Bürokratosaurus Rex Vorsicht Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Kein Zweifel: Er lebt! Der Bürokratosaurus Rex hat nicht wie andere Saurier das Zeitliche gesegnet, sondern gedeiht in den Jurassic Parks der Regelwerke in den Unternehmen auf das Allerprächtigste. In dem urwaldähnlichen Dickicht aus genau definierten Berichtswegen, Organisationsanweisungen bis hin zu Designvorgaben für Sitzungsprotokolle etc. hat sich ein Biotop entwickelt, in dem er sich in Ermangelung natürlicher Feinde nahezu ungebremst vermehren kann. Selbst die Meteoriteneinschläge des New Work ­haben die Population nur geringfügig reduzieren können. Es wird von Veränderungsmanagement gesprochen und als Erstes dafür ein Regel- und Prozesshandbuch erstellt. Kreativ-evolutionären Umtrieben muss sofort der Garaus gemacht werden.

Aber Moment, rufen hier die, die für den Bürokratosaurus gleich Ungemach wittern und ihn auf die Rote Liste bedrohter Arten setzen wollen: Ohne Regeln geht es nicht! Wo kämen wir da hin, wenn jeder machen würde, was und wie er will? Nun, stellen wir die Frage einmal anders: Wo wäre der Mensch heute, wenn im Laufe der Evolutionsgeschichte ein Design-Team im Handbuch festgehalten hätte, dass man einen Typen, der nicht schnell laufen oder schwimmen und schon gar nicht fliegen kann und zudem auch noch ein ziemlich mieser Kletterer ist, einfach auf der Produktpalette nicht gebrauchen kann? Stattdessen hat sich der Mensch mit Kreativität und großer Freiheit trotz all seiner Fehlschläge als Erfolgsmodell der Evolutionsgeschichte erwiesen.

Natürlich brauchen wir heute in den Unternehmen auch Regeln. Schon deshalb, weil es immer Mitarbeiter geben wird, die nicht ohne Regeln arbeiten können oder wollen. Und es gibt rechtliche Anforderungen, die wir zu beachten haben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir jeden denkbaren Lebenssachverhalt in ein Regelwerk pressen müssen. Ersetzen wir das Prinzip „Wir regeln alles, was wir regeln können“ durch „Wir regeln das, was wir unbedingt regeln müssen“. Der Rest funktioniert bestens in einem Klima von Freiheit und Vertrauen auf der Basis von allgemein verständlichen Verhaltensprinzipien. Und auf den B. Rex kann dann auch Steven Spielberg bei einer Neuverfilmung von Jurassic Park gut verzichten.


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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