Der Brexit oder Mutter muss ins Heim Achtung Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit, ungläubigem Staunen, gelegentlichem Amüsement und mehr oder weniger wohligem Schaudern schauen wir vom Kontinent seit einiger Zeit Richtung Großbritannien und auf die parlamentarischen Diskussionen um den Brexit. Das britische Unterhaus wird gern auch als „Mutter der Parlamente“ bezeichnet. So wie dort über den Brexit diskutiert und immer wieder mal auch abgestimmt wird, möchte man den britischen Freunden zurufen: „Mutter muss ins Heim.“ Seit dem Brexit-Referendum extrem weglaufgefährdet und orientierungslos häufen sich nun auch die Anzeichen geistiger Verwahrlosung und Verantwortungslosigkeit. Anders ist es nicht mehr zu erklären, dass ein Abgeordneter wie der unsägliche Eton-Schüler Jacob Rees-Mogg mit der Aussage, ein ungeregelter sogenannter No-Deal-Brexit sei doch irgendwie aufregend, während er gleichzeitig seine Kapitalanlagen in ausländischen Steuerparadiesen auf Offshore-Konten in Sicherheit bringt, so viele Anhänger um sich scharen kann. Mit Parlamentariern, die gedanklich im 17. Jahrhundert gestrandet sind, sollte man von nichts überrascht sein, was hier noch auf uns zukommt. Sehr passend ist es daher schon, wenn der Speaker des Unterhauses eine Abstimmung mit dem Hinweis auf ein Gesetz des Jahres 1605 untersagt. Hier werden mit Anbeginn der Brexit-Kampagnen offen gebliebene Rechnungen aus Schulhofraufereien in Eton und rituell gepflegten Streitigkeiten aus gemeinsamen bierseligen Oxforder Studententagen nun parlamentarisch zu Ende geführt. Zu Lasten eines ganzen Landes und seiner Bevölkerung. Sollte der Plan sein, aus Great Britain Little England zu machen, wäre es allerdings ein ausgefuchster Plan mit hoher Eintrittswahrscheinlichkeit.

Vielleicht glauben wir mit unserer eingeschränkten unbedarften kontinentalen Sicht aber auch nur irrtümlich, es gehe um Parlamentarismus, während es sich tatsächlich um das anarchisch-humoristische Experiment einer politischen Sitcom ohne festes Drehbuch mit einer bunten Truppe von Stand-up-Comedians handelt. Das würde übrigens auch erklären, warum sich die Premierministerin zwischendurch einmal bei ihrem Fraktionsvorsitzenden hilfesuchend erkundigen muss, wie denn nun beim nächsten parlamentarischen Antrag abzustimmen sei.


Bildquelle: © DFK - Verband für Fach- und Führungskräfte

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