Gewonnen wird im Kopf – verloren auch Was Young Leaders von Spitzensportlern lernen können

Christian Bremer

von Christian Bremer

Die Konzentration steht Brittney Reese, der US-amerikanischen Weitsprung-Athletin, ins Gesicht geschrieben. Nichts kann sie ablenken – auch nicht die klatschende und tosende Zuschauermenge im S­tadion. Das ist absoluter Fokus, Achtsamkeit at it’s best! Noch einmal durchatmen. Dann sprintet sie los, die Schritte lang und kraftvoll. Absprung! Sie landet im Sand. Nicht übergetreten. Geschafft! 7,12 m überwunden! Sie sichert sich Olympiagold. Im anschließenden Interview meint sie selbstbewusst: „Ich kam hierher, um Spaß zu haben – und um zu gewinnen“. Wow! Hut ab! Keine Sekunde hat sie an Zweifel verschwendet. Ganz ähnlich waren die Aussagen der anderen Sportler, die einen Platz auf dem Treppchen ergattert hatten. Andere schieden deutlich früher aus, nicht weil sie unfit gewesen wären, ihnen fehlte das Quäntchen Überzeugung und der Fokus, die die Konkurrenten zum Sieg führten.

Warum dieser Ausflug zu Olympia? Weil junge Führungskräfte etwas von den Sportlern lernen können! Absoluten, alles Unwichtige ausblendenden Fokus. Das Im-Moment-Sein, die Entschlossenheit, der Siegeswille – konzentrierte Energie! Einfach nur faszinierend und vor allem inspirierend, auch für „Normalos“ wie Sie und mich.

Sieg oder Niederlage

Zahlreiche Sportexperten sind sich einig: Der Unterschied zwischen den Besten und den Guten der Weltspitze, zwischen den Siegern und Verlierern sind nicht die physischen und technischen Voraussetzungen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet die mentale Stärke. Im Business auch.

Machen Sie es den Profis gleich und schauen Sie sich folgende drei Techniken ab. Nein, keine Sorge, Sie sollen keineswegs zum Leichtathletik-Ass mutieren. Aber wir alle bringen mit Blick auf mehr Fokus unsere Karriere oder privaten Beziehungen auf einen besseren Weg. Die einzige Voraussetzung: Ihr Wille zum Sieg. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Reese: Seien Sie sich sicher, dass Sie die „Herausforderung Führung“ mit Bravour meistern.

1. Mentale Ausdauer durch dauerhafte Motivation:

Können Sie sich vorstellen, vier Jahre lang täglich unter Schmerzen zu trainieren, um dann mit Glück innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten Bestleistung zu erbringen – wie etwa beim Sprung von einem 10-Meter-Brett? Dazu gehören wilde Entschlossenheit, Aufopferungsbereitschaft und ein gehöriges Maß an Selbstmotivation! Das erreichen Sie nur, wenn Sie Ihr Hauptaugenmerk nicht auf den Berg der anstehenden Arbeit richten. Das Ergebnis ist das Entscheidende! Nicht das Bewusstsein um den Aufwand. Natürlich existiert für Motivation kein Patentrezept, sonst wären wir alle Goldme­daillengewinner und High-Performer. Um beste Leistungen zu erbringen, müssen Sie bereit sein, Opfer zu bringen. Und sich immer neu motivie-
ren. Wenn Sie das nächste Mal mitten in einem Projekt sind und Motivationsprobleme haben, beantworten Sie diese Fokus-Fragen: „Wie gut werde ich mich fühlen, wenn es fertig ist?“ „Welche Vorteile winken mir, wenn ich jetzt den Hintern hochkriege?“ „Warum mache ich das Projekt? Was ist für mich drin? Welcher Sinn steckt dahinter?“
„Wofür kann ich dankbar sein? Was sind die positiven Aspekte?“

2. Das Denken lenken:

Mental starke Sportler sind sich bewusst, dass ihre Gedanken und Glaubenssätze Energie, Power und Zuversicht extrem beeinflussen. Diese Tatsache nutzen sie, um punktgenau ihr Bestes zu geben. Je positiver sie denken, desto besser wird das Ergebnis. Das ist aber nicht nur ein Trick für ausgefuchste Athleten. Sie müssen dafür lernen, Ihr Denken zu beeinflussen. Eine der stärksten und wirkungsvollsten Techniken: „Denken im Gegenteil“. Tut mir leid, das so offen sagen zu müssen: Gehören Sie zu denjenigen, die sich innerlich immer auf das Schlimmste gefasst machen und sich selbst sagen: „Ich schaffe das sowieso nicht“ oder „Das kann ich nicht“? Dann herzlich willkommen im Kreise der Sich-selbst-klein-Macher. Natürlich ist das so nicht zu schaffen. Wie auch? Wenn Sie noch nicht mal selbst an sich glauben. Wer so denkt, enttäuscht sich zwar selbst weniger. Zufriedenheit sieht anders aus.

Hier mal ein anderer Ansatz. Die Lösung klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht und bequem, wie im alten Trott zu verharren: Schreiben Sie den negativen Gedanken auf. Formulieren Sie dann das Gegenteil. Doch Vorsicht: Begründen Sie für sich, warum Sie etwas schaffen, sonst glauben Sie selbst natürlich nicht daran:
„Ich schaffe das, weil ich immerhin 5 Jahre Berufserfahrung habe und mich ein Kollege unterstützt.“ „Ich kann das, weil ich etwas Ähnliches schon zweimal gemacht habe.“

Und wenn Sie immer noch der Überzeugung sind, dass etwas nicht klappt, dann überlegen Sie: Was brauche ich, um zum Ziel zu kommen? Gibt es jemanden, der Sie unterstützen kann? Fehlen Ressourcen? Haben Sie eine Wissenslücke, die Sie füllen müssen?

3. Optimistisch und energiegeladen:

Der Schweizer Tennisspieler Roger Federer mietet sich bei großen Turnieren immer zwei separate Häuser: eines für seine Familie und eines, damit er in den Nächten vor seinen wichtigsten Matches ungestört und gut schlafen kann.

Klar, das ist keine Lösung für Sie vor einem wichtigen Vorstandsmeeting. Zumindest nicht, wenn Sie nicht gerade Millionen auf dem Konto haben. Auch ein Hotelzimmer würde langfristig sicher ins Geld gehen. Außerdem sind es es selten Familienmitglieder oder Nachbarn, die uns von einer guten Mütze Schlaf abhalten. Sie sind es selbst. Ihr sorgenvolles Kopfkino läuft auf Hochtouren! Aber gegen dieses Gedankenkarussell ist ein Kraut gewachsen: Seien Sie mal für einige Sekunden offen für die unangenehmen Gefühle. Sie bringen Sie ja nicht um. Steigern Sie sich aber nicht hinein! Akzeptieren Sie den Zustand. So lösen Sie den ersten Widerstand auf. Im zweiten Schritt sagen Sie sich „STOPP!“ und ändern dabei auch ruckartig Ihre Körpersprache, indem Sie aufstehen, sich bewegen, sich recken und strecken. Körper und Geist hängen zusammen, nutzen Sie das. Denken Sie etwa an die Sportler, die vor ihrem großen Moment ein Ritual durchführen: So performt das Rugby-Team aus Neuseeland vor jedem Spiel seinen „Haka“, einen traditionellen Maori-Tanz, manch Fußballer zieht einen bestimmten Schuh immer als Erstes an, und die Isländer haben ihre Fans im Hu!-Hu!-Hu!-Takt zum Jubeln gebracht. Suchen Sie sich ein zu Ihnen persönlich passendes Ritual, das Sie aus den negativen Gedanken reißt. Im dritten Schritt denken Sie für mindestens eine Minute an einen konkreten schönen Moment in Ihrem Leben und lassen ihn noch einmal lebendig werden: Was haben Sie gesehen, was haben Sie gehört, wie hat es gerochen, wie hat es sich angefühlt? Im letzten Schritt feiern Sie, Ihre Gedanken gelenkt zu haben. Tun Sie so, als hätten Sie gerade den Grand Slam gewonnen. Damit belohnen Sie sich und bringen Ihrem Gehirn bei, weniger in Problemen zu denken, die Sie vom Schlaf abhalten.

Praxis, Praxis, Praxis

Sie können über Führung und Erfolg alles wissen. Theorie ist definitiv wichtig. Doch ohne Praxis nützt Ihnen die beste Theorie nichts. Üben Sie diese einfachen, aber wirkungsvollen Techniken und lassen Sie sich im August von den Olympioniken inspirieren. Das ist konstruktiver und vor allem aktiver Umgang mit Stress. Denken Sie immer daran: Wir können uns nicht aussuchen, was im ­Leben passiert. Aber wir können unsere Reak­tion beeinflussen.

Kontakt: www.christian-bremer.de

Christian Bremer ist als Redner, Autor und Seminarveranstalter Experte für souveräne Gelassenheit. Sein Credo: „Gelassenheit ist doch kinderleicht, wenn man weiß, wie es geht.“


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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