Am Rande vermerkt Achtung Satire

Ralf T. Krüger

von Ralf T. Krüger

Satire, die doch nach Tucholsky „alles darf“, hat es in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Abgesehen davon, dass die Realität die kühnsten Zeichnungen der Satire meist übertrifft, wird es ob der Geschwindigkeit der Ereignisse nicht ganz leicht, immer auf der berühmten „Ballhöhe“ zu bleiben. Da tut es gut, sich auf einige Dinge verlassen zu können. Fixpunkte der Konversation, die sowohl bei Bier im Sitzen wie bei Champagner im Stehen für den Anstoß eines Gespräches sorgen. Der Brexit zum Beispiel, sozusagen der Ostfriesenwitz der politischen Satire. Er wird, egal wann Sie diese Zeitschrift aufschlagen, immer noch Thema sein. (Das sollte man übrigens nicht als gute Nachricht verstehen.) Letztendlich sind wir aber eher nicht den Briten, sondern einem anderen Nachbarn in Europa in satirischer Feindschaft herzlich verbunden: Felix Austria.

Im Falle Österreich mag ein „Zuviel“ gemeinsamer Geschichte der Grund sein, warum man sich gegenseitig fast alles zutraut. Außer natürlich 12 Punkte beim Eurovision Song Contest. Im konkreten Fall aber verdächtigte man Jan Böhmermann, die alte Regel „Was auf Ibiza passiert, bleibt auf Ibiza“ zu Ungunsten politischer Kräfte in der Alpenrepublik gebrochen zu haben. Vielleicht auch in der Annahme, dass gerade die Deutschen mit „besoffenen Geschichten“ auf spanischen Inseln Erfahrung haben. Wobei auf dem Ballermann eine „Videofalle“ überflüssig ist. Dort sind TV-Teams und Webcams Standard. Wenn man auf die Bilder schaut, meint man mitunter im Hintergrund Wolfgang Petry zu hören: „Hölle, Hölle, Hölle.“

Dies alles ist kein Trost für den Nachbarn in schwierigen Zeiten. Vielleicht die Gelegenheit, noch einmal auf Kurt Tucholsky und seine Definition der Satire zurückzukommen. „Wenn ich die Folgen der Trunksucht aufzeigen will, also dieses Laster bekämpfe, so kann ich das nicht mit frommen Bibelsprüchen, sondern ich werde es am wirksamsten durch die packende Darstellung eines Mannes tun, der hoffnungslos betrunken ist.“ Wir warten derweil auf den nächsten Tweet von Donald Trump.


Bildquelle: © DFK - Verband für Fach- und Führungskräfte

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