Wachsende Haftungsrisiken befürchtet Schwerpunkt Compliance

Die VOV GmbH, ein deutscher Anbieter von D&O Versicherungen mit langjähriger Erfahrung, führt regelmäßig Umfragen unter Organvertretern durch. Zuletzt wurden im Zeitraum von Anfang November bis Anfang Dezember 2016 200 Organvertreter aus nicht inhabergeführten Unternehmen mit einer Bilanzsumme von mehr als 50 Mio. € telefonisch befragt. 79 % der Befragten waren in einer GmbH tätig, 9 % in einer AG, die restlichen verteilten sich auf andere Gesellschaftsformen. Die Bilanzsumme betrug bei ziemlich genau der Hälfte der Teilnehmer 50 Mio. bis 100 Mio. €; bei der anderen Hälfte 100 Mio. € oder mehr. Hauptsächlich (42 %) waren die Beteiligten im Bereich Ver­arbeitendes Gewerbe/Industrie/Bau tätig, zu 18 % im Handel. Die restlichen 40 % verteilten sich auf den Bereich der Dienstleistungen (Gesundheit/Gesundheitswesen, Telekommunikation/IT/Medien, Transport/Logistik und sonstige Dienstleistungen).

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern, bei denen Haftungsprivilegierungen gelten, haften Organvertreter bereits bei Fahrlässigkeit im Rahmen ihrer Tätigkeit („Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns“) vollumfänglich mit ihrem Privatvermögen. Insofern ist es positiv, dass immerhin 89 % der befragten Geschäftsführer die mit ihrer Tätigkeit ­verbundenen persönlichen Haftungsrisiken kennen – oder zumindest zu kennen glauben.

Da bei der Befragung (Mehrfachnennung war großteils möglich) 60 % angegeben hatten, dass man sich durch eigene Recherche und Fachliteratur über die Risiken informiert habe, bleibt es im Grunde jedoch leider unklar, ob die Manager sich des Haftungsrisikos tatsächlich umfänglich bewusst sind. 43 % gaben immerhin an, Beratung durch eine Rechtsanwaltskanzlei und 28 % durch ein Versicherungsunternehmen in Anspruch genommen zu haben. 

Bei der Frage, ob das Haftungsrisiko für die Tätigkeit im letzten Jahr gestiegen, gesunken oder gleich geblieben ist, gaben gut vier von zehn Geschäftsführern an, dass sie ein höheres persön­liches Haftungsrisiko wahrnähmen als vor einem Jahr. Das entspricht auch der Einschätzung, die die Anwälte des DFK bei der Beratung und Vertretung ihrer Mitglieder gewinnen.

Warum dann aber fast zwei Drittel der D&O-Versicherten angeben, dass sie ihre Tätigkeit auch ohne D&O-Versicherungsschutz aus­üben würden, erscheint vor diesem Hintergrund eher unlogisch.

Erfreulich ist aber, dass es sich dabei eher um eine theoretische Einschätzung handeln dürfte, die ggf. der eher spontanen Antwort bei einem Telefoninterview geschuldet ist. Denn tatsächlich sind immerhin rund 68 % der befragten Geschäftsführer über eine D&O-Versicherung abgesichert.

Wer jedoch meint, dass aufgrund der häufig lautstarken Kritik an Managern in der Öffentlichkeit vor allem dieser Punkt als Treiber für die Zunahme der Haftungsrisiken eingeschätzt wird, irrt. Anderen Aspekten, wie z. B. dem wirtschaftlichen Umfeld, wird durchaus mehr Bedeutung beigemessen.

Aus Sicht der Manager sind neben dienstvertraglichen Auseinandersetzungen die häufigsten D&O-Haftungsfälle Ansprüche, die der Insolvenzverwalter erhebt.
Mit dieser Einschätzung liegen die Teilnehmer der Befragung durchaus richtig. Im Rahmen einer Insolvenz droht im Regelfall Ungemach. Interessierte seien an dieser Stelle auf den Artikel in den Perspektiven 1-2-2015 auf Seite 43 verwiesen, der auch auf der Website www.die-fuehrungskraefte.de/netzwerk/geschaeftsfuehrer-vorstaende/news bei den News noch einmal zum Nachlesen zu finden ist. 

Umso erstaunlicher ist es vor allem aus Anwaltssicht, dass nur 44 % angeben, einen Notfallplan zur Insolvenzvermeidung zu haben. 31 % vertrauen auf ein Frühwarnsystem, 26 % auf rechtzeitige Warnungen durch den Steuerberater sowie weitere 24 %, dass man durch seine Bank im Ernstfall nicht fallen gelassen würde.

Das zukünftige Hauptrisiko sind aus Managersicht wie im Vorjahr primär fehlende Finanzierungsoptionen mit 51 %. Die Cyberkriminalität steht mit 43 % und Geschäftschancen, die durch Digitalisierung entstehen, mit 36 % auf Platz zwei und drei der möglichen Hauptrisiken. 

Bei größeren Unternehmen wird auch vor allem die Nichtbeachtung von Compliance-Vorschriften zunehmend für Schadensfälle verantwortlich gemacht. Dennoch haben bei 60 % der Befragten Entscheidungen zugunsten wirtschaftlicher Chancen Vorrang vor einer Absicherung durch Compliance-Vorschriften. Das mag auch damit zusammenhängen, dass sich die Hälfte der Unternehmenschefs als risikobereit einschätzt und nur jeder sechste als vorsichtig.


Bildquellen: © VOV GmbH 2017

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