sechs Monate lang dauert, kostet Kraft und Ressourcen. Doch die Erfolgsquoten und die individuellen Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Jugendlichen lassen keinen Zweifel aufkommen: Der Aufwand ist es wert!

3. Wirkung – Die Suche nach KPIs?

Die Frage, was wie gemessen werden kann und sollte, hängt stark von den Zielen und der Gestaltung einzelner Maßnahmen ab: Die Lebensmitteltüten beim Day of Caring lassen sich zählen und als Gesamtzahl kommunizieren. Die Veränderungen, die das Mentoringprogramm bei einzelnen Jugendlichen bewirkt hat, brauchen hingegen deutlich differenziertere Evaluationsinstrumente.

Realistische Annahmen über die gesellschaftliche Wirkung können nur mit der Partnerorganisation gemeinsam getroffen werden. Die Organisation weiß am besten, wie sich die Wirkung einzelner Maßnahmen ermitteln lässt. Umgekehrt sollte sich das Unternehmen auf die innerbetrieblichen Kennzahlen konzentrieren: Wie viele Menschen haben wie lange unentgeltlich fürs Gemeinwohl gearbeitet? Und hat sich dadurch auch etwas im Unternehmen getan?

4. Matching – Die Nadel im Heuhaufen?

Damit Corporate Volunteering gelingen kann, braucht es passende Organisationen, die Einsatzmöglichkeiten für die Freiwilligen schaffen. Um gleich mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die allermeisten Organisationen arbeiten hochprofessionell und sprechen durchaus die gleiche Sprache wie Unternehmen! Gerade regional tätige Organisationen können einen echten Mehrwert liefern: Sie kennen die Bedarfe vor Ort sehr gut, verfügen bereits über eine Infrastruktur für das Unternehmensengagement und bieten den Mitarbeitenden einen hohen Grad an Identifikation.

5. Kommunikation – Steter Tropfen höhlt den Stein?

Gut und vor allem kontinuierlich über Corporate-Volunteering-Programme zu berichten, ist elementar für den Erfolg. Es braucht einen langen Atem, um innerbetrieblich das Projekt gegenüber Vorgesetzten zu legitimieren, KollegInnen zu motivieren und Führungskräfte zu gewinnen. Nur so ist Kulturveränderung möglich.

Aber auch eine zielgruppengerechte Außendarstellung ist wichtig. Wer sein Engagementprojekt plausibel darstellt, tut etwas für sein Image – sowohl nach innen wie auch nach außen. Besonders erfolgreich ist die Kommunikation, wenn man sich nicht nur in Zahlen und Fakten verliert, sondern die tatsächlichen Wirkungen des Projekts ganz plastisch macht, vielleicht sogar in eine Geschichte einbettet. Denn: Wer Gutes tut, dem hört man nun einmal gerne beim Reden zu.

Kontakt: www.phineo.org

Dr. Andreas Rickert ist Vorstandsvorsitzender und Gründer des gemeinnützigen Analyse-und Beratungshauses PHINEO. Er hat Biologie in Düsseldorf, Davis und Bonn studiert und in Molekularbiologie in Köln und Stanford promoviert.


Bildquellen: © Phineo

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