Schrödingers Führungskatze Vorsicht Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Schrödingers Katze kennen wir aus einem physikalischen Gedankenexperiment: Eine Katze wird in eine undurchsichtige Kiste gesteckt, zusammen mit einer Apparatur, die die Katze innerhalb von einer Stunde mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % tötet. Schaut man nicht in die Kiste, weiß man nicht, ob die Katze tot oder lebendig ist. Der Physiker Schrödinger folgert nach den Grundsätzen der Quantenmechanik, dass dann die Katze gleichzeitig sowohl lebendig als auch tot ist. Man spricht dann von einer „Überlagerung von Zuständen“. Soweit ­unser kurzer Ausflug in die Physik. Sie halten das Beispiel für zu paradox, als dass man daraus für das wirkliche Leben etwas ableiten könnte? Nicht so voreilig.

Denn diese „Überlagerung von Zuständen“ sehen wir auch, wenn wir auf die Anforderungen schauen, die heute an Führungskräfte gestellt werden. Erst kürzlich ging die These durch die Presse, Deutschland habe „die miesesten Chefs der Welt“. Einige Beratungsunternehmen meinten, dies in Studien ermittelt zu haben. Erstaunlich, zumal nicht erklärt werden konnte, warum Deutschland gleichzeitig ungemein erfolgreiche Unternehmen und eine stabile Wirtschaft hat, ja sogar immer neue Exportrekorde aufstellt. Das ist nicht nur mit der Fachkompetenz von Mitarbeitern und Führungskräften zu erklären, sondern auch mit der Führungskompetenz, die trotz aller Kritik sehr wohl vorhanden ist. Das Problem ist heute aber, dass jeder seine Wünsche an Führungsqualität formuliert, unabhängig davon ob diese Wünsche miteinander kompatibel sind. Der charismatische und inspirierende Leader soll zugleich fachliche Exzellenz, soziale und digitale Kompetenz, Kreativität und Team­fähigkeit an den Tag legen. Er soll seine Mit­arbeiter fordern und fördern, angemessen und wertschätzend auswählen, anleiten und kontrollieren, soll ihnen Mentor und Coach zugleich sein, als Kummerkasten, Beichtvater und Karriereberater dienen und beim Betriebsfest Wasser in Freibier verwandeln. Manches davon geht, einiges nicht oder nicht zur gleichen Zeit, anderes wird durch die Unternehmensstrukturen verhindert. Bleiben wir daher realistisch. Dies ist das ­Leben und nicht Quantenmechanik.


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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