Geld rollt weg – Bildung bleibt Schwerpunkt Fortbildung für Führungskräfte

Ralf T. Krüger

von Ralf T. Krüger, Geschäftsführer Kommunikation DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

Die Digitalisierung – und daraus folgend die Disruption ganzer Bereiche und Geschäftsmodelle – zwingt uns zum oft propagierten „lebens­langen Lernen“. Doch wenn man sich darunter das klassische „Pauken“ vorstellt, ist man falsch. Geht es doch vielmehr darum, sich auf die ­Veränderungen unseres Arbeitens und Wirtschaftens vorzube­reiten.

Führungskräfte sind (leider) Veränderung gewohnt. Sie erleben sie Tag für Tag – und nicht immer von der guten Seite. Je größer die Organisation, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Strukturveränderungen stattfinden oder gerade stattgefunden haben. Folglich geht es zunächst einmal darum, den konstanten „Change“ mit der eigenen Arbeit (und Karriere) in Einklang zu bringen. Was hier an Fortbildung hilft, muss jeder für sich entscheiden. Ist es die persönliche Resilienz, die ich stärken will? Oder muss ich mich im fachlichen Bereich auf die neue Abteilung, den neuen Chef oder die GmbH-Ausgründung vorbereiten? Hier muss ich sehen, ob und welche Weiterbildung für mein persönliches Wohlbefinden oder meine Job-Fähigkeit notwendig ist. Da werden Bauch und Kopf mir sagen, was zu tun ist (solange ich ehrlich zu mir selbst bin).

Was muss ich wissen?

Zurück zu Digitalisierung und Disruption. Zwei Schlagworte, die uns so oft begegnen. Aber was bedeuten Sie für das, was wir wissen oder wissen sollten? Einfach gesagt, wir müssen in der Lage sein, in unserem Denken die Richtung zu ändern. Der Kopf ist rund, so Francis Picabia, damit das Denken die Richtung wechseln kann. So leicht es klingt, ist es doch schwer. Etwas, das man je nach Sachlage wirklich lernen muss. Als Summe unserer Erfahrungen und unseres Wissens sind wir gewöhnt, die uns umgebende Welt schnell und entschlossen einzuteilen und zu beurteilen. Gerade als Führungskraft. Hier die Kriterien und Schlüsse zu ändern, ist eine Herausforderung. Die Digitalisierung hat uns die Disruption ganzer Geschäftsbereiche und -modelle beschert. Ein Prozess, der in vielen Bereichen gerade erst begonnen hat. Mit einem nicht absehbaren Ende. Ein Beispiel: Fotografie. Wann haben Sie das letzte Mal einen Dia- oder Farbfilm gekauft? Und warum? Aus Liebhaber- oder künstlerischen Gründen? Und mit was für einer Kamera soll so ein Film genutzt werden? Haben Sie so was? Antwort darauf und die Realität ist, dass Schnappschüsse, Urlaubsfotos etc. heute in der absoluten Mehrheit digital erfolgen. Wenn man überhaupt noch eine „richtige Kamera“ nutzt und nicht einfach mit dem Handy alle ­Fotos macht. Die passende App ersetzt den Filter vor der Linse. Eine komplette Industrie hat sich ver­ändert. Ich brauche keine Filme und keine Filter mehr, die ich auf ein Objektiv schrauben kann. Stattdessen bezahle ich für eine App, einen Selfie-Stick etc. Oh ja, alte Dinge existieren weiter, ob Schallplatte oder Polaroid. Aber unter komplett anderen Vorzeichen, so dass auch hier ein ganz anderer Markt entsteht. Wie alle neuen Märkte muss ich auch diesen verstehen (lernen).

Diese Entwicklung kann schleichend gehen. Muss es aber nicht. Zunehmende Digitalisierung wird Prozesse beschleunigen, die wir jetzt (noch) nicht kennen. Die Herausforderung ist also, die Disruption des eigenen Geschäftsfeldes im Kopf vorwegzunehmen, um entweder die Veränderung selbst herbeizuführen oder darauf vorbereitet zu sein. Vielleicht habe ich dann nicht die Antwort auf die Veränderung, aber eine Idee, in welche Richtung sie läuft. Da wird man Trends im Auge behalten und kritisch bewerten müssen. Das ist fachliche Expertise, aber eben nicht nur. Es geht auch darum, kreativer zu denken als bisher. Offener zu sein. Veränderung der eigenen Geschäftsmodelle im Voraus zu ahnen. Im Kopf die Richtung ändern. Über den Tellerrand schauen. Kurzum: Es hat viele Namen.

Kreativität braucht Freiraum

Wenn es um Kreativität geht, wächst diese bekanntlich nur dort, wo der Geist Raum hat, sich zu bewegen und zu wandern. Und auch – Vorsicht – wenn ich Dinge tue, die mir Spaß machen. Da kann auch der Besuch im Museum oder die Sprachreise den „Kick“ geben, um den „Kopf zu öffnen“ für neue ­Ideen und eine Änderung der Sicht­weise. Solche Dinge sollte man also in seinem Weiter­bildungsportfolio auch haben. Und damit in der eignen Wahrnehmung diesen Dingen einen neuen Platz zuweisen. Den Paradigmenwechsel schaffen und sich selbst Raum für Kreativität zu schaffen. Nicht mehr im Sinne der Effizienz und Selbstoptimierung aus sich selbst das Letzte herauszupressen und noch unter der Dusche ein Business-Hörbuch zu hören. Oft sind solche Angebote nicht weit entfernt: Der Verband DIE FÜHRUNGSKÄFTE – DFK bietet vor Ort mit den Regionalgruppen zahlreiche Aktivitäten dieser Art, um die eigene Sicht der Dinge auf die Probe zu stellen. 

Neue Führung gefragt

Angesichts der veränderten Rahmenumstände wird sich auch Führung verändern müssen. Eine neue Art von Führung wird dann gefragt sein. Denn auch die Menschen verändern sich. Mag man sie Generation Y nennen oder andere Labels verwenden. Es ist ein verändertes Selbstverständnis dieser Generation. Kein neues Phänomen. Wir alle erinnern uns an unseren ersten Chef und dessen höchst andere Weltsicht. Viele gestandene Manager wollen das nicht glauben und denken, dass man mit den „jungen Wilden“ schon fertig wird. Man war ja selbst schließlich mal einer. Und wenn die Generation Y vor einem steht und nach mehr Work-Life-Balance fragt oder die bekannte Hierarchie ablehnt. Allein: So wird es nicht ablaufen. Es wird ganz anders sein. In neuen Strukturen und Projekten wird sich die Hierarchie von selbst erledigen. Die Mitglieder der Teams und Projekte werden zusammenkommen und die Frage an jeden stellen: „Was bringst DU mit an den Tisch?“ Man wird seine Anwesenheit durch Wissen und Know-how rechtfertigen müssen. Nicht mehr durch Position oder Hierarchie. Das „Set der Softskills“ wird nur größer und nicht kleiner werden. Darauf kann und muss man sich vorbereiten. Auch mit Weiterbildung.

Der DFK bietet all das und mehr. Neben dem breiten Angebot an Seminaren und Schulungen liefert er eine (fast unerschöpf­liche) Quelle für Fortbildung aller Art: das Netzwerk des Verbandes. Das gesammelte Know-how der Mitglieder. Alles, was ich hier mitbringen muss, ist die Bereitschaft zum Austausch. Man darf sich vor der Zukunft und der Veränderung nicht fürchten. Man muss sich vorbereiten, und hier lohnt sich die Investition. Denn wie Heinrich Heine einst sagte: „Geld ist rund und rollt weg. Bildung bleibt.“


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Bildquelle 2: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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