Compliance braucht Haltung

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

Liebe Leserin, lieber Leser,

vom Dichterfürsten Goethe persönlich stammt die Erkenntnis: „Wenn man alle Gesetze studieren sollte, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.“ Mög­licherweise haben sich nach einschlägigen Erfah­rungen deshalb manche Unternehmen mit einem Netz von Compliance-Regelungen überzogen und sich dadurch teilweise regelrecht gelähmt. Genau das ist aber nicht der Sinn der Übung.

Compliance ist viel mehr als eine Gesetzessammlung. Sie ist immer auch eine Haltung. Stimmt der innere Kompass des Unternehmens, werden Compliance-Regelwerke nicht schrecken. Und Füh­rungskräfte haben hier eine besondere Verantwortung, diesen inneren Kompass den Mitarbeitern auf­zuzeigen und compliancegerechtes Verhalten als integralen Bestandteil der Unternehmenskultur vorzuleben. Die Botschaft muss klar sein: Wir halten uns an die Spielregeln. Wir beachten Gesetze, Rechtsverordnungen, Verträge und unternehmensinterne Richtlinien. Wir werden keine Geschäfte machen, die nur durch Verstoß gegen diese Spielregeln zustande kommen. Nur mit dieser eindeutigen Haltung vermeidet man neben rechtlichen Risiken auch die immer mit Compliance-Verstößen einhergehenden Reputationsschäden für das Unternehmen sowie für die verantwortlichen Führungskräfte und Mitarbeiter.

Oft fehlt es bei den Tätern an jeglichem Unrechtsbewusstsein. Argumente wie „Die anderen machen es doch auch“ oder „Was ich getan habe, war doch gut für mein Unternehmen. Wir ­haben so den Auftrag bekommen“ helfen vor Gericht nicht weiter. Kein Gericht wird das als Entschuldigungsgründe für ein Fehlverhalten anerkennen. Deshalb kann es nur darum gehen, rechtzeitig und immer wieder für Compliance-Fragen zu sensibilisieren. Und das gilt nicht nur für großkalibrige Delikte wie Korruption, Kartellverstöße oder Untreue. Auch das Arbeitsleben selbst muss rechtstreu gestaltet werden. Trickser, Täuscher und Hütchen­spieler, die ihre Freude darin finden, den Mitarbeiter über den Tisch zu ziehen, provozieren den Rechtsstreit und rufen damit die Juristen auf den Plan. Auch Führungskräfte scheuen sich schon lange nicht mehr davor, anwaltliche und arbeitsgerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie sich von ihrem Arbeitgeber unfair oder vertragswidrig behandelt fühlen. Festzuhalten ist, dass Compliance-Verstöße unliebsame Rechtsfolgen, im schlimmsten Fall strafgerichtliche Verurteilungen, Regressforderungen und Reputationsschäden nach sich ziehen. Nichts ­davon braucht man im Unternehmen oder persönlich.

Wen das alles noch nicht überzeugt hat, möge etwas anderes bedenken. Mit Juristen zu streiten, ist wie mit einem Wildschwein im Schlamm zu ringen. Nach Stunden ist man selbst erschöpft und stellt fest: Die mögen das!

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre dieses Heftes der „Perspektiven“. Diesmal zum Schwerpunkt „Compliance“.

Ihr
Ulrich Goldschmidt


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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