Fünf Tipps für Frauen, die in eine Führungsposition möchten Schwerpunkt Frauen in Führung

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch

von Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch

In höheren Führungspositionen gibt es immer noch zu wenige Frauen. Meistens wird argumentiert, dass Frauen keine Chance bekommen. Doch es gibt einen weiteren triftigen Grund. Ein Führungsmann, der gerne in solchen Positionen mehr Frauen hätte, zuckt bei dieser Frage nur resignierend die Schulter und sagt: „Weil sich dafür nie eine bei mir beworben hat.“

Diese Erfahrung teile ich. Frauen sind nach wie vor oft viel zu zurückhaltend. Frauen, traut euch! Gerade die, die gerne an sich zweifeln, haben oft bereits alles, was es braucht, um in Führung zu gehen.

Tipp 1: Wissen, was Sie können! – Selbstbewusstsein ist ein Must-have

Kennen Sie das Kleinmacher- und Tiefstaplersyndrom? Leider haben das immer noch viel zu viele Frauen und pflegen es auch noch jeden Tag. Statt Anerkennung anzunehmen, sich darüber zu freuen und dafür einfach „danke“ zu sagen, hört man eher Dinge wie „das war doch selbstverständlich“, „das ist doch nichts Besonderes“, „das hätte jeder so gemacht“. Das wirkt nicht nur sehr unsicher, es spielt sogar die eigenen Qualitäten und Leistungen enorm herunter. Kein Wunder, wenn andere bei interessanten Aufgaben und Positionen eher zum Zuge kommen.

Was jede Führungskraft braucht: Selbstbewusstsein. Nehmen Sie sich gründlich, aber fair unter die Lupe, damit Sie Ihre (Führungs-)Kompetenzen auch wahrnehmen. Nur dann können Sie sich offensiv zeigen, damit auch andere sie sehen, erleben und würdigen können!

Tipp 2: Wissen, wo Sie hinwollen – Karriere ist ein Tun-Wort

Ziele haben und diese auch konsequent verfolgen ist meistens leichter gesagt als getan. Doch ohne zu wissen, was und wohin man selber will, werden sich bietende Chancen einfach übersehen. Oder Frau verlässt sich darauf, dass sie schon „entdeckt“ wird. Die Chance, dass eine attraktive Führungsposition auf dem Silbertablett serviert wird, ist ähnlich selten wie der Sechser im Lotto.

Und selbst, wenn das passiert, kommen Sie, wenn’s dumm läuft, auf eine Schiene, die Ihnen gar nicht gefällt. Eine Führungsposition kann ganz unterschiedlich aussehen: Die ­einen streben nach Personalverantwortung mit möglichst vielen Mitarbeitern, vielleicht einem Auslandseinsatz. Die anderen wünschen sich eine zentrale, strategische Stelle mit viel Verantwortung, aber ohne direkte Mitarbeiter.

Aus diesem Grunde gilt auch hier: Selbst ist die Frau! Überlegen Sie sich, was Sie in 5, 10, 15 oder ... Jahren beruflich und privat erreicht haben wollen. Das ist übrigens auch eine sehr schöne Möglichkeit, wenn Sie an sich zweifeln oder nicht so ganz sicher sind, ob Ihnen eine höhere Führungsaufgabe überhaupt zusagt. Denn mit der Vorstellung „in jeweils ein paar Jahren“ können Sie sich ausprobieren und Schritt für Schritt hineinwachsen. So schärfen Sie Ihre Sinne, sich bietende Chancen zu erkennen und auch für Ihr persönliches Weiterkommen zu nutzen.

Tipp 3: Wissen, was Ihnen noch fehlt – Selbsterkenntnis ist von Nutzen

Die gute Nachricht zuerst: Wenn Sie sich sehr kritisch sehen und eher zweifeln, ob Sie schon gut genug sind – oder generell einer Führungsaufgabe gewachsen sind, dann zeichnet Sie das zunächst einmal aus. Denn gute Leute unterschätzen die Dinge nicht. Trotzdem gilt natürlich: Zweifler haben meistens einen sehr unausgewogenen Blick. Und das liegt daran, dass sie nicht konkret genug hinschauen. Darum: Ja, für jemanden, der weiterkommen will, ist es wichtig, dass er sich selbst richtig beurteilt und dabei neben der Beantwortung der Fragen „Was kann ich?“ und „Was will ich?“ auch erkennt: „Was kann/will ich nicht?“

Aber das bringt nur etwas, wenn Sie sich konstruktiv-kritisch mit sich befassen und sich genau unter die Lupe nehmen. Bleiben Sie also nicht zu sehr an der Oberfläche. Wenn Sie denken: „Für Mitarbeiterführung bin ich zu zurückhaltend!“, dann schreiben Sie mal auf, was Sie denken, was die Anforderungen dafür sind (SOLL) und wie Sie dabei abschneiden. Definieren Sie wirklich konkret, was gemeint ist, aber seien Sie ruhig subjektiv! Es ist ja Ihre Einschätzung der Lage! Vielleicht denken Sie: Eine Führungskraft, muss

  • durchgreifen können.
  • auch Unpopuläres zur Sprache bringen.
  • auch mal jemanden kritisieren oder abmahnen.
  • mit der Faust auf den Tisch schlagen.
  • Leute mitreißen und motivieren können.

Machen Sie Ihre eigene Anforderungsliste, dann können Sie sie überprüfen und sich realistisch einschätzen. So kommen auch viel konkretere Aspekte auf, an denen Sie arbeiten möchten.

Tipp 4: Wissen, wer Sie unterstützt – Selbstmarketing fördert Sichtbarkeit

Unbedingt alles aus eigener Kraft erreichen zu wollen, ist schwer und dauert manchmal länger. Einfacher ist es, wenn Frau für Ihre Karriere auch Unterstützer, Helfer, Mentoren hat.

Mein Vater hat früher zu mir gesagt: „Willst Du nach oben kommen, brauchst Du jemanden, der Dir die Leiter hält!“ Anfangs habe ich den Spruch nicht verstanden. Doch seit meinen ersten Arbeitstagen habe ich erlebt, wie recht er damit hat und wie wichtig es ist, Menschen zu haben, die an einen glauben und von den Fähigkeiten so überzeugt sind, dass sie Sie dabei unterstützen, neue herausfordernde Aufgaben zu übernehmen und zu meistern.

Doch damit das auch bei Ihnen funktioniert, gibt es eine zwingende Voraussetzung: Kommunizieren Sie Ihre Karriereziele bei den Personen Ihres Vertrauens, die Sie bei Ihrer Erreichung aktiv unterstützen können und das auch wollen. So sorgen Sie dafür, dass Sie bei diesen auf dem Radar sind, wenn es um die Besetzung neuer Positionen geht.

Tipp 5: Wissen, dass Sie nicht alles erfüllen können/müssen – Mut zur Lücke haben!

Die Anforderungsliste in Stellenausschreibungen kommt manchmal einer Wunschliste sehr nahe. Dort wird alles reingeschrieben, was man sich von dem Bewerber für diese Stelle im Maximalfall erhofft. Während Männer sich schon auf eine Position bewerben, wenn Sie nur 60 bis 80 % der Anforderungen erfüllen, schrecken Frauen vor einer Bewerbung zurück, wenn Sie nur 90 % davon erfüllen. Also kein Wunder, wenn dann meistens auch die Männer die Nase vorn haben und die Stelle bekommen, wenn sich Frauen gar nicht erst bewerben.

Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken und darauf, welchen Nutzen das Unternehmen hat, gerade Sie für diese Aufgabe/Position zu nehmen. Darüber hinaus gibt es nichts, was Frau nicht auch lernen kann. Tun Sie es Ihren männlichen Kollegen gleich: Training on the Job ist auch für Sie machbar.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Kontakt: office(at)3e-netzwerk.de

Zusatz-Tipp: Guter Rat ist Goldes wert

Einen erfahrenen Sparringspartner zu haben, um sich zu verschiedenen Wegen auszutauschen oder neue Perspektiven kennenzulernen, hat viele Vorteile. Doch wie finden Sie den für Sie passenden?

1. Überlegen Sie, zu welchem konkreten Thema Sie einen Mentor/eine Mentorin haben möchten und welches konkrete Ziel Sie mit dem Mentoring erreichen wollen?

2. Machen Sie sich Gedanken darüber, was Ihren Mentor auszeichnen soll, damit er Sie bei Ihrem Thema am besten unterstützen kann. Welches Wissen und welche Erfahrungen sollte er mitbringen? Soll er in der gleichen Branche oder sogar im gleichen Unternehmen wie Sie arbeiten? Und, und, ...

Tatsache ist, dass nicht jeder Mentor Sie bei jedem Thema gleich gut unterstützen kann. Umso wichtiger ist es für Sie, genau zu formulieren, was Sie mit dem Mentoring erreichen wollen und wen Sie zur Unterstützung dafür brauchen.

3. Schauen Sie sich in Ihrem beruflichen oder auch privaten Umfeld um. Überlegen Sie, wer diese Voraussetzungen am besten erfüllt, Sie in Ihrem Denken und Handeln herausfordert und so dazu beiträgt, dass Sie neue Sichtweisen bekommen und Perspektiven entwickeln. Ihnen fällt niemand ein, der Sie unterstützen kann. Dann nutzen Sie doch die vielfältigen Möglichkeiten von unternehmensinternen bzw. -übergreifenden Mentoring-Programmen oder Online-Plattformen.

4. Überlegen Sie sich, was Sie Ihrem Mentor/Ihrer Mentorin für ihren freiwilligen Zeitinvest und ihre Erfahrungs-Teilhabe zurückgeben können. Mentoring ist schließlich keine Einbahnstraße. Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen sind sicherlich auch für Ihren Mentor von Nutzen.

5. Werden Sie selbst aktiv. Sprechen Sie Ihren potenziellen Mentor an. Sie können dabei nur gewinnen.

Bei Interesse stimmen Sie Ihre Erwartungen und Wünsche an das Mentoring ab und vereinbaren die nächsten Schritte.

Ein gutes Mentoring ist wie ein Projekt. Gemeinsam vereinbarte Rahmenbedingungen erleichtern die Zusammenarbeit zur Erreichung eines Ziels in einem definierten Zeitraum.

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch ist Expertin für Unternehmensorganisation und Personalentwicklung. Sie ist Gründerin des 3E-Netzwerk, der 3E-Trainingsakademie und Dozentin an der FOM-Hochschule.

 

Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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