Inklusion ist, wenn alle mitmachen dürfen ...

Bernhard von Rothkirch

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine wichtige Tugend unserer Gesellschaft ist die Toleranz gegenüber Menschen, die anders sind als wir. Dabei zeigt die Erfahrung, dass, je leichter Menschen an unserem gesellschaftlichen Leben teilhaben können und sich in ihrer Individualität willkommen fühlen, sie mit ihren unterschiedlichen Sichten und Erfahrungen desto eher und mehr zum Erfolg unserer Gemeinschaft beitragen. Das gilt für alle Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen.

Die Erfahrung zeigt aber auch, dass es im Umgang miteinander eines gemeinsamen Grundverständnisses und Regeln bedarf; Regeln, die weiterentwickelt werden und werden müssen. So trat z. B. am 26. März 2009 die UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderungen in der Bundesrepublik in Kraft. War es zuvor Ziel, behinderte Menschen in die vorhandenen Strukturen zu „integrieren“, verlangte nunmehr „Inklusion“ die Anpassung der Strukturen an die Bedürfnisse behinderter Menschen.

Für den Bildungsbereich, in dem der Begriff „Inklusion“ erstmals verwendet wurde, bedeutet das: Statt Förderschulen mit spezieller Lernumgebung und speziell ausgebildeten Lehrern geht es nun darum, Kindern mit Behinderungen die Teilnahme am Unterricht in normalen Schulen zu ermöglichen. Hier stehen die Bildungseinrichtungen personell und finanziell vor großen Herausforderungen.

Ein weiterer Entwicklungsschritt ist das am 28. Juni 2016 vom Kabinett beschlossene Bundesteilhabegesetz und der Nationale Aktionsplan (NAP) 2.0. Sie sollen die Inklusion behinderter Menschen in Deutschland weiter vorantreiben und Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung und Teilhabe in allen Lebensbereichen ermöglichen.

Das Ziel, behinderten Menschen die Teilhabe an allen Gesellschaftsbereichen zu ermöglichen, macht Inklusion zu einem wichtigen Element bei der Umsetzung von Diversity, die auf die Anerkennung von gesellschaftlicher Vielfalt, Individualität und Bedürfnissen der einzelnen Menschen und seiner Teilhabe an der Gesellschaft setzt. Während der Inklusion für Menschen mit Behinderungen gibt es zahlreiche weitere Initiativen und Gesetze die Menschen unter dem Oberbegriff „Diversity“ die gleichberechtigte Teilhabe in unserer Gesellschaft ermöglichen sollen. Beispielhaft seien genannt:

  • Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006), das „Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität verhindern und beseitigen soll“.
  • Die „Charta der Vielfalt“ (2012) ist eine Selbstverpflichtung von Unternehmen und Institu­tionen zu Vielfalt und Toleranz, Fairness und Wertschätzung von Menschen im Arbeits­leben und wurde bereits von zahlreichen Unternehmen und Institutionen wie auch dem Berufsverband DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK unterzeichnet.
  • Das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungsposi­tionen.
  • Das Gesetz zur Förderung von Entgeltstrukturen (2017) und der „Equal Pay Day“, der von Frauenverbänden ins Leben gerufen wurde.

Alle diese Maßnahmen haben neben dem angestrebten Kulturwandel auch einen wichtigen anderen Aspekt: Sie wirken der Demografie in der Arbeitswelt entgegen, indem mehr Menschen länger im Arbeitsleben bleiben, mehr Frauen Führungspositionen übernehmen und mehr Menschen aus anderen Ländern und Kulturen in unserem Land arbeiten.


Ihr
Bernhard von Rothkirch


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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