Führen mit Werten Schwerpunkt Werte

Simone von Stosch

von Simone von Stosch

Täglich habe ich in meinen Coachings und Trainings mit dem mittleren und gehobenen Management zu tun und erlebe häufig folgendes Phänomen: Viele Führungskräfte scheuen sich, Persönlichkeit und Empathie zu zeigen. Sie meinen, je höher sie auf der Karriereleiter steigen, desto weniger ­sollten sie von sich preisgeben. Sie versuchen, möglichst unnahbar zu bleiben, keine Fehler zu machen
und  vermeiden in ihrem Führungsalltag Risiken und Herausforderungen. Führen mit Werten sieht anders aus.

Die aktuellen Tendenzen zeigen, dass nach einer Zeit der eher sachlich-funktionalen Betrachtung von FührungsAUFGABEN inzwischen vor allem die starke, überzeugende FührungsPERSÖNLICHKEIT gefragt ist. Je schneller sich die Arbeitswelt verändert, je flexibler und komplexer die Aufgabenfelder werden, desto mehr muss Führung Stabilität, Sicherheit und Vertrauen vermitteln und den Wertekanon des Unternehmens vorleben. Das gilt auch im länderübergreifenden, im internationalen Zusammenhang. Führungskräfte sollten Exporteure von Werten sein in einer globalisierten Welt, die ihre Standards immer neu verhandelt: Vertreten Sie aktiv Ihre Auffassung von Maß, von Fairness, von Nachhaltigkeit, von sozialen Standards.

Werte sind Kraftquellen

Das lateinische Wort für Wert – „virtus“ – lehrt uns: Werte sind Kraftquellen für das Miteinander, für die Firma. Sie motivieren die Mitarbeiter und schaffen Zugehörigkeit. Für die Römer waren Tapferkeit, Klugheit, Mäßigkeit, Gerechtigkeit die zentralen Werte. Und wenn wir dies in unsere Unternehmenssprache  übersetzen, dann haben sie bis heute Gültigkeit: mutig sein, das richtige Maß finden, klug und besonnen handeln und dem anderen – Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern – gerecht werden.

Moderne Führung setzt auf ein stabiles Vertrauensverhältnis und einen gemeinsamen Wertekanon. Zu ihm gehören Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und die Vorbildfunktion der Führungskraft. Glaubwürdigkeit wächst, wenn Chefs sich trauen, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen und eigene Fehler einzu­gestehen. Wenn sie verinnerlichte Werte haben, nach denen sie handeln – auch, wenn es mal unbequem wird. Zuverläs­sigkeit wird vermittelt durch konsistentes Verhalten und die Einhaltung von Zu­sagen. Eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung entsteht durch das aufrich­ti­ge Interesse am Gegenüber, durch aktives ­Zuhören, durch Wertschätzung. Bei all dem ist die Führungskraft gefragt. Sie ­sollte die ersten Schritte gehen, eine ­Vor­bildfunktion übernehmen. Die Führungskraft sollte sich ihrer Werte bewusst sein.

Führungskräfte müssen vorleben

Das ist recht viel verlangt, denn auch die Anforderungen an eine Führungskraft wachsen ja stetig. Die mittleren und oberen Führungsebenen sind in einer sogenannten „Sandwichposition“. Zwar gibt es fast in jedem großen Unternehmen mittler­weile eine Agenda von Werten. Dennoch leben die Führungsetagen das oft nicht vor. Wichtige Informationen werden nicht weiter­gegeben, Transparenz vernach­lässigt, Werte des Miteinanders missachtet. Der Druck auf Füh­rungskräfte in mittleren und gehobenen Posi­tion wächst stetig. Das produziert Stress, die Rückbesinnung auf Werte kommt dabei zu kurz.

Ist aber im Stress unsere Aufmerksamkeit stark auf uns selbst gerichtet, sind wir kaum in der Lage, Mitarbeiter gut zu führen und wahrzunehmen in ihren Bedenken, Absichten, Wünschen und Ideen. Eine niedrige Selbstbezogenheit im Handeln dagegen stärkt unsere Antennen für die Belange des Anderen und führt zu einer Intensivierung von Vertrauen und Kontakt. Im Kern geht es für Führungskräfte also mehr denn je darum, ihre sozialen und persönlichen Kompetenzen zu stärken: weniger an sich zu denken und mehr über sich zu reflektieren. Unsere Sprache ist eindeutig: „entwickeln“ gibt es nur als reflexives Verb, als „sich entwickeln“. Der Ausdruck „jemanden entwickeln“ ist eine Wortschöpfung der Personalabteilungen. Führen heißt: sich selbst entwickeln. Vorbild sein. Präsenz zeigen. Beziehungen aufbauen. Das Engagement, das Sie von anderen verlangen, sollten zuerst einmal Sie selbst voll und ganz selbst verkörpern. Durch aufrichtige Wertschätzung. Durch aktives Zuhören. Durch die Begeisterung, die Sie selbst für ihre Projekte und Ziele mitbringen. Das alles sind Werte, durch die Sie Ihre Mitarbeiter enorm motivieren, so wecken Sie Vertrauen gegenüber Ihren Kunden und schaffen nachhaltige Bindungen. Eine gute Führungskraft überzeugt durch eine gute Selbstführung. Die starke Persönlichkeit strahlt nach außen durch Klarheit, Leidenschaft und Verbindlichkeit. Führen mit Werten ist also nicht nur sinnvoll. Es verspricht auch Erfolg.

Kontakt: www.simone-von-stosch.de

Simone von Stosch ist Coach und Trainerin mit den Schwerpunkten: Führung, Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation, Präsenz, medialer und öffentlicher Auftritt und verfügt über eine langjährige Erfahrung als TV-Moderatorin und Journalistin (wie tagesschau24).

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